POLITIK
05/09/2018 19:42 CEST | Aktualisiert 05/09/2018 20:47 CEST

Exklusive Umfrage: Davor haben die Deutschen nach Chemnitz am meisten Angst

Besonders den Jungen bereitet der Rechtsextremismus Sorgen, zeigt eine Civey-Umfrage für die HuffPost.

Jens Schlueter via Getty Images
Ein "Schweigemarsch" der AfD in Chemnitz.

Sorge, Angst, Bedrohung: Es sind Worte, die in diesen Tagen wieder häufiger zu lesen sind. Die Ereignisse in Chemnitz haben die Gesellschaft aufgerüttelt.

Nachdem auf dem Stadtfest ein 35-Jähriger mutmaßlich von einem Syrer und einem Iraker erstochen wurde, formierte sich eine massive Protestbewegung, getrieben von rechten und rechtsextremen Kadern.

Es kam zu hässlichen Szenen in Chemnitz: Hitler-Grüßen, Hooligan-Aufmärschen, rassistischen Parolen.

Chemnitz zeigt so deutlich wie lange nicht, wie gespalten Deutschland in Folge der Flüchtlingskrise ist: Viele fühlen sich durch – reale oder gefühlte – Kriminalität von Migranten bedroht; andere besorgt der Aufschwung des Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Folge der Flüchtlingskrise. 

Wie dramatisch die Zerrissenheit in der Bevölkerung ist, zeigt nun auch eine exklusive Civey-Umfrage für die HuffPost: Am meisten Sorge bereitet den Deutschen angesichts der Ausschreitungen in Chemnitz die Mobilisierung der Rechten. Das gaben 36 Prozent an.

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 33,9 Prozent - und damit nur knapp weniger Menschen - sorgen sich am meisten wegen der Kriminalität durch Zuwanderer. 17,5 Prozent gaben an, vor allem Rechtsextreme in Behörden und bei der Polizei würden sie beunruhigen.

Der Hintergrund: Nachdem zuletzt ein LKA-Mann bei einer Pegida-Demonstration in Dresden für Aufsehen gesorgt hatte, veröffentlichte ein Justizbeamter in Chemnitz nach der Tat den Haftbefehl gegen einen der mutmaßlichen Täter im Internet.

6,2 Prozent der Deutschen gaben an, “etwas anderes” besorge sie angesichts der Ausschreitungen in Chemnitz am meisten. 5,9 Prozent machen sich keine Sorgen.

Die Jungen haben Angst vor Rechts

Auffällig ist: Die 18- bis 29-Jährigen sorgen sich überdurchschnittlich stark angesichts der rechtsextremen Auswüchse auf den Chemnitzer Straßen.

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So gaben 40 Prozent der jungen Menschen an, die Mobilisierung von Rechtsextremen sei ihre größte Sorge. Die Gruppe, bei der diese Sorge am Schwächsten ausgeprägt ist, sind die 30- bis 39-Jährigen (32,8 Prozent).

Die größte Angst vor der Kriminalität durch Zuwanderer haben die 50- bis 64-Jährigen. Aus dieser Gruppe gaben 36,9 Prozent an, das Thema beschäftige sie am meisten.

Auch fällt auf: Die Angst vor Rechtsextremen ist besonders ein städtisches Phänomen. In Gegenden mir einer sehr hohen Bevölkerungsdichte wählten vier von zehn Menschen die rechte Mobilisierung. 

Ein starkes Ost-West-Gefälle

Außerdem zeigt die Umfrage eine starke Differenz zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Kriminalität durch Zuwanderer ist im Osten (42,7 Prozent) eine weit präsentere Sorge als im Westen (31,3 Prozent). 

Genau andersherum ist es mit der Mobilisierung der Rechtsextremen. Hier zeigen sich im Westen 37,3 Prozent der Menschen besorgt, im Osten 31,7 Prozent.

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 AfD-Wähler und FDP-Wähler sind sich einig

Auch zeigt die Umfrage: Menschen, die bei der nächsten Bundestagswahl beabsichtigen, AfD zu wählen, machen sich am meisten Sorgen angesichts von kriminellen Zuwanderern. 82,3 Prozent sagten das. 

Auch bei potentiellen FDP-Wählern waren die kriminellen Zuwanderer das wichtigste Thema (45,9 Prozent).

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Potentielle Wähler von Grüne (62,5 Prozent), SPD (57,8 Prozent), Union (49 Prozent) und Linke (43,3 Prozent) sorgen sich am meisten über die Mobilisierung von Rechtsextremen. Bei der AfD gab nur rund jeder Hundertste diese Angst an.

Die Sorge angesichts von Rechtsextremen in Behörden und bei der Polizei ist vor allem bei Linken- (34,1 Prozent) und SPD-Wählern (31,2 Prozent) stark ausgeprägt.

 

Anmerkungen zur Methodik: Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey online erhoben. Die Stichprobe umfasste  5061 Befragte. Der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.

  • Die Befragung wurde zwischen dem 4. und 5. September durchgeführt.

(ben)