POLITIK
27/07/2018 07:02 CEST | Aktualisiert 27/07/2018 14:30 CEST

Ex-Trump-Anwalt erhebt schwere Vorwürfe – sie könnten Trumps Ende bedeuten

Auf den Punkt.

Im Video oben: Ex-Anwalt von Trump leakt geheimes Tape – das ist darauf zu hören.

Am 9. Juni 2016 findet im Trump Tower in New York City ein Treffen statt, das US-Präsident Donald Trump sein Amt kosten könnte. 

Es ist ein Treffen zwischen Donald Trumps Sohn Donald Trump Jr., seinem Schwiegersohn Jared Kushner und seinem damaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort mit russischen Lobbyisten. Lobbyisten wie der Anwältin Natalia Veselnitskaya, die dem Kreml nahe steht. 

Die Russen bieten dem Trump-Team schmutzige Informationen über Trumps Konkurrentin Hillary Clinton an. Donald Jr. schreibt schon vor dem Treffen in einer E-Mail an einen der Organisatoren des Treffens: “Wir haben etwas Zeit und wenn es das ist, was ihr sagt, dann liebe ich es.”  

Bis heute haben alle von US-amerikanischer Seite Beteiligten des Treffens und Donald Trump selbst behauptet, der damalige Kandidat und heutige US-Präsident habe nichts von dem Treffen gewusst. 

Eine Version der Ereignisse, die nun Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen als Lüge darstellt. Es sind Vorwürfe, die in ihrer Konsequenz (und unter normalen demokratischen Voraussetzungen) das Ende der Trump-Präsidentschaft bedeuten müssten. 

Die wichtigsten Aussagen des langjährigen Trump-Vertrauten und ihre möglichen Folgen auf den Punkt gebracht. 

Was Cohen Trump in der Russland-Affäre vorwirft: 

► Der Sender CNN berichtet unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass Michael Cohen behaupte, dass Donald Trump schon im Vorhinein vom Treffen mit russischen Lobbyisten im Trump-Tower gewusst habe

► Trump habe laut Cohens Darstellung sogar gewusst, dass diese Lobbyisten seinem Team kompromittierendes Material über Hillary Clinton anbieten wollten. 

► Cohen behauptet laut CNN, dass er anwesend gewesen sei, als Donald Trump Jr. seinen Vater über das bevorstehende Treffen und dessen Inhalt informiert habe. 

Besonders brisant: Trump habe nach dieser Darstellung explizit das Treffen bewilligt.

Was die Vorwürfe gegen Trump politisch bedeuten: 

► Cohen soll laut CNN bereit sein, seine Version der Ereignisse dem Sonderermittler Robert Mueller und unter Eid vor Gericht zu erzählen. 

► Fest steht: Bewahrheiten sich die Vorwürfe von Cohen gegen Trump, dann wären sie der endgültige Beweis in der Russland-Affäre gegen Donald Trump. Zumal der US-Präsident schon ein Statement seines Sohnes diktiert haben soll, in dem dieser behauptet, seinem Vater nie über das Treffen erzählt zu haben. 

Hat der damalige Präsidentschaftskandidat jedoch tatsächlich bewusst ein Treffen mit russischen Lobbyisten anberaumt, dann fiele das unter den Strafbestand einer “betrügerischen Absprache” (“collusion”) mit fremden Mächten gegen die USA.  

Die dann verfassungsrechtlich notwendige Konsequenz: Gegen Trump müsste vom US-Kongress ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden. 

Welche Konsequenzen Cohens Enthüllungen haben könnten: 

► Zunächst tatsächlich wenige. Cohen hat laut CNN keine handfesten Beweise – wie etwa eine Tonbandaufnahme – um seine Version der Ereignisse rund um das Trump-Tower-Treffen zu unterstützen. Es stünde also Aussage gegen Aussage. 

► Trumps Anwalt Rudy Giuliani hat schon am Donnerstagabend bei CNN den Versuch unternommen, Cohen, gegen den das FBI ermittelt, als Zeugen zu diskreditieren. Dieser sei ein “pathologischer Lügner”, sagte Giuliani. 

► Ein pathologischer Lügner ist aber auch US-Präsident Donald Trump. Es kommt schließlich auf Sonderermittler Robert Mueller an – und auf zwei Fragen:

1. Hat Mueller womöglich Beweise oder starke Indizien dafür, dass Trump von Absprachen mit Kreml-Vertretern wusste oder diese sogar vorantrieb? 

2. Wenn Mueller diese nicht hat: Glaubt er eher Michael Cohen – oder Donald Trump? 

Selbst wenn Mueller überzeugt wäre, dass Trump schuldig ist, bleibt ein Problem: Trumps Republikaner kontrollieren den US-Kongress und US-Senat. Sie stehen eisern hinter ihrem Präsidenten – egal, wie viele Skandale dieser verursacht. Es ist möglich, dass sich die Republikaner weigern würden, selbst einen mit Russland verschworenen Trump des Amtes zu entheben.   

Die Vorwürfe gegen Trump auf den Punkt gebracht: 

US-Präsident Donald Trump behauptet, nie von einem Treffen seines Sohnes, Schwiegersohnes und Ex-Wahlkampfmanagers mit russischen Lobbyisten im Juni 2016 gewusst zu haben. 

Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen sagt nun laut CNN: Das ist eine Lüge.

Nicht nur habe Trump von dem Treffen gewusst, er habe auch gewusst, dass die russische Seite ihm schmutzige Informationen über seine Rivalin Hillary Clinton geben wollte – und das Treffen dennoch abgesegnet

Cohen hat für seine Darstellung keine Beweise, will sie aber notfalls vor Gericht bezeugen. Bewahrheiten sich die Vorwürfe des Anwalts, wäre das der Beweis in der Russland-Affäre, dass Trump sich mit dem Kreml gegen die USA verschworen hat. 

Es wäre das Ende der Trump-Präsidentschaft. 

Update, Freitag den 27 Juli 2017, 14.00 Uhr: 

Donald Trump hat die Vorwürfe seines Ex-Anwaltes Michael Cohen mittlerweile von sich gewiesen. Er habe nicht von dem Treffen seines Sohnes im Trump-Tower gewusst, twitterte der US-Präsident. Cohen erfinde Geschichten, um von seinen juristischen Probleme abzulenken.

(lp)