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14/02/2018 13:11 CET | Aktualisiert 14/02/2018 13:11 CET

Europäische Universitäten für eine bessere Zukunft!

Aitormmfoto via Getty Images

Als am 26. September des vergangenen Jahres, kurz nach der Bundestagswahl in Deutschland, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron seine Grundsatzrede zu Europa vor jungen Studierenden der Sorbonne-Universität hielt, konnten nur wenige die fundamentale Bedeutung seiner Forderungen erkennen. Sein Urteil war erschütternd. Europa sei zu langsam, zu schwach, zu ineffizient. Nur ein starkes Europa könne sich den Herausforderungen einer sich immer schneller entwickelnden Welt stellen. Von so einem Europa sind wir jedoch weit entfernt.

Grundsätzlich erweckt das politische Berlin den Eindruck, man streite sich mehr über Ämter und Posten, als über Inhalte. Eine Einschätzung darüber sei jedem selbst überlassen - Fakt ist jedoch, dass der französische Präsident bisher noch keine Antwort aus Deutschland erhielt und man sich hierzulande augenscheinlich eher an Vergangenem erfreut, anstatt sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen. Pressewirksam wurden während der Feierlichkeiten zum 55- jährigen Bestehen des Élysée-Vertrags Hände geschüttelt, in Kameras gelächelt und große Empfänge zelebriert. Auch der mit ausschweifenden Worthülsen vollgespickte Koalitionsvertrag von Union und SPD zeigt in Europafragen allenfalls einen großen Willen - Ideen, Vorschläge oder gar Visionen enthält dieser kaum.

Wir müssen uns auf das zurückbesinnen, was unseren Kontinent schon seit Jahrhunderten stark macht und in der Vergangenheit große Namen und Erfindungen hervorgebracht hat: Bildung und Innovation!

Europa ist der Kontinent der Demokratie und der Aufklärung, der Astronomen und Humanisten, der Kleriker und Philosophen, der Professoren und der Universitäten! Unsere Universitäten in Bologna, Paris, Prag und Oxford bildeten das Fundament unserer aufgeklärten Wert- und Moralvorstellung. Familien aus allen Teilen des Kontinents entsendeten seit jeher ihre Nachkommen an die renommiertesten Bildungseinrichtungen in Italien, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Deutschland, um sie zentrale Fragen der Wissenschaft diskutieren, philosophieren und erforschen zu lassen.

Diesen europäischen Grundgedanken nahm Macron an jenem 26. September an der Pariser Sorbonne wieder auf, indem er die Gründung europäischer Universitäten zu einem Hauptziel auserkoren hatte. In einer immer schneller werdenden, globalisierten Welt entscheiden Innovationen, Entdeckungen und Erfindungen über unsere Zukunft. Die Universitäten in der Europäischen Union gehören zu den ältesten ihrer Art, aber leider schon lange nicht mehr zu den Besten. Angesichts des kommenden Brexits, wird sich die Situation weiter verschärfen.

Die besten Nachwuchstalente der EU absolvieren ihre Abschlüsse heutzutage in den USA, Asien oder in Großbritannien. Es wundert einen daher nicht, dass erfolgreiche und fortschrittliche Unternehmen wie Tesla, Google, Facebook und Amazon viel zu selten in Europa gegründet werden.

Junge Menschen sehen ihre Zukunft nicht mehr ausschließlich in ihrem Heimatstaat. Aufenthalte in Paris, Budapest, Barcelona und Krakau gehören für viele Studierende Europas bereits zur Tagesordnung und sind nicht allein den Besten vorenthalten. Die Grundvoraussetzung für europäische Bildung wurde durch die Bologna-Reform und die Erasmus-Stipendien bereits erfüllt. Diese sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Wir dürfen uns jedoch nicht auf dem Status quo ausruhen, erst recht nicht in Zeiten wachsender Europaskepsis!

Bildung, Forschung und Entwicklung müssen ein Leitmotiv der Europäischen Union werden. Wir brauchen Universitäten, an welchen wie selbstverständlich auf mehreren Sprachen gelehrt wird, mit Professoren und Lehrern, die aus ganz Europa kommen und das Gebäude zu einem Ort der Vielfalt machen. Die Politik muss hier tätig werden und der Europäischen Union die Kompetenz erteilen, eigene Universitäten gründen zu können. Universitäten, die sich europäischen Idealen, wie Frieden, Vielfalt und Demokratie verpflichtet fühlen und den Anspruch pflegen, zu den besten der Welt zu gehören. Bildung sollte vor Staatsgrenzen nicht halt machen, denn Europa braucht keine Grenzen - erst recht nicht in den Köpfen junger Menschen.

Europäische Universitäten sind unsere Chance, den Anschluss an die Welt nicht zu verpassen und Europa für kommende Herausforderungen zukunftsfest zu machen. Denn nur ein starkes Europa, das nicht nur durch warme Worte besticht, sondern mutig, innovativ und voller Tatendrang in die Zukunft schaut, kann ein Vorbild für die Welt sein.