POLITIK
28/06/2018 17:13 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 14:16 CEST

28 junge Europäer aus allen EU-Staaten haben eine Botschaft an ihre Regierungen

"Liebe Staats- und Regierungschefs, halten Sie Europa offen, frei und vor allem ohne Mauern und Zäune!"

Oben seht ihr das Video zum Appell der 28 jungen Europäer. 

Während bei der Fußball-Weltmeisterschaft noch die Vorrunde läuft, tritt Europa in den kommenden zwei Tagen womöglich zum Endspiel an.

Wenn am Donnerstag und Freitag die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel zusammenkommen, drohen rechte und konservative Hardliner mit nationalen Alleingängen, um einen weiteren Zuzug von Migranten mit fast allen Mitteln zu verhindern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Schlüsselfigur im Asylstreit, warnte vor ihrem Abflug im Bundestag: “Europa hat viele Herausforderungen. Aber die mit der Migration könnte zu einer Schicksalsfrage für die Europäische Union werden.”

Wenn Europa in der Flüchtlings- und Asylpolitik keine gemeinsame Lösung findet, könnte der Kontinent in den kommenden Wochen eine dramatische Wandlung erleben: Schotten dicht, Mauern hoch, Grenzen zu – sowohl nach außen, als auch nach innen.

Es wäre ein Rückfall in die Frühzeit der Europäischen Union, ohne Schengen, ohne Freizügigkeit, ohne breiten Austausch – aber mit vielen Problemen.

Dieses Szenario sollten die 28 Staatschefs unbedingt verhindern, finden 28 junge Europäer, die wir zum bevorstehenden EU-Gipfel befragt haben. Jeder von ihnen kommt aus einem der EU-Staaten.

In der HuffPost appellieren sie an die europäischen Staats- und Regierungschefs: Kämpft für ein offenes, freies und vor allem grenzenloses Europa! 

Belgien: Thiery Vermunt, 25

“Europa besteht aus vielen wunderschönen Kulturen.” 

Privat
Thiery Vermunt

“Ich glaube, Europa ist ein großartiger Kontinent, der aus vielen wunderschönen Kulturen und Ländern, die stark und respektvoll sind, besteht. Aber im Vergleich zum Rest der Welt sind wir klein.

Wir können nur dann einen Unterschied machen und unsere westliche Führungsrolle und unsere Werte beibehalten, wenn wir zusammenhalten und als Einheit auftreten. Offene Grenzen sind dabei wichtig.”

Bulgarien: Niya Shekerova, 27

“Europa konzentriert sich auf Gemeinsamkeiten, nicht auf Unterschiede.”

Privat
Niya Shekerova

“Ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen. Ich wurde ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer geboren, und ich glaube fest an das pan-europäische Projekt. In meinem Land wird meine Generation die ‘blaue Generation’ genannt, die demokratische Generation. Die Demokratie wurde aber erst viel später eingeführt und entwickelt sich noch immer.

Meine Mutter konnte nicht reisen und sich Zugang zu den Informationen verschaffen, die sie wollte. Ich kann heutzutage beides. Die Möglichkeit, sich seine Informationsquelle frei auszusuchen, ist unbezahlbar.

Die Europäische Union und das Hervorheben gemeinsamer Werte, egal welches Land oder welche Nationalität, ist ein extrem fortschrittliches und integratives Projekt. Mehr noch: Es ist eines der ersten politischen Projekte, die sich mehr auf unsere Gemeinsamkeiten als auf unsere Unterschiede konzentrieren.”

Dänemark: Lina Seiersen, 30

“Europa ist selbstverständlich – und genau deshalb so wichtig.”

Privat
Lina Seiersen

Europa soll frei, offen und grenzenlos bleiben, um Stabilität und Frieden zu gewährleisten. Und Freizügigkeit schafft ein starkes Europa in der Zukunft und ermöglicht Entwicklung für die einzelnen Bürger und die Länder gemeinsam.

Die Möglichkeit, in Europa zu arbeiten, wo man will, ist einfach toll – genauso wie die Möglichkeit, andere Länder einfach so besuchen zu können. Im Alltag denkt man kaum darüber nach, es ist so selbstverständlich – genau deswegen ist es aber auch so wichtig.”

Deutschland: Akilnathan Logeswaran, 29

“Europa ist heute das beste Beispiel für Frieden.”

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“Ein freies und offenes Europa ohne Grenzen bringt uns alle näher zusammen. Ich will, dass meine und die folgenden Generationen das Wort ‘Erbfeindschaft’ nie wieder in den Mund nehmen.

Vielmehr sollten wir alle wollen, dass unser Kontinent geprägt ist durch tiefe Freundschaften, regen Austausch und enge Zusammenarbeit nicht über Grenzen hinweg, sondern ganz ohne Grenzen.

Der Kontinent, der einst bekannt war für die schlimmsten Kriege, soll der Welt heute und in Zukunft als bestes Beispiel für den Frieden dienen: Frei. Offen. Grenzenlos.”

Estland: Marie Jaksman, 30

“Europa macht uns toleranter.”

Privat
Marie Jaksman

“Ich glaube, dass alle Europäer von einer vereinten Euro-Zone profitieren. Ein offenes Europa ohne Grenzen ermutigt junge Menschen, unvoreingenommen zu sein, neue Horizonte zu entdecken, zu leben, zu lernen und Qualifikationen in verschiedenen Branchen zu sammeln. Später können sie wieder in ihr Land zurückkehren und mit ihrem neuen Wissen einen positiven Beitrag leisten.

Sich mit Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Nationalitäten und unterschiedlicher Herkunft auseinanderzusetzen, macht Menschen toleranter, offener für neue Ideen und hilft ihnen, sozial und wirtschaftlich voranzukommen.”

Finnland: Paula Pirinen, 22

“Europa schenkte mir außergewöhnliche Erfahrungen und Freundschaften.”

Privat
Paula Pirinen

“Ich wurde 1995 geboren, das Jahr, in dem Finnland der EU beigetreten ist. Ich kannte kein Europa mit Grenzen und fühle mich sowohl finnisch als auch europäisch. Mein ganzes Leben lang profitiere ich schon von der Bewegungsfreiheit in Europa, sie schenkte mir außergewöhnliche Erfahrungen und kulturübergreifende Freundschaften.

Teil einer Zone zu sein, in der es keine internen Grenzen gibt, heißt reibungsloses Reisen und somit mehr Zeit für Abenteuer. Wenn man ein ökonomisch denkender Mensch aus einem relativ kleinen Land ist, wäre es wirklich dumm, nicht das Potential von 500 Millionen Konsumenten und Millionen von möglichen Arbeitgebern zu sehen.

Ich glaube fest daran, dass die Möglichkeiten eines offenen Europas die negativen Seiten überwiegen. Deshalb brauchen wir langfristige Lösungen und kreative Wege, um die Herausforderungen zu meistern, die uns jetzt und in der Zukunft bevorstehen.”

Frankreich: Thomas de Lacoste, 28

“Staatsangehörigkeit sollte keine Rolle spielen.”

Privat
Thomas de Lacoste

“Europa soll frei, offen und grenzenlos bleiben wie unsere Ambitionen. Als junger Europäer sollte meine Staatsangehörigkeit keine Rolle spielen. Meine Freunde in Großbritannien haben es etwas zu spät verstanden ...”

Griechenland: Lemonia Fokaidou, 27

“Europa bedeutet für mich Freizügigkeit.”

Privat
Lemonia Fokaidou

“Ich bin in Griechenland geboren und aufgewachsen, habe dort studiert und gearbeitet. Doch ich bin auch in Deutschland und Italien zur Uni gegangen, habe in Belgien gearbeitet und etliche europäische Länder bereist. All diese Entscheidungen prägen mein Leben und meinen Karriereweg. Dank der Freizügigkeit kann ich ohne komplizierte und zeit- und kostenintensive Verfahren in Europa reisen, arbeiten und leben.

Dazu kommt der wirtschaftliche Faktor: Offene Grenzen sind eine Win-Win-Situation für Bürger und ihre Regierungen gleichermaßen. Deshalb: Liebe Staats- und Regierungschefs, halten Sie Europa offen, frei und vor allem ohne Mauern und Zäune!”

Irland: David Ndhlovu, 35

“Wir brauchen Europa, damit die Welt nicht im Hass erstickt.”

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“Der amerikanische Traum verwandelt sich gerade in einen grausamen Albtraum. Deshalb müssen wir, als vereintes Europa, in diesen schwierigen Zeiten wie ein Signalfeuer leuchten. Ein Feuer, das zeigt, dass Europa für Toleranz, Freiheit, Verständnis, Hoffnung und Menschlichkeit steht. Wir dürfen nicht schweigend zusehen, wie Kinder von ihren Eltern getrennt werden.

Doch das funktioniert nur, wenn die Europäische Union vereint und stark bleibt. Nur so können wir den Menschen zeigen, dass unsere Stimmen nicht im Hass erstickt werden. Dass in der EU Menschenrechte keine Fußnote sind. Und das funktioniert nur, wenn Europa auch in Zukunft frei, offen und grenzenlos bleibt.”

Italien: Salvatore di Prima, 30

“Europa ist ein kulturelles Leuchtfeuer.”

Privat
Salvatore di Prima

“Ich halte ein vereintes Europa für ein kulturelles Leuchtfeuer. Aber wir können nur etwas erreichen, wenn wir zusammenhalten und als Einheit wirken. Deshalb müssen wir einander vertrauen, was aus meiner Sicht offene Grenzen einschließt. Dazu gehört aber auch, uns um unsere Außengrenzen zu kümmern.

Ich hoffe, die europäischen Staats- und Regierungschefs können sich hier auf gute Lösungen einigen.”

Kroatien: Bastian Stošić, 31

“Offene Grenzen innerhalb Europas sind essentiell.”

Privat
Bastian Stošić

“Ich denke, Europa sollte intern grenzenlos bleiben, um den europäischen Tourismus zu erhalten und anzutreiben. Gerade für viele touristische Betriebe in Kroatien sind offene Grenzen essentiell. Dazu gehört aber auch, Kroatien endlich als vollwertiges Mitglied anzuerkennen und es in den Schengen-Raum zu integrieren.

Allerdings muss auch bedacht werden, dass offene Grenzen hauptsächlich für EU-Bürger gelten sollten. Eine Sicherung Europas an den Außengrenzen ist Voraussetzung, um intern freien Verkehr zu garantieren.

Lettland: Mārcis Lakstīgala, 28

“Ich glaube an ein offenes und freies Europa.”

Privat
Mārcis Lakstīgala

Ich glaube an ein offenes und freies Europa. Nicht weil es das Europa ist, in dem ich geboren wurde, sondern weil es das Europa ist, in dem ich aufgewachsen bin.

Ich habe selbst gesehen, wie Freiheit und Aufgeschlossenheit dazu führen, dass Unternehmen und sogar ganze Volkswirtschaften wachsen, Wissen verbreitet wird und der Horizont vieler (mich eingeschlossen) erweitert wird.

Die Vielfalt, die wir ohne EU-Grenzen erleben, hilft uns nicht nur, als europäische Bürger zusammenzuwachsen. Sie erlaubt auch Unternehmen, neue Märkte zu erschließen, die sonst nur schwer zu erreichen wären.”

Litauen: Austė Čibinskaitė, 29

“Grenzen fördern Hass. Europa muss davon frei bleiben.”

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Austė Čibinskaitė

“Ich weiß, was es bedeutet, in einem Land mit geschlossenen Grenzen zu leben. Ich kann mich noch gut an die Wartezeiten an den europäischen Grenzen erinnern. Dieses Gefühl, kontrolliert zu werden, als ob man ein Krimineller wäre, ist alles andere als lustig.

Grenzen fördern den Hass. Ich möchte nicht, dass Europa dem Beispiel eines Clowns folgt, der derzeit die USA regiert. Es gibt bereits genug Grenzen in der Welt und Europa muss davon frei bleiben!

Dank offener Grenzen fühle ich mich den Westeuropäern gleichwertiger – auch wenn mein Heimatland Litauen höchstwahrscheinlich noch für 200 Jahre als postsowjetisch bezeichnet wird. Aber mit offenen Grenzen haben andere Nationalitäten mehr Möglichkeiten zu lernen, dass unsere Sprache nicht Russisch ist und dass wir nicht nur billige Arbeitskräfte und Alkoholiker sind.

Meiner Meinung nach ist es für ein Land wie Litauen, das im Großen und Ganzen politisch und wirtschaftlich kaum eine Rolle spielt, wirklich wichtig, zur EU zu gehören. Dieser Staatenbund muss offen, einladend, frei, grenzenlos und unterstützend bleiben. Nur in Einheit kann Europa stark bleiben.

Hatten wir nicht schon genug schlechte Beispiele in der Geschichte dafür, was passiert, wenn eine Nation sich nur um sich selbst gekümmert hat?”

Luxemburg: Alina Khan, 21 

“Europa ist eine gemeinsame Idee, die über nationale Grenzen hinausgeht.”

HuffPost
Alina Khan

Europa ist nicht nur ein geografischer Ort für mich – es ist eine gemeinsame Idee, die über nationale Grenzen und Nationalitäten hinausgeht. 

Während meiner Zeit im European Youth Parliament wurde mir das richtig klar. Ein großer Teil der Arbeit dort besteht darin, die Freiheit zu haben, durch Europa zu reisen und an parlamentarischen Debatten mit anderen jungen Europäern teilzunehmen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin stolz darauf, Luxemburger zu sein. Aber ich bin noch stolzer darauf, dass wir das Recht, uns frei zu bewegen, anerkennen und wertschätzen. Ich bin zwar in Luxemburg geboren, aber ich habe mich noch nie darin eingeschränkt gefühlt, Europa in vollen Zügen zu entdecken. Ich glaube, das ist das Europa, dem ich angehöre. Und das ist es, was Europa für mich ist.”

 

Malta: Hillary Briffa, 26

“Bewegungs- und Austauschfreiheit machen Europa stärker.”

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Hillary Briffa

“Kein Mensch ist eine isolierte Insel, selbst, wenn man von einer kommt. Im Herzen des Mittelmeers, dort, wo drei Kontinente aufeinander treffen, war Malta schon immer ein Ort, an dem sich viele Kulturen trafen. Quasi die Brücke zwischen Nordafrika und Europa und sprachlich sogar verbunden mit der arabischen Welt.

Das Land, das dem Apostel Paulus Zuflucht gewährt hat, kann sich jetzt nicht in eine abgeschottete Festung verwandeln, in dem es fast schon sträfliche Einwanderungsgesetze einführt. Gesetze, die die Menschlichkeit untergraben, die eigentlich die Basis für unsere religiöse und soziale Identität bilden.

Wenn wir die Bewegungs- und Austauschfreiheit aufrechterhalten, wird unsere Gesellschaft stärker werden. Denn wir werden die Multikulturalität nutzen, um unsere besten Ideen untereinander auszutauschen. So werden unsere Länder reicher an Offenheit und Aufnahmefähigkeit.”

Niederlande: Marieke Vingerhoets, 19

“Mit der Schließung seiner Grenzen würde Europa allen Menschen schaden.”

Privat
Marieke Vingerhoets

“Jeder Mensch – egal wo er geboren wird – sollte die Freiheit haben zu handeln, zu reisen und sich zu bewegen, wie er möchte, solange er anderen nicht schadet. Die derzeitigen Überlegungen, die Grenzen zu schließen, haben ihren Ursprung allein in Emotionen wie Angst oder egoistischen Wünschen, den Reichtum, den die Menschen innerhalb dieser Grenzen angesammelt haben, nicht zu teilen.

Mauern und Zäune würden es leichter machen, die Tatsache zu ignorieren, dass die Menschen auf der anderen Seite genauso sind wie wir auf dieser Seite. Sie sind Mütter und Väter. Brüder und Schwestern.

Viele denken: Wenn etwas weit weg ist, ist es weniger schädlich. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Es mag weit weg sein, aber durch die Schließung seiner Grenzen würde Europa allen Menschen schaden, es würde sich selbst davon abhalten, andere Kulturen kennenzulernen, es würde sich der Schönheit dessen verschließen, was ‘draußen’ ist.

Wenn Europa tatsächlich die Menschheit würdig vertreten will, muss es endlich Verantwortung übernehmen!”

Österreich: Julia Nageler, 24

“Geografisch und kulturell ist Europa ein kleines Wunderwerk.”

Privat
Julia Nageler

“Für mich ist es völlig unverständlich, dass diese Diskussion darüber, die Grenzen dichtzumachen, überhaupt geführt wird.

Erstens komme ich aus Österreich und arbeite in Deutschland. Ich kannte zwar kein Europa mit Grenzen, aber wie unfassbar unproblematisch es war, hier in die Arbeitswelt einzusteigen, fiel sogar mir auf. Es war so wahnsinnig erleichternd, mich nicht um tausende Dokumente und Genehmigungen kümmern zu müssen, sondern einfach zu starten.

Jungen (und generell allen) Menschen diese Chance zu nehmen, sich ohne größere Hürden in anderen Ländern fortzubilden, wäre fatal. Von diesem Austausch und dem so generierten Wissen profitieren nämlich alle.

Geografisch und kulturell ist Europa ein kleines Wunderwerk. Auf engstem Raum treffen hier so viele verschiedene Kulturen, Länder und Sprachen aufeinander. Innerhalb kürzester Zeit erreicht man so viele wunderschöne und völlig verschiedene Orte. Wie es Menschen geben kann, die das tatsächlich nicht in ihrer Gänze ausnutzen und es eher erschweren wollen, verstehe ich nicht.”

Polen: Damian Polok, 29

“Wir können die Freiheit Europas nicht als selbstverständlich ansehen.”

Privat
Damian Polok

“Aufgewachsen in Deutschland, erinnere ich mich noch sehr gut an die Stunden an der Grenze, als wir unsere Familie in Polen besuchen wollten. Zum Glück haben wir fast vergessen, was Grenzen bedeuten – sowohl im physischen als auch im psychischen Sinne.

Wir können diese Freiheit nicht als selbstverständlich ansehen, wir sollten weiter auf ein offenes, abwechslungsreiches und ständig lächelndes Europa hinarbeiten!”

Portugal: André Branco Pereira, 23

“Europa bedeutet mehr Wohlstand und Frieden für alle.”

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André Branco Pereira

“Die Europäische Union ist ein Bund von mehr als 500 Millionen Menschen. Trotz aller Unterschiede und einer komplizierten Vergangenheit pflegen die europäischen Länder derzeit herzliche Beziehungen und arbeiten auf fast allen Ebenen zusammen. Das geschieht, weil Europa in der Lage war und ist, allmählich die Hindernisse für die Vereinigung der Länder zu beseitigen.

So entstand der größte gemeinsame Markt der Welt und erfolgreiche internationale Projekte, wie das Erasmus-Programm zum Studentenaustausch. Ich bin dafür, diesen Prozess fortzusetzen, wenn es mehr Frieden und Wohlstand für alle Europäer bedeutet.

Rumänien: Andreea Octavia, 29

“Europa ermöglicht eine starke Zusammenarbeit – das soll so bleiben.”

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Andreea Octavia

“Ich glaube, dass internationale Geldtransfers, grenzüberschreitender Freihandel und Migration innerhalb der EU die Grundvoraussetzungen für ein geeintes Europa sind.

Frei, offen und grenzenlos zu sein, ermöglicht eine starke, langfristige Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern, das so sein und auch so bleiben sollte.

Schweden: Sophia Henrikksson, 33

“Europa ermöglicht einen großartigen kulturellen Austausch.”

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Sophia Henrikksson

Die Europäische Union gibt uns allen die Möglichkeit, besser zu kooperieren, die Gemeinschaft zu fördern und Diskriminierung zwischen den Ländern zu verhindern.

Ich selbst habe das großartige Privileg, mit Menschen aus ganz Europa zusammenzuarbeiten, was uns einen großartigen kulturellen Austausch ermöglicht.”

Slowakei: Filip Turan, 30

“Dank Europa kann ich mich frei ausdrücken. Jeder kann das.”

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Filip Turan

“Einige Leute in meiner Heimat sehnen sich in die Zeiten zurück, wo es nur eine Art von Milch und nur eine Sorte Brot gab.

Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, als die Münder und Gedanken von Tausenden von Menschen gewaltsam zum Schweigen gebracht wurden, als wir zehn Stunden nach Kroatien brauchten, weil wir sechs Stunden auf der Straße und weitere vier an der slowakisch-österreichischen, österreichisch-slowenischen und slowenisch-kroatischen Grenze mit Warten verbrachten.

Ich erinnere mich noch, dass man zur Botschaft musste, um ein Touristenvisum für Großbritannien zu bekommen. Und für solch eine Reise musste man seinen ganzen Monatslohn sparen. Es war ein Traum, eine Arbeitserlaubnis für Österreich zu bekommen. Das Land, das ich eigentlich von meinem Fenster aus sehe, da die Grenze nur fünf Kilometer entfernt ist.

2018 kann ich mich frei ausdrücken. Jeder kann das. An den Stränden der Adria kann ich innerhalb von fünf Stunden sein. Ich bin im vergangenen Jahr für nur 30 Euro für ein Wochenende nach Edinburgh geflogen, nur mit meinem Personalausweis in der Tasche. Ich lebe in Österreich und arbeite in der Slowakei, meine Frau Emília arbeitet in Österreich. Wir sehen das Bratislavaer Schloss von unserem Fenster aus.

Wenn ich jetzt in ein Geschäft gehe, habe ich die Wahl zwischen zehn Arten Milch und 15 Sorten Brot.”

Slowenien: Barbara Matijasic, 30

“Europa gibt uns das Privileg uns auszusuchen, wo wir leben wollen.”

Privat
Barbara Matijasic

“Offene Grenzen in Europa geben uns das Privileg, uns auszusuchen, wo wir leben, studieren und arbeiten wollen.

Wenn wir die Grenzen nach außen hin schließen, profitieren wir nur auf dem Rücken derjenigen, die ausgeschlossen werden – und die für unser Wohlergehen unter weitaus weniger guten Bedingungen schuften müssen.

Spanien: Laura Romero, 26

“Ein offenes Europa gibt uns allen die Möglichkeit zu wachsen.”

Privat
Laura Romero

Europa sollte eine Union ohne Grenzen bleiben. Diese Offenheit gibt uns allen die Möglichkeit, als europäische Bürger zu wachsen. Je offener wir sind, desto mehr können wir uns verbessern und eine bessere Welt schaffen.”

Tschechien: Odessa Primus, 25

“Ein freies Europa ist das Fundament für Sicherheit, Wohlstand und Wachstum.”

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Odessa Primus

“Europa ist ein Kontinent mit einer gemeinsamen Geschichte, wo Menschen zusammen gelitten haben und zusammen gewachsen sind. Am Ende haben wir uns gegenseitig geholfen und ein System mit gemeinsamen Werten erschaffen.

Grenzen schaffen ein Gefühl von Angst und Misstrauen gegenüber unseren Nachbarn, egal, ob sie legitim, falsch oder strategisch sind. Offenheit und Freiheit sind ein Fundament von Sicherheit, Wohlstand und Wachstum. Wir müssen Innovation als Ziel haben und das Momentum so nutzen, dass die positiven Stimmen in Europa wieder dominieren.”

Ungarn: Adam Bartha, 24

“Bewegungsfreiheit ist eine der größten Erfolgsgeschichten unserer Zeit.”

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“Freie Bewegung innerhalb der Europäischen Union ist eine der größten Erfolgsgeschichten unserer Zeit. Der freie Austausch von Personen, Waren und Dienstleistungen hilft nicht nur denen, die aktiv teilnehmen, sondern auch allen anderen, die dadurch billigere und bessere Leistungen bekommen.

Millionen begabte Bürger aus neuen EU-Mitgliedsländern haben sich entschieden, ein besseres Leben für sich selbst und ihre Familien zu suchen. Deutschland, Österreich, Großbritannien und viele andere Länder profitieren enorm vom Talent und der Arbeitskraft dieser Leute. Aber freie Bewegung und offene Grenzen sind nicht nur ökonomisch sinnvoll: Es ist auch aus einer sozialen Perspektive vorteilhaft.

Multikulti kann fantastische Auswirkungen haben. Stell dir vor, dass England nur die englische Küche hätte oder Frankreich nur französische Filme. Eine vielfältige Gesellschaft ist eine Bereicherung. Deshalb finde ich es äußerst wichtig, dass wir nicht vergessen: Schengen war nicht immer da und es ist nicht garantiert, dass es in der Zukunft immer da sein wird, wenn wir nicht deutlich machen, dass uns die freie Bewegung innerhalb von Europa wichtig ist!

Vereinigtes Königreich: Kate Bellamy, 37

“In Europa profitieren alle vom Austausch von Menschen und Ideen.”

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Kate Bellamy (rechts)

“Für mich als Britin, die in vier EU-Ländern studiert und gearbeitet hat und derzeit an einer niederländischen Universität forscht, ist ein freies, grenzenloses Europa eine dringende Notwendigkeit. 

Unsere Länder, unsere Wirtschaften und unsere Bildungseinrichtungen profitieren alle von der Präsenz und dem Beitrag von Menschen aus anderen Ländern. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen bieten neue und unterschiedliche Perspektiven. Wissenstransfer und Zusammenarbeit ist gerade in der Wissenschaft ein absolutes Muss.

Alle Lebensbereiche profitieren vom Austausch von Menschen und Ideen. Wenn wir mehr über unsere Nachbarn wissen, sind wir toleranter – und leben auf dem einen Kontinent harmonischer zusammen. Deshalb ist der Brexit so gefährlich. Isolationismus war und ist nie eine Lösung, er hat noch nie ein Land nach vorne gebracht.”

Zypern: Dona Kyprianou, 29

“In einem freien Europa können sich Träume und Hoffnungen erfüllen.”

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“Ich komme aus Zypern, deshalb weiß ich, was es heißt, ein Flüchtling zu sein. Meine Eltern und meine Großeltern haben alles während der türkischen Besetzung 1974 verloren und sie haben schon über hundert Mal unter Tränen erklärt, was es heißt, nichts mehr zu haben und sich sein Leben komplett neu aufzubauen.

Deshalb bin ich so beeindruckt davon, wie Europa so vielen Migranten hilft, die alles verloren haben. Europa muss ein freier und offener Ort bleiben, ohne Grenzen, wo sich Träume und Hoffnungen erfüllen können. Wir sollten das Positive in unseren Unterschieden sehen und den Einwanderern helfen, sich zu integrieren.”

Mitarbeit: Marco Fieber, Jan David Sutthoff, Uschi Jonas, Marius Klingemann, Niklas Scheuble, Lisa Mayerhofer, Nadine Cibu

(jds/ujo)