POLITIK
22/02/2018 11:53 CET | Aktualisiert 22/02/2018 15:55 CET

Zu viele Flüchtlinge als Kunden: Tafel in Essen trifft harte Entscheidung

Die neue Ausrichtung solle sicherstellen, eine vernünftige Integration gewährleisten zu können.

  • Die Essener Tafel versorgt Menschen in Not mit Lebensmittlen
  • Aktuell nimmt sie nur noch Kunden auf, die einen deutschen Pass haben
  • Im Video oben seht ihr, wie viele Flüchtlinge in Deutschland Hartz IV beziehen 

Die Tafeln sind bekannt dafür, dass sie Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Dabei gehen sie teilweise sehr unterschiedlich vor: Die Münchner Tafel kauft zum Beispiel Nahrungsmittel ein, während die meisten anderen nur gespendete Produkte vergeben.

► Der Schritt der Essener Tafel ist weit radikaler.

Weil nach eigenen Angaben aktuell 75 Prozent der Kunden Ausländer seien, will der Verein vorerst nur noch deutsche Kunden aufnehmen. Geprüft wird das anhand des Personalausweises.

“Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“

Den enormen Anteil von nicht-deutschen Kunden begründet die Essener Tafel mit der Flüchtlingszunahme in den vergangenen Jahren. Die neue Ausrichtung solle sicherstellen, eine vernünftige Integration gewährleisten zu können.

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► “Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, sagte der Vorsitzende des Vereins Jörg Sartor der “WAZ”.

Ältere Kunden der Tafeln sowie alleinerziehende Mütter würden nach Sators Aussagen schleichend verdrängt.

Zuerst seien nur etwa 35 Prozent der Kunden Nicht-Deutsche gewesen und auch Flüchtlinge habe es nicht so viele unter den Tafel-Gästen gegeben.

Die meisten Flüchtlinge in städtischen Unterkünften seien dort gut versorgt gewesen. Doch seitdem sie als Flüchtlinge anerkannt worden seien, erhielten viele von ihnen Sozialleistungen, berichtet Sartor.

► Wer Anspruch auf Sozialleistungen hat, also zum Beispiel Hartz IV oder Grundsicherung erhält, kann Kunde bei der Tafel werden, solange es freie Plätze gibt.

Mangelnder Respekt, Geschubse und Gedrängel bei der Ausgabe der Tafel

► Mit dem steigenden Anteil an Flüchtlingen unter den Kunden soll es in den Ausgabestätten zu Problemen gekommen sein.

Besonders ältere Kundinnen seien ferngeblieben, angeblich aus Angst vor den ausländischen Männern. Das liege auch am “mangelnden Respekt gegenüber Frauen”, sagt der Vorsitzende des Vereins. “Wenn wir morgens die Tür aufgeschlossen haben, gab es Geschubse und Gedrängel ohne Rücksicht auf die Oma in der Schlange.”

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Jetzt soll die neue Regelung – nur noch Kunden aufzunehmen, die einen deutschen Pass haben – bestehen bleiben, bis der Anteil deutscher und nicht-deutscher Kunden wieder ähnlich groß ist.

Die Tafel muss hier ausbaden, was bei der Integration der Flüchtlinge versäumt wurde

Eine schwierige Situation für die Essener Einrichtung. Sicher wird es jetzt von verschiedenen Lagern Hass- oder Jubel-Rufe geben. Es wird Stimmen geben, die der Tafel Rassismus vorwerfen, während andere sie dafür feiern, sich endlich wieder für die Deutschen einzusetzen.

Doch am Ende ist beides fehl am Platz. Die Tafeln waren und sind eine Organisation, die es in einem Land, wo alles perfekt läuft, gar nicht geben würde.

► Seit 25 Jahren helfen die Tafeln Menschen in Not. Und sie waren schon immer eine Organisation, die Fehler ausbaden musste, die im Land gemacht wurden.

Sie versorgen Rentner, die an Altersarmut leiden, Familien, die in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind und jetzt eben auch Flüchtlinge, die keine Anstellung haben und von Sozialleistungen leben.

Die Ursprünge dieser Probleme zu bekämpfen, ist Aufgabe der Politik – die Tafeln helfen nur dabei, dass Menschen in Deutschland nicht noch tiefer fallen.

Die Essener Tafel muss jetzt ausbaden, was in Integrationskursen und Arbeitsprojekten für Flüchtlinge versäumt wurde. Dafür verdienen sie keinen Hass. Und auch keine Lobeshymnen aus dem rechten Lager.

Sie verdienen einfach nur Respekt – dafür, dass sie seit Jahren und auch und auch in Zukunft Menschen helfen.

(jds)