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27/02/2018 18:07 CET | Aktualisiert 27/02/2018 18:50 CET

München: Warum Flüchtlinge bei der Tafel Bedürftigen helfen

"Diese Menschen sind dankbar und wollen etwas zurückgeben."

Michael Dalder / Reuters
Bei der Münchner helfen zahlreiche Flüchtlinge bei der Einsammlung und Ausgabe von Lebensmitteln ehrenamtlich aus. 
  • Deutschland diskutiert über den Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel
  • Der Münchner Ableger der Organisation zeigt, dass Fremdenfeindlichkeit bei ihnen keinen Platz hat

Mit der Entscheidung Menschen ohne deutschen Pass nicht länger aufzunehmen, sorgt die Essener Tafel seit Tagen für Diskussionsstoff.

Da der Anteil Nicht-Deutschen Kunden auf 75 Prozent angestiegen sei, sah sich die Einrichtung dazu gezwungen, lediglich Menschen mit deutschen Personalausweis aufzunehmen.

Für massive Kritik sorgte jedoch vor allem die Begründungen des Vorsitzenden der Essener Tafel Jörg Sartor.

“Spiegel Online” zitierte Sartor mit der Aussage, unter den syrischen und russlanddeutschen Kunden gebe es “ein Nehmer-Gen” - eine Aussage, die sich rassistisch interpretieren lässt.

Angela Merkel bezeichnet Entscheidung als “nicht gut”

Inzwischen hat sich sogar die Bundeskanzlerin zu dem Fall geäußert. In einem Interview mit dem Fernsehsender RTL nannte Angela Merkel den Aufnahmestopp für Ausländer “nicht gut”. Sie hoffe auf gute Lösungen, die keine Gruppen ausschließen.

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Dass es diese Lösungen schon lange gibt, beweist die Münchner Tafel. Denn dort helfen Menschen mit Flüchtlingsstatus regelmäßig aus. Das bestätigte der Pressesprecher Georg Tschung der HuffPost auf Nachfrage.

“Zwischen 10 und 20 Geflüchtete können wir zu unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern zählen. Die Zahl variiert immer wieder, da diese Menschen je nach ihrem Aufenthaltsstatus auch in andere Bundesländer versetzt werden können”, erklärt Tschung der HuffPost.

“Diese Menschen sind unglaublich dankbar für unsere Gastfreundschaft”

“Viele von ihnen kommen aus den typischen Flüchtlingsländern wie Afghanistan, Syrien und Nigeria.” Ihre Motivation ist Tschung zufolge jedoch immer die Gleiche:

“Diese Menschen sind unglaublich dankbar für die Gastfreundschaft und Hilfe, die sie in Bayern erfahren. Sie wollen etwas zurückgeben und melden sich bei uns als freiwillige Helfer.”

Munchner Tafel
Ein Freiwilliger verteilt Essen bei der Tafel in München. 

Die Arbeit bei der Tafel kann ein echter Knochenjob sein.

“Besonders wenn man als Beifahrer für die morgendlichen Touren eingeteilt wird, fährt man von Supermarkt zu Supermarkt und lädt Paletten an Nahrungsmitteln in die Transporter. Das ist nicht ohne”, sagt Tschung.

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Pro Woche verteilt die Münchner Tafel nach eigenen Angaben rund 120.000 Kilogramm Nahrungsmittel. “Wer da mitmacht, braucht kein Fitnessstudio mehr”, scherzt der Sprecher der Münchner Tafel.

Munchner Tafel
Zwei Ehrenamtliche helfen beim Aufbereiten der Ausgabekisten.

Wie es zu den Zuständen bei der Essener Tafel kommen konnte, ist Tschung schleierhaft. Er habe natürlich keinerlei Einsicht, in die Arbeit der Kollegen, erklärt aber, dass es in München noch nie zu ähnlichen Fällen gekommen sei.

“Wenn ein Mensch in Deutschland gemeldet ist und nachweisen kann, dass er Sozialleistungen bezieh, dann gilt er als bedürftig und wird bei uns mit Lebensmitteln versorgt”, erklärt Tschung.

Selbstverständlich völlig unabhängig davon, welche Nationalität er hat.