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19/02/2018 18:52 CET | Aktualisiert 19/02/2018 18:52 CET

Es wird Zeit, die Zeitumstellung abzuschaffen: Die innere Uhr ist wichtiger!

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie ging 2017 an drei amerikanische Wissenschaftler für ihre Forschung an Funktion und Kontrolle der inneren Uhr. Diese höchste Auszeichnung für Wissenschaftler weltweit rückte bereits vor Monaten in den Fokus: Die innere Uhr unseres Körpers ist eine Größe, die wir nicht außer Acht lassen sollten, wenn es um unsere Gesundheit geht. Das hat jetzt auch nochmals das EU-Parlament dick unterstrichen. 384 Abgeordnete stimmten für die Abschaffung der Sommerzeit.

Dass der Wechsel zwischen Hell und Dunkel, beziehungsweise Tag und Nacht, Einfluss auf unseren Körper nimmt, ist keine bahnbrechende Entdeckung. Dass unser Körper seinen eigenen Zeitvorgaben folgt, auch nicht. Wohl aber, wie genau diese innere Uhr funktioniert. Genau das erforschten die drei Amerikaner Hall, Rosbach und Young und fanden heraus, dass Genpaare mit so einprägsamen Namen wie „period“, „timeless“ oder „clock“ maßgeblich am individuellen Tag-Nacht-Rhythmus und den entsprechenden Funktionen unseres Körpers beteiligt sind. Der sogenannte zirkadiane Rhythmus unseres Körpers, das Anpassen der Körperfunktionen an die Vorgaben der Erde, beschränkt sich nämlich nicht nur auf die Gemütszustände „wach“ und „müde“. Auch Puls, Blutdruck und Körpertemperatur variieren im Laufe eines Tages erheblich. Viel zu lange wurden die innere Uhr und damit die Chronobiologie (von griechisch „chronos“ = Zeit) müde belächelt. Damit ist jetzt zum Glück Schluss! Die Verleihung des Nobelpreises im letzten Jahr machte es bereits überdeutlich: All diese Reaktionen des Körpers sind überlebenswichtig. Und wir sollten unsere innere Uhr lieber unterstützen, statt sie zusätzlich zu verwirren.

Nun scheint auch das EU-Parlament nachzuziehen. Die Abstimmung über eine eventuelle Abschaffung der Sommerzeit hat zwar noch nichts besiegelt, zumindest aber dazu geführt, dass Vor-und Nachteile der Zeitumstellung genau unter die Lupe genommen werden.

Wenn die Uhr aus dem Takt gerät

Wenn du schon einmal einen Flug über mehrere Zeitzonen hinweg gemacht hast, konntest du deine innere Uhr mit Sicherheit schon deutlich spüren. Genauer gesagt, das was passiert, wenn sie nicht mehr richtig rundläuft: Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit. Was unter dem Begriff Jetlag zusammengefasst wird, ist im Prinzip nichts anderes als unser Körper, der uns sagt, dass etwas nicht stimmt. Äußere und innere Uhr schlagen nicht mehr im Gleichklang. Und wenn wir im Urlaubsland mittags über den Nudeln wegnicken, wissen wir auch, welche Uhr die wichtigere ist. Die innere natürlich. Bis zu 14 Tage kann es gerade bei Babys und älteren Menschen dauern, bis die Uhr wieder funktioniert und der Jetlag überwunden ist.

Aber deswegen auf den jährlichen Sommerurlaub verzichten? No, merci! Und Geschäftsleute können sich ihr Reiseziel auch nicht immer aussuchen. Es gibt allerdings etwas, das wir auf Grundlage dieser neuen Forschungsergebnisse wirklich ändern könnten: Die unsinnige Zeitumstellung, die uns Jahr für Jahr aus der Bahn wirft.

Winterzeit und Sommerzeit? Braucht kein Mensch!

Natürlich ist es angenehm, wenn im März abends von einem Tag auf den anderen plötzlich 60 Minuten länger hell ist. Aber einen richtigen Nutzen hat die Zeitumstellung nicht. Eingeführt wurde sie ursprünglich, um Strom einzusparen. Das konnte allerdings nie eindeutig nachgewiesen werden. Was aber inzwischen klar ist: Damit verpassen wir unserem Körper halbjährlich einen Mini-Jetlag. Arztbesuche steigen nach der Umstellung laut Statistiken um 8 bis 12 Prozent an. Kurz und gut: Aus gesundheitlicher Sicht ist die Zeitumstellung ein vermeidbares Risiko. Solange die Politiker aber noch diskutieren und wir dementsprechend damit leben müssen, möchte ich dir gerne ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie du trotz Uhrenumstellung zu einem ruhigen und erholsamen Schlaf kommst.

  • Naps sind tabu: Auch wenn es kaum etwas Verlockenderes gibt: Versuch, dich von einem Mittagsschläfchen abzuhalten. Dadurch verringerst du nur den natürlichen Schlafdruck am Abend und wirst Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen bekommen.
  • Reg dich ab: Wenn du anfällig für Schlafprobleme bist, versuche drei Stunden vor dem Schlafengehen alles zu vermeiden, was dich aufregt. Dazu zählt natürlich Kaffee, aber auch aufputschender Tee, Cola oder Nikotin. Auch der berühmte Schlummertrunk ist leider ein Verräter, quel dommage! Ein Glas Rotwein lässt dich vielleicht besser einschlafen, sorgt aber insgesamt für einen unruhigen Schlaf und ein böses Erwachen. Hier hat mir meine Freundin Fabienne einen tollen Tipp gegeben: Versuch es stattdessen lieber mit einer warmen Mandelmilch und Honig am Abend!
  • Warm und entspannt: „Schäfchenzählen“ ist nur was für Kinder? Von wegen! Es funktioniert tatsächlich. Und natürlich müssen es nicht zwingend Schafe sein. Du kannst auch Katzen, Autos oder Schuhe zählen, wenn dir das besser gefällt. Hauptsache, du entspannst dich dabei. Relativ einfach zu erlernen ist auch autogenes Training oder die Muskelrelaxation nach Jacobson. Auch Wärme macht müde. Gönn dir vor dem Zubettgehen ein warmes Fußbad oder direkt ein komplettes Wannenbad mit wohltuenden, beruhigenden Badezusätzen.

Madame Missou ist Autorin und Inhaberin eines kleinen Cafés. Darüber hinaus Mutter, Freundin und Ehefrau – kurzum: Sie steht mit beiden Beinen im Leben. Mehr als einen Café au lait und einen Plausch mit ihrer besten Freundin braucht sie nicht, um glücklich zu sein! Außerdem freut sie sich immer über Anregungen und Kontakte auf ihrer Webseite. Mehr nützliche Tipps zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dir selbst erhältst du in Madame Missou ist achtsam, erschienen 2017 im GABAL Verlag.