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16/03/2018 16:10 CET | Aktualisiert 16/03/2018 17:50 CET

Insa Thiele-Eich möchte als erste deutsche Frau ins Weltall fliegen

Vor 40 Jahren flog der erste deutsche Mann ins All. Wird Zeit, dass eine Frau folgt.

  • Die 34-jährige Insa Thiele-Eich will die erste deutsche Frau sein, die ins Weltall fliegt
  • Dafür ist sie bereit an ihre Grenzen zu gehen – ohne zu wissen, ob sich ihr Aufwand lohnen wird
  • Oben im Video seht ihr ihren Besuch in der “HuffPost-Sprechstunde: Menschen und ihr Beruf”

Insa Thiele-Eich hat ein Ziel: Sie will die erste deutsche Frau sein, die ins Weltall fliegt. “Es ist an der Zeit”, sagt sie.

Im Jahr 1978, vor 40 Jahren also, flog der erste deutsche Mann ins All. Sigmund Jähn verbrachte damals acht Tage auf der sowjetischen Raumstation Saljut 6. Insgesamt waren schon elf deutsche Männer im Weltraum. Einer davon war Thiele-Eichs Vater, Gerhard Thiele. 

Aber Frauen? Keine einzige. 

Das wird sich bald ändern. 2020 wird ein Shuttle abheben und die erste weibliche deutsche Astronautin an Bord haben. Dahinter steckt eine Initiative namens “Die Astronautin” – ein Zusammenschluss, dem unter anderem das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Airbus angehören. Die Initiative finanziert das ungefähr 50 Millionen Euro teure Vorhaben und bildet die Kandidatinnen aus.

Insgesamt 400 Frauen hatten sich beworben, zwei schafften es ins Finale, eine davon ist Insa Thiele-Eich. Ob sie oder ihre Mitbewerberin Suzanna Randall fliegen darf, entscheidet sich erst ungefähr neun Monate vor der geplanten Mission. 

Michaela Rehle / Reuters
Die beiden Finalistinnen: Suzanna Randall und Insa Thiele-Eich

Es wird Zeit, dass eine Frau ins All fliegt

Seit August 2017 trainiert die 34-Jährige für ihren großen Traum. Sie ist bereit, dafür an ihre Grenze zu gehen. Sie arbeitet 120 Prozent am Tag: 70 Prozent laut Arbeitsvertrag in ihrem Hauptberuf als Meteorologin und wissenschaftliche Koordinatorin am Meteorologischen Institut der Universität Bonn. Und dann noch 50 Prozent im Rahmen der Ausbildung zur Astronautin. Außerdem ist die sie Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern.

Die Ausbildungsinhalte sind vielseitig. Thiele-Eich muss lernen, sich selbst Blut abzunehmen. Sie sagt:

“Dadurch, dass noch keine deutsche Frau im All war, gibt es keine Daten zu dem weiblichen Körper in der Schwerelosigkeit. Solche Daten werden international nicht ausgetauscht. Und das ist daher eine Kernaufgabe unseres Projekts: Daten generieren. Sprich, ich bin ein kleines Versuchskaninchen.”

Außerdem muss die 34-Jährige einen Tauch- und Flugschein machen und unzählige Parabelflüge absolvieren. Ein Flugmanöver, das für wenige Sekunden Schwerelosigkeit schafft oder verminderte Schwerkraft simuliert.

 “Es geht um die Extremsituationen, die man beispielsweise auch beim Tauchen hat. Man muss seinen Sauerstoff unter Kontrolle haben und man darf nicht zu schnell wieder auftauchen. Mit all dem muss man lernen umzugehen. Es ist für den Kopf und für die Psyche wichtig zu wissen, wie man mit Extremsituationen umgehen muss.”

Der Alltag im All wird detailliert vorbereitet und trainiert

Schon jetzt plant sie den Alltag im Weltraum – obwohl noch gar nicht klar ist, ob es ihn für sie geben wird. Auf dem Programm stehen etwa sechs Stunden Forschung im All täglich. Oder zwei Stunden Sport pro Tag, da Muskeln außerhalb der Erde sehr schnell an Masse verlieren. Selbst das Zähneputzen wird in den Kalender eingetragen, weil es im Weltraum deutlich länger dauert als auf der Erde.

Thiele-Eich erzählt:

“Man hat eine Excel-Tabelle und da geht eine rote Linie durch. Da wird in fünf Minuten-Takten gezeigt, was gerade zu tun ist. Und die rote Linie zieht sich durch den Tag. Das beschreiben viele Astronauten auch als Stress, weil man immer gegen diese rote Linie kämpfen muss.”

Der Traum ist ihr die Quälerei wert. Der Traum, die erste Deutsche im Weltraum zu sein.

Michaela Rehle / Reuters
Insa Thiele-Eich möchte, dass mehr Frauen in den MINT-Fächern arbeiten

Aber es geht um mehr. Noch immer werde die Naturwissenschaft von Männern dominiert, Mädchen und jungen Frauen fehle ein Vorbild. Thiele-Eich will genau dieses Vorbild sein. “Frauen können alles erreichen”, sagt sie. Das möchte sie zeigen, indem sie ins All fliegt.

Die aktuellste Statistik der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2016 zeigt, dass der Frauenanteil an Beschäftigten in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik (MINT) bei 15 Prozent liegt. Im Vergleich zu den Vorjahren sei zwar eine leichte Steigerung zu erkennen, trotzdem sei der Prozentsatz noch viel zu gering, heißt es in dem Bericht zu der Statistik.

Thiele-Eich sagt:

“Ich würde mich so freuen, wenn das in zehn Jahren kein Thema mehr wäre. Ich habe mich beworben, weil ich Astronautin werden wollte. (...) Wenn wir es schaffen, durch mehr Frauen in solchen Berufen gewisse Klischees und gewisse Schubladen zu schließen, dann fände ich das sehr schön.” 

Ihr Traum kann noch platzen. Wird Thiele-Eich 2019 nicht für den Flug ins Weltall ausgewählt, wäre ihre ganze Vorbereitung umsonst gewesen.

Dennoch herrsche zwischen ihr und ihrer Kollegin kein Konkurrenzkampf. Sie sagt:

“Wir und auch die ehemaligen Kandidatinnen haben immer das Motto: Noch schlimmer, als wenn man selbst nicht fliegt, ist, dass gar keine fliegt. Weil wir haben 2018 und bisher war noch keine deutsche Frau im All.”

(jds/ujo)