POLITIK
12/05/2018 10:35 CEST | Aktualisiert 13/05/2018 09:14 CEST

"Es reicht": Arzt erklärt, wieso er nicht länger im Flüchtlingsheim arbeiten wird

"Da kommen jetzt Leute, die wollen Viagra."

  • Einem Arzt aus Bayern reicht es: Er will keine Asylbewerber mehr behandeln.
  • Mindestens die Hälfte der Patienten seien “Medizintouristen”.
  • Oben im Video: Eine Studie zeigt, wie Deutsche wirklich über Flüchtlinge denken.

Ein Arzt aus Deggendorf, der anonym bleiben möchte, hat genug: Er will in Zukunft keine Flüchtlinge mehr behandeln.

In einem Interview mit der Wochenzeitung “Die Zeit” schildert der Bayer seinen Berufsalltag in einer Asylbewerber-Unterkunft. Dort hätten ihn die drei vergangenen Jahre zermürbt. Für den Mediziner sind die Menschen “frech und fordernd”, die ihm in seinem Behandlungszimmer begegnen.

► Mindestens die Hälfte seien “Medizintouristen”. Viele Flüchtlinge, vor allem aus Sierra Leone und Aserbaidschan, kämen bewusst nach Deutschland, um eine kostenlose Behandlung zu erhalten.

“Die Leute wissen, wie schleppend die Verfahren hier laufen. Und sie glauben, sich in der Zwischenzeit von deutschen Spezialisten behandeln lassen zu können.”

► Der Arzt kritisiert, Asylbewerber würden Massagen gegen Muskelkater, teure Zahn-Operationen oder Schmerztabletten zum Dealen erbitten. “Da kommen jetzt Leute, die wollen Viagra.”

► Der Arzt vermisst Dankbarkeit seitens der Flüchtlinge. So sage von 41 seiner Patienten nur ein einziger “Danke”.

Schutzsuchende haben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz Anspruch auf Hilfe. In den ersten 15 Monaten in Deutschland bekommen sie weniger Leistungen als gesetzlich Versicherte. Akute Krankheiten und Schmerzen werden behandelt, es gibt nötige Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Zahnersatz aber gibt es nur, wenn es gar nicht anders geht.

Nach 15 Monaten gelten für Asylbewerber die gleichen Regeln wie für Sozialhilfeempfänger

Bei der Flüchtlingswelle 2015 soll alles anders gewesen sein

Bei der Flüchtlingswelle 2015, so sagt der Mediziner der “Zeit”, seien die Menschen in den örtlichen Erstaufnahme-Einrichtungen dagegen wirklich hilfsbedürftig gewesen.

► Damals seien Kriegsopfer aus Syrien oder dem Irak mit “bis aufs Fleisch wund gelaufenen Füßen” und “Beinen voller Granatsplitter” zu ihm zur Behandlung gekommen.  

Wie der Landrat die Situation kommentiert

Ende Mai läuft dem Bericht nach der Vertrag des Arztes aus. Er und ein Kollege, mit dem er sich die Arbeit teile, wollen demnach nicht verlängern. 

Die “Bild”-Zeitung konfrontierte Landrat Christian Bernreiter von der CSU mit den Vorwürfen des Arztes.

► Er sagt: “Ich habe natürlich von den Vorfällen gehört. Und wenn das stimmt, was ich nicht im Einzelfall prüfen kann, ist die Kritik des Arztes natürlich gerechtfertigt. Unser Staat kann nicht alles zahlen.”

Die Organisation Pro Asyl kritisiert, die gesetzlichen Regelungen führten in der Praxis zu großen Problemen. In vielen Bundesländern bekämen die Flüchtlinge keine Gesundheitskarte, sondern müssten sich vor einem Arztbesuch beim Sozialamt einen Krankenschein holen. Medizinische Laien würden also entscheiden, ob ein Notfall vorliege.  

Manchmal werde Flüchtlingen eine Behandlung verweigert. Manche dürften keinen Notarzt rufen, was gravierende bis tödliche Folgen habe.

(sk)