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08/08/2018 17:05 CEST | Aktualisiert 08/08/2018 17:05 CEST

Warum es an der Zeit ist, dass wir unsere Kinder wieder so erziehen wie früher

Wir sollte nicht so viel Schrott kaufen – sondern unseren Kindern beibringen, alleine zu spielen.

SolStock via Getty Images
Heutzutage versuchen wir Eltern jedoch permanent, einen besonderen Eifer für irgendeine Aktivität in unseren Kindern zu erwecken.

Unsere Erziehungsmethoden haben sich im Vergleich zu früher ziemlich verändert. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass durch diese Veränderungen irgendetwas leichter geworden wäre.

Hier findest du einige Aspekte der heutigen Kindererziehung, mit denen sich unsere Eltern noch nicht herumplagen mussten, als wir selbst noch klein waren.

Selbstverständlich haben auch unsere Eltern hin und wieder mit uns gespielt. Doch sie hatten mit Sicherheit kein schlechtes Gewissen, wenn sie uns alleine zum Spielen geschickt haben und wir für unsere Unterhaltung lediglich unsere eigene Fantasie zur Verfügung hatten.

Manchmal taten sie das sogar, um einfach einmal in Ruhe ein Buch lesen zu können. Und soll ich dir sagen, warum sie dabei keine Gewissensbisse hatten?

Weil unsere Langeweile nicht ihr Problem war.

Schuldgefühle

Apropos Gewissensbisse: Dass Schuldgefühle heutzutage so weit verbreitet sind, ist auch neu. Die Eltern von heute haben permanent ein schlechtes Gewissen.

Mein Kind hat nicht genug Hobbys. Mein Kind hat zu viele Hobbys. Mein Kind will mit mir spielen, doch ich habe gerade keine Lust dazu.

Diese Liste ließe sich ewig fortsetzen. Doch glaubst du, dass deine Eltern Schuldgefühle hatten? Vermutlich eher nicht.

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Das ganze Spielzeug

Als Kind hatte ich ein paar coole Spielsachen. Doch heutzutage scheinen weder unsere Kinder, noch wir selbst uns mit nur ein paar wenigen coolen Spielsachen zufrieden zu geben.

Und deshalb kaufen wir permanent etwas Neues, bis das Kinderzimmer so aussieht, als ob darin ein Spielzeugladen explodiert wäre.

Außerschulische Aktivitäten

Früher wurde um außerschulische Aktivitäten nicht so ein Wirbel gemacht wie heutzutage.

Hin und wieder kam es vor, dass ein Kind besonders großen Ehrgeiz für eine Sportart oder für ein anderes Hobby entwickelte. Doch ansonsten beschäftigten sich die meisten Kinder einfach nur nebenbei mit ihren Hobbys.

Heutzutage versuchen wir Eltern jedoch permanent, einen besonderen Eifer für irgendeine Aktivität in unseren Kindern zu erwecken.

Heutzutage haben Eltern schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie nur ein einziges Training ihrer Kinder verpassen.

Die Eltern müssen bei jedem einzelnen Spiel dabei sein

Als ich klein war, haben meine Eltern mich mit dem Fahrrad zu meinen Baseball-Spielen geschickt. Und zwar ganz alleine! Ich bin alleine hin- und wieder zurückgefahren. Und ich habe für mich selbst gespielt und nicht für sie.

Das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. So etwas würde es heutzutage nicht mehr geben.

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Verabredungen zum Spielen

Die Vorstellung, dass wir uns heutzutage mit anderen Eltern verabreden, damit unsere Kinder miteinander spielen können, hätte unsere Eltern vermutlich zum Lachen gebracht.

Für diese Verabredungen vereinbaren wir einen festen Zeitraum und zwischendrin gibt es immer einen gesunden Snack. Manchmal überlegen wir uns vorher sogar, was wir gemeinsam basteln könnten.

Als wir noch klein waren, sind wir einfach in die Nachbarschaft hinausgelaufen und haben mit den Kindern gespielt, die gerade da waren. Und sobald die Straßenlampen eingeschaltet wurden, gingen wir nach Hause. So sahen unsere Verabredungen zum Spielen damals aus.

Permanente Besserwisserei

Unsere Eltern mussten keine Angst davor haben, dass jemand sie anzeigen könnte, weil sie ihr achtjähriges Kind alleine in ihrem umzäunten Garten spielen ließen.

Damals liefen Achtjährige sogar unbeaufsichtigt im Wald herum und kamen erst wieder nach Hause, wenn die Straßenlampen angingen. Wenn sich überhaupt mal ein Besserwisser einmischte, dann ging es ihm nicht darum, meine Eltern anzuschwärzen.

Es ging ihm lediglich darum, mit mir zu schimpfen, wenn meine Eltern das gerade nicht selbst tun konnten.

Computerspiele

In meiner Kindheit hatten wir einen Atari-Computer und einen Nintendo. Doch unsere Eltern mussten uns nie ermahnen, diese Geräte endlich mal aus der Hand zu legen.

Denn wir wussten mit unserer Zeit noch etwas Besseres anzufangen als den ganzen Tag mit einem Controller in der Hand herumzusitzen.

Die Eltern von heute müssen sich jedoch jeden Tag mit ihren Kindern darüber streiten, wie lange die Kinder mit ihrem Computer spielen dürfen, welche Spiele sie benutzen dürfen und zu welcher Uhrzeit sie vor dem Rechner sitzen dürfen.

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Bioprodukte und Ernährung

Als ich noch klein war, mussten unsere Eltern nicht permanent Etiketten studieren und sich den Kopf über Tiefkühlkost und Fast Food zerbrechen.

Meine Mutter kochte jeden Abend ein selbstgemachtes Abendessen für uns, denn wir mussten ja nicht gleich wieder zu der nächsten außerschulischen Aktivität aufbrechen.

Schnelle Mahlzeiten sind in der heutigen Gesellschaft deshalb so beliebt, weil wir permanent von einem Termin zum nächsten hetzen.

Unsere Eltern wurden früher nicht ständig für alles kritisiert, so wie wir heutzutage.

Vor allem, weil sie ihre Erziehungsmethoden damals nicht im Internet breittreten mussten. Unseren Eltern war es egal, was andere von ihrer Erziehung hielten. Und ehrlich gesagt war es ihnen auch herzlich egal, wie irgendeine Nachbarin oder Bekannte ihre Kinder erzog.

Ein hoch auf unsere Eltern

Wenn ich mir diese Unterschiede so ansehe, sollten wir unsere Kinder vielleicht doch wieder mehr so erziehen wie früher.

Vielleicht sollten wir unseren Kindern beibringen, wie man alleine spielt und unsere eigenen Schuldgefühle ablegen. Außerdem sollten wir aufhören, dauernd so viel Schrott zu kaufen und die außerschulischen Aktivitäten unserer Kinder ein wenig einschränken.

Wir sollten unsere Kinder einfach wieder mit den Nachbarskindern spielen lassen. Und vor allem sollten wir endlich aufhören, uns ständig gegenseitig zu kritisieren. Das wäre doch schon einmal ein guter Anfang.

Ein Hoch auf unsere Eltern, die damals absolut erstklassige Arbeit geleistet haben!

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost Kanada und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.