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17/07/2018 17:28 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 17:28 CEST

Eltern, die diese 5 Worte kennen, vermeiden einen groben Erziehungsfehler

“Sei ein Anführer, kein Gefängniswärter!"

shapecharge via Getty Images
"Wir helfen unseren Kindern dabei, ihren Platz in der Welt zu finden." (Symbolbild)

Ursprünglich erschienen auf Motherly.

“Sei ein Anführer, kein Gefängniswärter”: Mit diesem Erziehungsmotto schaffst du es, deine Kinder zu glücklichen und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen.

Oft frage ich Eltern: “Mit welchen Methoden habt ihr bisher versucht, das Verhalten eures Kindes zu verändern?” Wenn diese Eltern dann beginnen, eine lange Liste an Bestrafungen aufzuzählen, bricht es mir jedes Mal das Herz.

Die Gefängniswärter-Methode

Die meisten Eltern erzählen mir die gleiche Geschichte: “Eigentlich sollte er sein Zimmer aufräumen, doch er tut es einfach nicht. Deshalb haben wir ihm sein Tablet weggenommen, ihm Fernsehverbot erteilt, ihn den ganzen Tag in sein Zimmer gesperrt, die Verabredungen mit seinen Freunden abgesagt und ihm schließlich einen ganzen Monat lang Hausarrest verpasst. Doch wir können machen, was wir wollen, es interessiert ihn einfach nicht.”

Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass du dein Kind nach der Gefängniswärter-Methode erziehst. Das ist eine unflexible und auf Regeln basierende Erziehungsmethode, die den Ansatz verfolgt, dass ein Kind bestraft werden muss, wenn es nicht brav ist.

Wenn Kinder auf diese Weise erzogen werden, leidet jedoch in vielen Fällen die Entwicklung ihrer sozialen Fähigkeiten darunter. Diese Kinder begreifen den Sinn hinter bestimmten Regeln nicht.

Sie gehorchen nur, weil sie wissen, dass sie ansonsten bestraft werden. Erziehungsmethoden, die auf starken Kontrollmechanismen basieren, führen bei Kindern und Jugendlichen außerdem häufig zu psychischen Problemen.

Mehr zum Thema: Wenn Eltern laut werden: Was ein Kind fühlt, das angeschrien wird

Wenn wir unsere Kinder nach der Gefängniswärter-Methode erziehen, versuchen wir, ihr Verhalten durch Kontrolle und Dominanz zu verändern. Wir versuchen, unerwünschte Verhaltensweisen bei unseren Kindern zu unterbinden, indem wir ihnen Strafen androhen.

Ein Gefängniswärter geht automatisch davon aus, dass es Probleme geben wird, und er behandelt andere Menschen auch dementsprechend. Einem Gefängniswärter ist es egal, ob du traurig oder verwirrt bist oder ob du dich ausgeschlossen fühlst.

► Ein Gefängniswärter will einfach nur, dass du ihm gehorchst.

Wenn wir uns wie Gefängniswärter verhalten, können wir nicht flexibel sein. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig, als unsere Kinder so lange zu bestrafen, bis sie auf uns hören. Der Grund für ihren Ungehorsam spielt dabei überhaupt keine Rolle. Wir bestrafen sie und riskieren dabei sogar, dass wir sie aus den Gruppen ausschließen müssen, denen sie sich eigentlich zugehörig fühlen sollten.

Wir müssen unsere Kinder ermutigen

Wenn wir uns unseren Kindern gegenüber jedoch wie Anführer verhalten, bestärken wir die Verhaltensweisen, die wir bei ihnen fördern wollen. Wir helfen unseren Kindern dabei, ihren Platz in der Welt und in allen dazugehörigen Ordnungen zu finden.

Wir erziehen unsere Kinder mit Achtsamkeit und Mitgefühl. Wenn wir sehen, dass unser Kind unerwünschte Verhaltensweisen an den Tag legt, die in unseren sozialen Gefügen nicht funktionieren, überlegen wir uns, was wir tun können, um unserem Kind dabei zu helfen, sich in unserer Welt besser zurechtzufinden.

Wir wenden keine harten Strafen an, mit denen wir unser Kind aus unserer Gesellschaft ausschließen. Stattdessen verstehen wir, dass unser Kind bestimmte Fähigkeiten erst noch lernen muss, wenn es problematische Verhaltensweisen an den Tag legt.

Wir beginnen nicht, immer schlimmere Strafen einzusetzen. Stattdessen ermutigen wir unsere Kinder dazu, sich in unserer gesellschaftlichen Ordnung wohlzufühlen und uns eine Freude zu machen.

Wenn wir uns unseren Kindern gegenüber wie Anführer verhalten, helfen wir ihnen dabei, aus eigenem Antrieb das Richtige zu tun. Unsere Kinder verhalten sich vorbildlich, weil sie wissen, dass es das Richtige ist. Und nicht, weil sie Angst davor haben, bestraft zu werden. Wir wollen, dass unsere Kinder auf uns hören, weil sie ein Teil unserer Gesellschaft sein wollen, weil sie uns helfen wollen und weil sie erkennen, dass sie mit ihrem selbst gewählten Verhalten etwas Gutes tun. 

5 Tipps, wie du zum Anführer wirst

Mit den folgenden fünf Regeln schaffst du es auch, dich vor deinem Kind wie ein Anführer zu verhalten.

1. Versetzt euch selbst in die Lage eures Kindes

Wenn du deinem Kind ein guter Anführer sein willst, solltest du dich immer wieder in seine Lage hineinversetzen. Denn das hilft uns Eltern zu verstehen, wie wir unserem Kind am besten helfen können. Uns wird klar, dass problematischen Verhaltensweisen oft daher rühren, dass ein Kind bestimmte Gefühle wahrnimmt oder dass es bestimmte Fähigkeiten einfach erst noch lernen muss. Das bedeutet nicht, dass wir alle Verhaltensweisen unserer Kinder akzeptieren. Doch wir verstehen, dass es für die verschiedenen Verhaltensweisen unserer Kinder immer einen Grund gibt.

2. Bestärke positive Verhaltensweisen durch Lob und Anerkennung

Kinder lieben es, aufrichtig gelobt und anerkannt zu werden. Wenn sie das Gefühl haben, dass dir wirklich etwas an ihnen liegt und du nicht nur versuchst, ihr Verhalten zu kontrollieren, werden sie auch von sich aus versuchen, dir zu gefallen. Kinder sind weniger empfänglich für Lob, das lediglich eingesetzt wird, um ihr Verhalten zu kontrollieren, wie beispielsweise: “Oh, schau mal was für ein lieber Junge du heute bist, weil du gerade am Tisch sitzt.” Mit einem aufrichtigen “ich sehe wirklich, dass du mir zuhörst, und das macht mich sehr glücklich” erreichst du sehr viel mehr.

3. Lebe deinem Kind Werte vor

Zeige deinem Kind, was wirklich zählt, indem du es ihm vorlebst. Wenn du ein freundliches und verantwortungsbewusstes Kind großziehen willst, solltest du mit positivem Beispiel vorangehen und ihm freundliche und verantwortungsbewusste Verhaltensweisen vorleben. Achte auf Situationen, in denen dein Kind sich aufmerksam und verantwortungsbewusst verhält und lobe es für sein Verhalten.

4. Sei so flexibel wie möglich

Lass dein Kind eigene Entscheidungen treffen. Versuche, die Entscheidungen deines Kindes nicht zu beeinflussen. Du solltest dein Kind nur dann davon abhalten, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn es gute Gründe dafür gibt. Zum Beispiel, wenn dein Kind etwas Gefährliches oder Illegales tun möchte. Anführer erziehen ihre Kinder dazu, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Gefängniswärter erziehen ihre Kinder dazu, gehorsam zu sein, um mögliche Konsequenzen zu umgehen.

5. Ermutige dein Kind, eigene Entscheidungen zu treffen 

Bring deinem Kind bei, Dinge zu tun, um sein persönliches Wachstum und seine Gesundheit zu fördern, um bedeutsame Beziehungen aufzubauen und um einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Zeige deinem Kind, dass es nichts tun sollte, um dadurch finanzielle Vorteile, Beliebtheit, Macht oder eine bestimmte Außenwirkung zu erzielen. Menschen, die ihre Entscheidungen aus eigenem Antrieb treffen, sind glücklicher und finden sich meist in der Gesellschaft besser zurecht.

Wenn du das nächste Mal mitbekommst, dass dein Kind etwas tut, das dir missfällt, solltest du dir selbst zuflüstern: “Sei ein Anführer, kein Gefängniswärter.”

Von Nadene van der Linden 

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(nc)