ELTERN
15/08/2018 18:06 CEST

Ertrinkende Kinder: Rettungsschwimmer sehen in Handy-Nutzung der Eltern Gefahr

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dpa
Ein Team der DRLG fährt mit einem Rettungsboot auf dem Baldeneysee in Essen.

► Es ist die dunkle Seite des Super-Sommers: Seit Jahresbeginn sind schon mehr als 300 Menschen bei Badeunfällen gestorben. Im Gesamtjahr 2017 waren es deutschlandweit 404 Tote.

► Zu den Todesopfern zählten auch mehr als 20 Kinder unter 15 Jahren. Rettungsschwimmer haben nun die Handy-Obsession vieler Eltern als Gefahrenquelle ausgemacht. 

“Immer mehr Eltern sind auf ihre Smartphones fixiert und schauen nicht nach links oder rechts, geschweige denn auf ihre Kinder”, sagte Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, der “Neuen Osnabrücker Zeitung”

► Auch Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), betont: “Zu wenige Eltern und Großeltern beachten den Rat: Wenn Ihre Kinder und Enkelkinder im Wasser sind, legen Sie Ihr Smartphone weg.

Warum die Warnung an die Eltern wichtig ist:

Die DLRG beklagt schon seit längerem neben Bäderschließungen, fehlenden Schwimmunterricht an Grundschulen auch das mangelnde Engagement vieler Eltern, ihren Nachwuchs bis zum Schwimmabzeichen Bronze zu bringen.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG hatte im Juni 2017 ergeben, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Zwar haben 77 Prozent der Grundschüler das “Seepferdchen”. Doch fast zwei Drittel der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Gerade in Stresssituationen könnten die erlernten Schwimmfähigkeiten nicht ausreichen.

Geflüchtete und ihre Kinder stellen laut DLRG darüber hinaus eine besondere Risikogruppe dar, denn in vielen Herkunftsländern gehört das Schwimmenlernen nicht zum Aufwachsen dazu.

Warum immer weniger Kinder schwimmen können:

In den Kinderkursen beobachtet Schwimmtrainerin Sandra Rother zunehmend motorische Schwierigkeiten. “Die Eltern geben gerne die Verantwortung ab”, meint sie. “Viele Kinder waren vor dem Kurs noch nie in einem Schwimmbad.”

Sie befürchtet, dass die Situation sich weiter verschlechtert. “Heute können auch viele Eltern nicht richtig schwimmen und vermitteln die Angst vor dem Wasser.”

Dazu kommt:

► Rund ein Viertel aller Grundschulen in Deutschland hat keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. 

► Für Eltern ist es oft nervenaufreibend, überhaupt einen Schwimmkurs für ihr Kind zu finden. Bei Angeboten von Vereinen gibt es häufig Wartelisten – zuweilen dauert es zwei Jahre, bis ein Platz frei wird. Darüber hinaus sind gerade private Schwimmschulen oft teuer. 

Warum gerade bei Hitze so viele Menschen im Wasser sterben:

Axel Dietrich vom Deutschen Schwimm-Verband glaubt, dass es mit dem Vermitteln der Schwimmtechnik nicht getan ist.

“Vielen fehlen die notwendigen Kenntnisse über das eigene richtige Verhalten im Wasser”, sagt er. So seien Menschen in diesem Sommer ertrunken, weil sie nichts über die Wassertemperaturen und Strömungen in dem jeweiligen Gewässer wussten oder weil sie mit einem plötzlichen Krampf im Bein mitten im See nicht umgehen konnten.

Infografik: Badetote in Deutschland | Statista