ELTERN
10/09/2018 12:32 CEST

Erster Schultag: Daran erkennt ihr, ob der Schulranzen zu schwer ist

Ein zu schwerer Schulranzen kann bleibende Folgen haben.

supersizer via Getty Images

Von Saad B. Chaudhary

Wir alle haben schon mal einmal Kind mit einem riesigen, überladenen Rucksack gesehen. Es mag vielleicht niedlich aussehen, ist aber sehr gefährlich: Kinder bekommen von schweren Rucksäcken oft Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen.

Außerdem zeigen Studien, dass Kinder, die häufig Rückenschmerzen haben, auch als Erwachsene häufiger an Rückenschmerzen sowie Gelenk- und Muskelerkrankungen leiden. 

Wenn Kinder in den Ferien beschwerdefrei sind, aber zum Schulanfang über Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen klagen, ist oft ein zu schwerer Rucksack der Auslöser. Das zu hohe Gewicht überfordert ihre Muskulatur.

Dies führt zu Schmerzen und Gelenküberlastung.

So schwer darf der Rucksack sein

Als Eltern könnt ihr das vermeiden, indem ihr den Rucksack kontrolliert und ihn gegebenenfalls erleichtert. 

Dazu solltet ihr den Rucksack eurer Kinder wie üblich bepacken und wiegen.

Als Faustregel gilt, dass der Rucksack nicht schwerer als zehn bis 15 Prozent des Körpergewichts eures Kindes sein sollte. 

Wenn euer Kind beispielsweise 20 Kilogramm wiegt, sollte sein Rucksack nicht schwerer sein als zwei bis drei Kilogramm.

Mehr zum Thema: Eltern, hört auf, den Lehrern eurer Kinder an allem die Schuld zu geben

Zusätzlich zum Wiegen des Rucksacks solltet ihr beobachten, wie euer Kind sich damit bewegt. Wenn es sich damit ständig nach vorne, hinten oder zur Seite lehnt, könnte der Rucksack überladen sein. 

Auch der Schulweg eures Kindes ist wichtig - ob es zu Fuß geht, im Auto sitzt oder im Bus fährt – und wie lange es täglich wartet. Mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken täglich 20 Minuten zu laufen oder zu warten ist problematischer, als ihn nur schnell ins Auto zu tragen. 

Den richtigen Rucksack aussuchen

Ihr solltet zudem auf die Wahl des richtigen Rucksacks achten. Genau wie nicht jeder Schuh an jeden Fuß passt, passt auch nicht jeder Rucksack zu jedem Kind. Kinder sollten den Rucksack im Laden anprobieren und damit herumlaufen. Er sollte gut zu ihrer Körpergröße und -form passen und ihren Rücken mit möglichst großem Oberflächenkontakt umschließen. 

Ein geeigneter Rucksack hat diese Merkmale:

  • Leichtes Material wie Nylon. Kein Leder.
  • Gepolsterte Doppelgurte, damit sich das Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern verteilt. Vermeidet Rucksäcke mit nur einem Gurt, der schräg über den Körper geht.
  • Ein horizontaler Brustgurt, der die beiden Schulterriemen verbindet oder ein Hüftgurt.  So wird das Gewicht besser zwischen Rücken und Hüfte verteilt.

Wenn eurer Kind einen Wachstumsschub hatte, seht euch den Rucksack noch einmal an, um auszuschließen, dass er zu kurz oder zu klein ist. Für manche Kinder, besonders ältere, die viele schwere Bücher mit sich herumtragen müssen, ist ein Rollkoffer oft besser.

Die richtige Benutzung des Rucksacks:

Den richtigen Rucksack auszusuchen, reicht nicht. Die Kinder müssen ihn auch richtig tragen.

  • Haltet das Gewicht so gering wie möglich. Holt euch, wenn möglich jedes Buch doppelt: Eines für zuhause und eines für die Schule. Das beseitigt einige Gewichtsprobleme.
  • Benutzt immer beide Gurte. Sie sollten immer gleich eng sein. Nicht der eine locker und der andere eng.
  • Der Rucksack sollte richtig sitzen. Stellt sicher, dass die Gurte sich den Schultern und der Brust anpassen, so dass der Rucksack den Rücken “umarmt” und nicht zu tief herunter hängt.

Manche Gurte lockern sich mit der Zeit. Wenn ihr den Rucksack zum ersten Mal anpasst, markiert euch die Stelle wo die Schnallen sein sollten und kontrolliert alle paar Wochen, ob man die Gurte neu justieren muss.

Wann ihr zum Arzt gehen solltet

Wenn ein Kind ein, zwei Tage lang mal Schmerzen hat, weil die Muskeln oder Gelenke überlastet sind, ist das wahrscheinlich harmlos. 

Die Schmerzen können mit Ruhe, Wärme und rezeptfreien Medikamenten behandelt werden. 

Wenn ein Kind jedoch weiter über starken, andauernden Schmerz klagt, solltet ihr das nicht vernachlässigen. Vor dem Erwachsenenalter haben Menschen üblicherweise keine langanhaltenden Rückenschmerzen. Sie könnten auf eine ernstere Krankheit hindeuten, vor allem, wenn sie nachts schlimmer werden oder mit Fieber, Beinschmerzen, Schwierigkeiten beim Gehen, Hinken, Gewichtsverlust, einer vorhergehenden Verletzung, Infektion, Blasen– oder Verdauungsproblemen einhergehen. 

In so einem Fall solltet ihr sofort zum Kinderarzt gehen, der euch dann wahrscheinlich zu einem Kinderorthopäden oder Kinder-Wirbelsäulen-Spezialisten überweist.

Fazit 

Ich ermutige Eltern, sich aktiv für die seelische und körperliche Gesundheit ihrer Kinder einzusetzen. Dazu gehört auch, alle paar Monate eine kurze Unterhaltung über mögliche Probleme mit ihrer Schultasche zu führen. Fragt eure Kinder, ob sich der Rucksack zu schwer anfühlt und ob sie Rücken, Nacken- oder Schulterschmerzen haben.

Im Verlauf des Schuljahrs füllt sich der Rucksack mit immer mehr Blöcken und Heften. Überprüft also immer wieder sein Gewicht, die Gurte und wie euere Kinder damit laufen. Wenn das Teil eures Alltags wird, bekommen eure Kinder keine Rückenschmerzen und werden wohl bis ins Erwachsenenalter gesunde Rücken haben.  

Dieser Artikel erschien zuerst in der US-Ausgabe der HuffPost und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt. 

(glm)