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14/12/2017 17:34 CET | Aktualisiert 22/12/2017 11:11 CET

Ärzte operieren Jungen 13 Mal - dann ahnen sie, warum er so krank ist

Jahrelang lässt eine Mutter aus Dallas alle Welt glauben, ihr Sohn sei unheilbar krank.

xmee via Getty Images
13 Mal ließ die Mutter ihren Sohn operieren. Nun ist klar: Krank ist nicht der Sohn, sondern die Mutter.
  • Jahrelang lässt Kaylene Bowen aus Dallas alle Welt glauben, ihr Sohn leide unheilbar an Krebs
  • Nun stellt sich heraus: Krank ist nicht der Sohn, sondern die Mutter

Mit gerade mal acht Jahren hat der kleine Christopher bereits 13 Operationen und mehrere hundert Arztbesuche hinter sich. Aufopferungsvoll kümmert sich seine Mutter um ihn, startet sogar eine Spendenaktion für ihren Sohn. Nur: Der kleine Junge ist gar nicht krank.

Wie der amerikanische Fernsehsender NBC5 berichtet, dachte sich Kaylene Bowendie Krankheiten ihres Kindes jahrelang nur aus. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft. 

“Acht Tage nach seiner Geburt ging es los”

Bereits acht Tage nach Christophers Geburt begann die Mutter, Krankheiten ihres Sohnes vorzutäuschen. So behauptete sie zum Beispiel, der Junge reagiere allergisch auf Milch und würde dann jedes Mal erbrechen. “Es macht aber keinen Sinn, weil ich ihn nie Milch erbrechen sah” erklärte der Vater des Jungen, Ryan Crawford, gegenüber NBC. 

Zehn Monate später eröffnete die Mutter bei einer Sorgerechtsverhandlung, ihr Sohn würde nie laufen können und da er außerdem Probleme beim Essen entwickeln würde, benötige er in Zukunft eine Ernährungssonde.

Frei erfunden, wie sich nun herausgestellt. Die Sonde bekam Christopher trotzdem, wie BBC News berichtet.

Die Versuche des Vaters, Ärzte und Familienrichter davon zu überzeugen, dass Christopher gar nicht krank sei und die Mutter versuche, das System zu manipulieren, blieben erfolglos. Keiner glaubte ihm.

Er hätte sterben können. Nur Gott hat ihn gerettet. Ryan Crawford, Vater von Christopher

Damit ihre Lügen nicht aufflogen, schottete die Mutter ihren Sohn immer mehr von seinem Vater ab. Und wenn die Ärzte misstrauisch wurden, wechselte Bowen offenbar das Krankenhaus.

Über 13 Operationen und 323 Arztbesuche mutete sie ihrem Sohn zu, ohne dass ihm das Geringste fehlte. 

Die Mutter sammelte Spenden für ihr vermeintlich todkrankes Kind

Schließlich geriet die übertriebene “Fürsorge” der Mutter völlig außer Kontrolle: Bowen behauptete nun, ihr Sohn sei sterbenskrank und sie begann, Spenden für medizinische Operationen zu sammeln. Mal lautete die “Diagnose” Krebs im Endstadium, mal Arteriovenöse Malformation, eine Fehlbildung der Blutgefäße.

Sie wollte eine Lungentransplantation, eine Herzoperation und Beinschienen für Christopher.

So weit kam es zum Glück dann doch nicht, denn die Ärzte schöpften endlich Verdacht und alarmierten das Jugendamt. Doch nichts passierte.

Erst als die Mutter ihren Sohn vor einigen Wochen abermals ins Krankenhaus brachte und behauptete, er habe einen Krampfanfall, Tests aber keinerlei Anzeichen dafür zeigten, schaltete sich die Polizei ein.

Unklar ist bislang, wie es dazu kommen konnte, dass der Junge 13 Mal operiert wurde, obwohl ihm nichts fehlte. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die 34-jährige Mutter am sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet, einer psychischen Störung, aufgrund der Eltern die Krankheiten ihrer Kinder erfinden oder sogar künstlich verursachen. 

Vater kämpft jahrelang um das Sorgerecht für seinen Sohn - erfolglos 

All die Jahre versuchte der Vater nach eigener Aussage, das Sorgerecht zu bekommen und die Gerichte davon zu überzeugen, dass sich die Mutter die Symptome ihres Sohnes nur ausdachte.  

Der Vater gab über 7.000 Dollar für Gerichtskosten und Anwälte aus - ohne Erfolg. Er erhielt sogar ein Besuchsverbot, als Christopher gerade drei Jahre alt war. Bowen war es nämlich gelungen, glaubhaft zu machen, Christopher hätte einen Herzanfall erlitten, als Crawford ihn besucht hatte. 

Jedes Mal, wenn ich vor Gericht ging, gaben sie mir das Gefühl, der schlimmste Mensch aller Zeiten zu sein. Ryan Crawford, Vater von Christopher

Und weil Crawford darauf beharrte, dass sein Sohn nicht krank sei, verbot das Gericht ihm schließlich, den Jungen zu besuchen. Dies berichtet das Nachrichtenportal Star-Telegram.

Mehr als drei Jahre später kämpft der Vater immer noch um das Sorgerecht für seinen Sohn - obwohl die Mutter inzwischen in Haft ist.

Obwohl alles darauf hindeutet, dass Crawford all die Jahre recht hatte, weigert sich das Jugendamt, Christopher aus seiner Pflegefamilie zu holen und zu seinem Vater zu bringen.

Crawford sagte zu NBC: “Das [Jugendamt] will mir meinen Sohn nicht geben, weil sie sagen, ich kenne ihn nicht. Aber wenn ich dann sage, na ja, er kennt seine Pflegefamilie auch nicht, dann sagen sie nur: ‘Das ist richtig’. Das ist alles, was sie sagen.”

Eine Anhörung ist für nächste Woche angesetzt.

 

(lm)