POLITIK
23/02/2018 17:33 CET | Aktualisiert 06/03/2018 18:54 CET

Steinbach fällt auf Satire herein – doch das scheint sie nicht zu stören

Nutzer überziehen Steinbach mit Spott.

  • Die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach ist einem Tweet der Satireseite “Der Postillon” aufgesessen
  • Steinbach scheint sich dafür nicht zu genieren – sondern vielmehr bestätigt zu fühlen
  • Im Video oben: Steinbach hetzt gegen die Ehe für alle - doch das letzte Wort hat Lammert

Erika Steinbach, Ex-Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Ex-CDU-Politikerin und Ex-CDU-Mitglied, äußert ihre rechts der Mitte anzusiedelnde Meinung gern auf Twitter. 

Am Freitagvormittag twitterte sie eine Fotomontage mit dem Foto eines jungen Mannes mit dunklem Haar und Bart nebst einer Flasche Jägermeister-Kräuterlikör und der Aufschrift: “Verletzt seine religiösen Gefühle: Muslim will wegen Kruez im Logo keinen Jägermeister mehr trinken.”

► Steinbach notierte dazu: “Hoppla, ich dachte, Muslime dürfen keinen Alkohol trinken. (...) Aber es ist schon dreist, was hier in Deutschland abgeht.” 

Allerdings ist die Bildmontage eine Satire, die die bekannten Seiten “Der Postillon” und “Der Gazetteur” verbreitet hatten.

“Wer nimmt den ‘Postillon’ noch ernst?”

Nutzer überhäuften Steinbach daraufhin mit Spott. “Mein Gedanke: “Wer nimmt denn heutzutage noch Artikel von ‘Der Postillon’ ernst?”

Sie frotzelten, Steinbach möge doch dem armen Mann auf dem Foto nicht alles wegtrinken, bevor sie twittere. 

Die Macher der Aktion “Hass Hilft” formulierten Steinbachs Tweet süffisant um:

“Hoppla, wir dachten, Frau Steinbach würde keinen Alkohol trinken. Aber es ist schon dreist, was hier in Deutschland abgeht. Gut, dass Frau Steinbach das mal anspricht, aber warum spricht sie nicht über die anderen wichtigen Themen von ‘Der Gazetteur’ und ‘Der Postillon’?”

“Hass Hilft – die erste unfreiwillige Spenden-Aktion” ist eine Initiative der Firma Gesellschaft Demokratische Kultur.

Die Idee: Weil das Internet mit rassistischen Kommentaren geflutet werde, spenden Unterstützer einen Euro für jeden menschenverachtenden Kommentar. Das Geld geht an ”Aktion Deutschland Hilft“ und die Initiative gegen Rechts EXIT-Deutschland. 

Viele der spitzen Kommentare zu Steinbach sind an dieser Stelle nicht zitierfähig. Dieses Gif allerdings schon:  

Der Tweet zeigt ein großes Problem

Viele Nutzer finden zudem, der Tweet sei Beleg für ein Problem: Die Verbreitung von Falschmeldungen, wie es sie im Kontext mit Flüchtlingen oder Muslimen immer wieder gegeben hat. Immerhin hat die 74-Jährige mehr als 74.000 Follower auf Facebook.

“Wenn Leute, die gerne von ‘Lügenpresse’ reden, auf den ‘Postillon’ reinfallen”, schrieb etwa ein User.

Ein anderer: “Warum Quellen überprüfen, wenn man gegen Muslime hetzen kann, nicht wahr?”

Ein Nutzer flüchtet sich in Sarkasmus: ”Ich bin froh, dass eine seriöse Politikerin wie Frau Steinbach sich nur auf glaubwürdige Quellen wie den ‘Postillon’ beruft!” 

Wie Steinbach reagiert

Steinbach unterdessen geht nicht auf die Kritik ein, dass sie ohne Quellenprüfung Hetze gegen Muslime verbreite. Und nimmt die Tatsache, dass sie den Post offenbar ernstnahm, als Beleg dafür, wie weit es schon gekommen sei in Deutschland.

Sie schreibt in mehreren Tweets, die Satire mache “die Schizophrenie” in Deutschland deutlich, die Satire sei ein “Spiegelbild” der Realität.

Den Vorwurf der Hetze weist Steinbach von sich ...

 ... und steigt lieber in eine Diskussion über Grammatik ein.

Ein User hatte Steinbach geschrieben, sie müsse nun mit “dem Spott bezüglich dem ‘Postillon’” leben. Ein anderer merkte an, dass es wohl eher “des ‘Postillions’ (sic!)” heißen müsse. 

Steinbach sekundierte “Richtig, Genetiv.”  

Und jeder, der des Deutschen (richtig, Genitiv), mächtig ist, fragt sich: War das jetzt auch Satire?