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31/03/2018 17:17 CEST | Aktualisiert 31/03/2018 17:17 CEST

Diese 11 Frauen haben Bahnbrechendes geschafft – den Ruhm ernteten Männer

Dieser Artikel ist all den Frauen gewidmet, die sich ihre eigenen Erfindungen von Männern neu erklären lassen mussten.

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Bandleader Johnny Otis posiert für ein Portrait mit "Big Mama" Wilie Mae Thornton und Peacock Records Manager Don Robey.
  • Viele berühmte Erfindungen, die Männern zugeschrieben werden, stammen eigentlich von Frauen
  • Elf dieser Frauen stellen wir hier vor

Der angebliche Erfinder von Monopoly hat sich das Spiel eigentlich gar nicht selbst ausgedacht. Doch Charles Darrow verdiente Millionen daran, dass er Monopoly an den Spielwarenhersteller Parker Brothers verkaufte. Ganze 30 Jahre, nachdem eine Frau namens Elizabeth Magie das Brettspiel erfunden hatte.

► Es ist einer von vielen Fällen, in denen ein Mann die Lorbeeren für die Idee und Arbeit einer Frau eingeheimst hat.

1. 1951: Rosalind Franklin spielte bei der Erforschung der DNA eine entscheidende Rolle.

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Die britische Chemikerin Rosalind Elsie Franklin

Als Rosalind Franklin im Jahr 1951 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Londoner King’s College tätig war, lieferte sie zusammen mit ihrem Studenten Raymond Gosling entscheidende Erkenntnisse über den Aufbau der DNA – also des Träger der Erbinformation.

► Wie auf der Website “Biography.com” zu lesen ist, war eines ihrer Röntgenbilder der DNA, auch bekannt als Foto 51, wichtiger Beweis dafür, dass die DNA die Struktur einer Doppelhelix hat. Ein Kollege namens Maurice Wilkins zeigte den konkurrierenden Wissenschaftlern James Watson und Francis Crick das Foto 51 – ohne Franklins Erlaubnis.

► Die beiden Wissenschaftler benutzten Franklins Erkenntnisse als Grundlage für ihr DNA-Modell und erhielten dafür im Jahre 1962 den Nobelpreis – vier Jahre nach dem Tod Franklins.

 2. 1868: Margaret Knight erfand die Papiertütenmaschine.

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Als Margaret Knight im Jahre 1868 bei der Columbia Paper Bag Company arbeitete, machte sie sich Gedanken, wie eine Maschine aussehen müsste, mit der man Tüten mit Flachboden sehr viel schneller herstellen könnte als von Hand.

Innerhalb weniger Monate entwarf Knight einen Prototypen. Nach Angaben des des amerikanischen Berufsverbands für Maschinenbauingenieure (ASME) zog sie schließlich nach Boston, um mit zwei Mechanikern weiter an ihrem Prototypen zu arbeiten.

► Ein Mann namens Charles Anan kam bei Knight vorbei und sah sich ihre Maschine an. Doch als Knight ein Patent anmelden wollte, wurde ihr Antrag abgelehnt. Das Patent bereits an Anan vergeben worden.

► Knight verklagte Anan und gewann den Prozess.

3. 1900er-Jahre: Alice Guy war die erste weibliche Filmregisseurin und Inhaberin eines Filmstudios.

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Die französische Film-Pionierin Alice Guy-Blaché

Die in Frankreich geborene Alice Guy, die jahrelang als Sekretärin gearbeitet hatte, drehte Anfang der 1900er-Jahre mehr als 100 Filme. Dann heiratete sie Herbert Blaché, den Manager des Produktionsstudios, für das sie arbeitete.

► Guy wurde zur ersten weiblichen Besitzerin eines Filmstudios und eröffnete im Jahr 1910 die Solax Studios.

Nach Angaben des Newsportals “Broadly” kehrte Guy die Geschlechterrollen bereits Jahrzehnte vorher um, bevor der Begriff “Geschlechterrolle” überhaupt ins Lexikon aufgenommen wurde. In einem ihrer Filme malte sie sich “eine Welt aus, in der die Frauen in traditionell männlichen Rollen aufblühen, während die Männer mit Unterdrückung zu kämpfen haben”.

► Ironischerweise wurde ihr Name letzten Endes jedoch entfernt und ihr Mann heimste die Lorbeeren für ihre visionären filmischen Werke ein.

Er eröffnete nach ihr ebenfalls ein Filmstudio und überzeugte sie davon, die beiden Unternehmen zu fusionieren. Und sorgte dafür, dass sein Name im Vordergrund stand.

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“Broadly” verweist auf das Buch “Die hundert erfolgreichsten Männer und Frauen der Filmgeschichte” von Carolyn Lowrey, das 1920 erschien. Die Autorin widmete demnach Blachés Vermächtnis eine Seite, ohne Guy zu erwähnen. Zwar nannte die Autorin einige von Guys Filmen, aber sie bezeichnete sie fälschlich als Werke Blachés.

4. 1903: Elizabeth Magie erfand Monopoly.

Washington Evening Star/Anspach Archives

Nach Angaben der “New York Times” nahm die Sekretärin und Stenografin Elizabeth Magie bei politischen Themen absolut kein Blatt vor den Mund.

Außerdem führte sie ein “äußerst ungewöhnliches Leben”, weil sie auf eigenen Beinen stand und erst mit 44 Jahren heiratete.

► Im Jahr 1903 erfand sie ein Spiel namens “Landlord’s Game” (das Spiel der Hausbesitzer). Sie wollte damit gegen die “großen Monopolisten” wie Andrew Carnegie und John D. Rockefeller protestieren.

► Über dreißig Jahre später behauptete ein Mann namens Charles Darrow, dass ihm eine “eigene Version davon” gehöre.

Er verkaufte sein Spiel an den Spielwarenhersteller Parker Brothers. Darrow verdiente mehrere Millionen Dollar an dem Brettspiel, das wir heute unter dem Namen Monopoly kennen. Magie erhielt für ihre Erfindung hingegen nur in etwa 500 US-Dollar.

5. 1930er-Jahre: Lise Meitner entdeckte die Kernspaltung.

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Lise Meitner (rechts) mit der Leiterin des österreichischen Radiuminstituts 1953

Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, war die österreichische Physikerin Lise Meitner stellvertretende Direktorin des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie für Chemie in Berlin. Obwohl sie schließlich fliehen musste, blieb sie mit dem Chemiker Otto Hahn in Kontakt.

► Anhand von Briefen, die die beiden Wissenschaftler ausgetauscht hatten, ließ sich belegen, dass sie die Kernspaltung in den 1930er-Jahren gemeinsam entdeckt hatten.

Nach Meinung des Geschichtsprofessors Chris Padgett vom American River College wurde Meitner die ihr eigentlich gebührende Anerkennung vorenthalten, weil sie eine jüdische Geflüchtete war.

“Hahn, der den Nazis treu geblieben war, erhielt später den Nobelpreis für seine Arbeit. Er weigerte sich jedoch, auch Meitners Anteil an dieser Auszeichnung anzuerkennen”, so Padgett.

Das Berkeley Nuclear Research Center bezeichnet Meitners Geschichte als “eines der extremsten Beispiele für wissenschaftliche Errungenschaften von Frauen, die vom Nobelpreiskomitee ignoriert wurden”.

6. 1900er-Jahre: Nettie M. Stevens fand heraus, dass die Spermien das spätere Geschlecht eines Kindes bestimmen.

Carnegie Institution of Washington/Wikipedia

Zwischen 1900 und 1910 fand die Wissenschaftlerin Nettie M. Stevens heraus, dass die Spermien des Mannes sowohl X- als auch Y-Chromosomen enthalten, während sich in den Eizellen von Frauen lediglich X-Chromosomen befinden.

So erkannte sie, dass das Geschlecht eines Babys von den Spermien bestimmt wird.

Der Wissenschaftler Edmund Beecher Wilson kam unabhängig von Stevens etwa zur selben Zeit zur selben Erkenntnis. Er reichte seine Abhandlung zehn Tage vor Stevens beim “Journal of Experimental Zoology” ein. Wilson merkte in seinem Dokument in einer Fußnote jedoch an, dass er über Stevens Erkenntnisse Bescheid wusste.

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In einem Zeitschriftenartikel schreibt der Physiker und Historiker Stephen G. Brush, dass “der wissenschaftliche und chronologische Zusammenhang zwischen ihren Beiträgen kaum thematisiert wurde. Die Rolle von Stevens wird manchmal vergessen, denn sie verstarb im Jahre 1912, bevor sie genauso viel Ansehen genoss wie Wilson.”

7. 1950er-Jahre: Chien-Shiung Wu entdeckte das Gesetz der Paritätsverletzung.

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Während des Zweiten Weltkriegs schloss sich die chinesisch-amerikanische Physikerin Chien-Shiung Wu dem sogenannten Manhattan Project an der Columbia University an – einem militärischen Geheimprojekt der US-Armee zur Entwicklung der Atombombe.

Wu setzte ihre Arbeit an der Columbia University auch nach Ende des Krieges fort. Zusammen mit ihren zwei männlichen Kollegen Tsung-Dao Lee und Chen Ning Yang widerlegte sie ein physikalisches Gesetz, das damals laut National Women’s History Museum als weitgehend anerkannt galt

Wus belegte in einem Experiment, dass es die sogenannte Paritätsverletzung gibt. Dieses Prinzip zu erklären, das in der Quantenmechanik eine Rolle spielt, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen.

1957 erhielten ihre beiden männlichen Kollegen den Nobelpreis für diese bahnbrechende Entdeckung. Wu wurde von der Preisverleihung ausgeschlossen.

8. 1952: Willie Mae Thornton war die Original-Sängerin von “Hound Dog”.

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Im Jahr 1952 nahm die Sängerin und Songwriterin Willie Mae “Big Mama” Thornton den Titel “Hound Dog” auf.

► Das Lied wurde später von Elvis Presley gecovert und bekannt gemacht.

Thornton gab jedoch nicht auf und wurde sehr erfolgreich. 1984 wurde sie in die Blues Hall of Fame mit aufgenommen. Ihr Lied “Ball and Chain”, das durch Janis Joplin berühmt wurde, befindet sich auf der Liste der “500 Songs, die den Rock and Roll geprägt haben”.

9. 1960er-Jahre: Margaret Keane war die Künstlerin hinter den Portraits der Kinder mit den großen Augen.

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Margaret und Walter Keane

2014 kam der Film “Big Eyes” des Regisseurs Tim Burton mit Christoph Waltz in einer der Hauptrollen ins Kino. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte:

In den 1960er-Jahren waren die Prominenten San Franciscos von den Malern Margaret und Walter Keane fasziniert. Die Künstler waren bekannt für ihre Bilder von Figuren mit übergroßen, fast hypnotisch wirkenden Augen. 

Doch offenbar gab Walter Margarets Bilder als die seinen aus. 

1986 brachte Margaret ihren Ex-Mann dann vor Gericht. In einem Artikel des “People Magazine” hieß es damals:

Margaret sagte, sie habe die Lügen ihre Mannes gedeckt, weil er ihr gedroht habe, sonst sie und ihre Tochter aus einer früheren Ehe umzubringen.

Auf Anraten ihres Anwalts zeichnete Margaret vor Gericht innerhalb von 53 Minuten das Gesicht eines kleinen Jungen mit den unverwechselbaren Kulleraugen.

10. 1960er-Jahre: Jocelyn Bell Burnell beobachtete als erster Mensch Radiopulsare.

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Jocelyn Bell auf einem Foto 1968

Als Doktorandin an der University of Cambridge half Jocelyn Bell Burnell Anthony Hewish und Martin Ryle beim Bau eines Radioteleskops zur Beobachtung von Quasaren – gewaltigen und extrem weit entfernten Himmelskörpern. Burnells Aufgabe war es, die so gewonnenen Daten zu analysieren.

Auf der Website “Biography.com” heißt es dazu: “Nachdem sie stundenlang die Tabellen ausgewertet hatte, fielen ihr Unregelmäßigkeiten auf, die nicht zu den Mustern passten, die Quasare normalerweise produzieren. Sie wies Hewish auf diese Abweichungen hin. In den folgenden Monaten suchte das Team nach möglichen Ursachen.

Schließlich fanden sie heraus, dass bestimmte Neutronensterne in schneller Folge Radiowellen aussenden. Man nennt sie deshalb Radiopulsare. 

Im Jahre 1974 erhielten Hewish und Ryle den Nobelpreis für ihre Entdeckung.

11. 1963: Anna Arnold Hedgeman organisierte den Marsch auf Washington.

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Anna Arnold Hedgeman war die einzige Frau im Organisationskomitee für den Marsch auf Washington im Jahr 1963, bei dem Martin Luther King Jr. seine legendäre “I Have a Dream”-Rede hielt.

Die Professorin Jennifer Scanlon vom Bowdoin College hat eine Biografie über Hedgeman verfasst. Sie sagt, die Anführerin der Bürgerrechtsbewegung sei von den Männern um sie herum “versteckt, verborgen und außer Sichtweite gehalten worden”.

Hedgeman hatte nicht nur verschiedene Menschengruppen zur Teilnahme an dem Protestmarsch motiviert, sondern sie hatte auch den Transport dorthin organisiert und sichergestellt, dass die Teilnehmer mit Essen und Wasser versorgt wurden.

Scanlon sagt: “Hedgeman forderte ihre männlichen Kollegen außerdem auf, bei dem Marsch auch Reden von Frauen zuzulassen. Doch ähnlich wie bei anderen geschlechterbezogenen Themen erwiesen die Männer sich in ihrem Sexismus als unnachgiebig.”

► Eine Gruppe von Anführern, die den Marsch organisiert hatte, wird häufig als “The Big Six” bezeichnet. Natürlich gehörten weder Hedgeman noch andere Frauen zu dieser Gruppe.

Auf dem obenstehenden Bild sieht man Hedgeman, die ihre Hände auf den Plan der National Mall legt. Sie sitzt neben A. Philip Randolph und Roy Wilkins, zwei der männlichen “Big-Six-Organisatoren” des Protestmarsches.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt und von Susanne Klaiber bearbeitet. 

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