LIFE
15/12/2018 11:22 CET | Aktualisiert 18/12/2018 10:07 CET

Erektionsstörung: 4 Gründe, warum euer Partner daran leidet – und wie ihr helfen könnt

Ihr könnt für euren Partner einiges tun.

Photographer is my life. via Getty Images
Viele Männer haben Angst vor Erektionsstörungen. 
  • Millionen Männer in Deutschland leiden unter Erektionsstörungen – Senioren, aber auch Männer, die noch keine 30 sind. 
  • Welche Gründe es dafür gibt und was der Partner tun kann, um zu helfen, erklärt ein Urologe der HuffPost.

Wenn es um Sex geht, ist es wohl die größte Angst vieler Männer: Keine Erektion zu bekommen – oder sie nicht halten zu können. 

Diese Angst ist begründet. Laut dem Urologen Christoph Pies leidet etwa jeder fünfte Mann ab dem 65. Lebensjahr an Erektionsstörungen. Doch wer jetzt denkt, junge Männer bleiben davon verschont, täuscht sich. 

► Laut “Spiegel” gehen Ärzte davon aus, dass jeder hundertste Mann unter 30 unter “erektiler Dysfunktion” oder Impotenz leidet – das sind etwa 50.000 Männer in Deutschland.

Die Betroffenen unterscheiden sich so sehr wie die Gründe, die der Störung zugrunde liegen. Laut dem Urologen gibt es vor allem vier Ursachen, warum ihr oder euer Partner mit Erektionsproblemen zu kämpfen habt. 

1. Euer Partner raucht zu viel

Laut Pies stelle Rauchen den mit Abstand größten Risikofaktor für eine erektile Dysfunktion dar. Zahlreiche Studien beweisen: Zigaretten sind schlecht für den Penis. 

Die in Zigarettenrauch enthaltenen Stoffe schädigen die Blutgefäße im Körper. Und mit beschädigten Blutgefäßen ist keine Erektion möglich. Oder nur eben eine kleinere.

Mehr zum Thema: Raucher-Penis und verschwindende Hoden: Was ihr wohl noch nicht über den Penis wusstet

So untersuchten Mediziner der Universität Boston im Jahr 2010 die Erektionen von 200 Männern und fanden heraus, dass Raucher-Penisse durchschnittlich kleiner sind als die von Nichtrauchern.  

2. Euer Partner hat zu wenig Testosteron im Körper

Das männliche Hormon Testosteron beeinflusst laut Urologen die Libido und die Potenz eines Mannes. Der Hormonspiegel kann jedoch absinken – aus verschiedenen Gründen. 

Entweder wird im Hoden aufgrund einer gestörten Funktion der dafür zuständigen Zellen zu wenig Testosteron gebildet, oder die Ausschüttung der Steuerungshormone in der Hirnanhangdrüse ist gestört. Eine weitere Ursache ist laut dem Urologenportal eine altersbedingt Zunahme eines Eiweißes im Blut (SHBG), welches Testosteron bindet. 

► Im Alter liegt der Anteil der Männer mit messbar erniedrigten Testosteronwerten unter den 60- bis 80-Jährigen bei 20 Prozent und bei den über 80-Jährigen bei 33 Prozent. Erektionsstörungen können laut Pies die Folge sein. 

3. Eurem Partner geht es psychisch nicht gut

Leidet ein junger Mensch an erektiler Dysfunktion, steckt meist kein körperliches Problem dahinter. 

“Insbesondere bei Männern in den jüngeren Lebensjahren findet sich nicht selten eine psychische Komponente als möglicher Auslöser hinter der Erektionsstörung”, erklärt Pies der HuffPost. 

Versagensängste, Partnerschaftskonflikte, beruflicher oder privater Stress, psychosexuelle Entwicklungsstörungen in der Kindheit oder früherer sexueller Missbrauch – das alles kann laut Experte hinter der Störung stecken. 

Erkennt ein Mann einen dieser möglichen Gründe wieder, sollte er unbedingt einen Psychotherapeuten aufsuchen. Stress und Ängste können schließlich nicht nur im Bett zum Problem werden. Laut der Uni Bielefeld kann Stress die Immunkompetenz schwächen – Betroffene werden anfälliger für Infektionskrankheiten.

Mehr zum Thema: Penis-Bleaching und Schamlippen-Verkleinerung: Ärztin über irre Intim-Trends

Erektionsstörungen können damit ein Warnzeichen sein, die Stressquelle sofort aus dem Weg zu schaffen.

Colin Anderson Productions Pty Ltd via Getty Images
Partner können den Betroffenen gut helfen – solange sie sich ihnen öffnen. 

4. Euer Partner ist oder war krank

“Erektionsstörungen können auch Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Zuckererkrankung, einer Gefäßverkalkung, einer Nervenschädigung oder eines Bluthochdrucks auftreten”, erklärt Pies der HuffPost. 

Medikamente gegen Bluthochdruck wie Betablocker und Mittel gegen Depressionen können die Potenz weiter verschlechtern. Manchmal sei hingegen auch der Arzt Schuld – beispielsweise nach Operationen oder Bestrahlungen bei Prostata- oder Enddarmkrebs, sagt der Experte. 

Deshalb solltet ihr euch einem Arzt anvertrauen

Für alle vier dieser Ursachen gibt es Lösungen. Dafür ist es jedoch erst einmal wichtig, sich einem Arzt anzuvertrauen. 

Laut Pies sollte ein Betroffener sich aus drei Gründen medizinischen Rat holen: “Erstens weil man so sehr oft bislang verborgene Begleiterkrankungen wie Durchlutungsstörungen, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit oder Bandscheibenprobleme aufdecken kann, zweitens, weil oft schon das Gespräch mit dem Patienten und der Partnerin oder dem Partner hilft, den ‘Knoten zu lösen’. Und drittens, weil man Erektionsprobleme heutzutage sehr gut medikamentös behandeln kann.” 

Patienten können Potenzpillen (sogenannte PDE-5-Hemmer) wie Viagra einnehmen. Außerdem werden Schwellkörper-Spritzen und Vakuumpumpen angeboten – bis hin zu operativen Therapien mit Schwellkörper-Prothesen, erklärt der Experte. 

So könnt ihr eurem Partner helfen

Doch auch die eigene Partnerin oder der Partner können einem Betroffenen helfen, das Problem aus dem Weg zu schaffen. Frauenärztin Sheila de Liz weiß, wie man am besten reagieren soll, wenn es mit dem Sex nicht klappt. 

► “Kriegt der Mann im Bett akut keine Erektion, sollte der Partner oder die Partnerin die Situation entschärfen. Dann am besten sagen: ‘Lass uns später weitermachen’”, erklärt de Liz. 

Das Erektionsproblem ansprechen sollte ein Partner nur außerhalb des Schlafzimmers, rät sie.  

Und für alle, die nicht gleich zu Viagra greifen wollen, hat die Expertin noch einen Tipp: “Wer Probleme hat, die Erektion zu halten, kann sich auch ein anderes Hilfsmittel zur Hand nehmen: Penisringe. Die wirken mit Druck auf den Penis und sorgen so dafür, dass das Blut nicht so leicht abfließt.” 

Mehr zum Thema: Kleiner Penis? Er könnte schrumpfen, wenn ihr aus diesen Pfannen esst

Aber auch, wenn sich ein Mann wegen seiner Erektionsstörung bereits behandeln lässt, kann ihn sein Freund oder seine Freundin unterstützen. 

“Der Partner oder die Partnerin spielt bei der Therapie eine sehr wichtige Rolle”, sagt Pies. Das Paar müsse nämlich zusammen lernen, keinen gegenseitigen Leistungsdruck aufzubauen und stressfreie Ruhezeiten einzuplanen. 

Dann, sagt der Urologe, bleibt auch in unserer Leistungsgesellschaft genügend Energie für das schönste Hobby der Welt.  

(kiru)