POLITIK
14/04/2018 17:30 CEST | Aktualisiert 14/04/2018 18:14 CEST

"Erdogans Schattenarmee": Experte warnt vor islamistischen Milizen der Türkei

Er schreibt von "politischen Soldaten" für den türkischen Präsidenten.

  • Der Nahost-Experte Jonathan Spyer hat in einem Artikel vor einer “Schattenarmee” der Türkei gewarnt
  • Präsident Erdogan baue eine islamistische Miliz auf, um im Nahen Osten verdeckte Kriege zu führen
  • Im Video oben seht ihr, wie Erdogan selbst früher als junger Soldat aussah

Sie treten erstmals in der Nacht vom 15. auf den 15 Juni 2016 auf den Plan. In der Türkei putschen Teile des Militärs gegen den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – und der schickt in Istanbul einen Trupp fanatischer Schläger los, um den Aufstand zu unterdrücken. 

Es ist das erste Mal, dass die Welt die SADAT-Miliz im Einsatz sieht. Mittlerweile, warnt der Nahost-Experte Jonathan Spyer in einem Artikel für die “Jerusalem Post”, sei SADAT zu “Erdogans Schattenarmee” aufgestiegen – einer schlagkräftigen Truppe für Kriegseinsätze im Verborgenen

“Politische Soldaten” für Erdogan

Angeführt wird die SADAT-Miliz, die das Magazin “Foreign Policy” einmal als Erdogans Privatarmee bezeichnete, von dem ehemaligem türkischen General Adnan Tanriverdi. 

Tanriverdi, ein überzeugter Islamist, wurde 1996 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 2012 formte er SADAT als angebliches Beratungsunternehmen – und ist mittlerweile Erdogans persönlicher Berater. Unter ihm hat SADAT enorm an Einfluss in der Türkei gewonnen. 

Mehr zum Thema: Diese Rede Erdogans zeigt, dass er in seinem Hass auf Kurden keine Grenzen kennt

Spyer, der am Institut Global Research in International Affairs (GLORIA) und für das Middle East Forum forscht, beschreibt die Miliz als einen politisch-militärischen Hybriden, mit dem die Türkei ihre Macht im Nahen Osten ausbauen wolle. 

“Erdogans Schattenarmee” orientiere sich dabei an zwei Vorbildern: 

► Zum einen der iranischen Revolutionsgarde, die seit jeher aus “politischen Soldaten” bestehe, die nicht für ihr Land, sondern für ihr Regime offene und verdeckte Kriege würden – und dass im gesamten Nahen Osten und vor allem in Syrien, Jemen, dem Libanon und dem Irak. 

Zum anderen den paramilitärischen Milizen Russlands, mit denen Kreml-Chef Wladimir Putin die Krim erobert habe und die in Syrien an der Seite des Assad-Regimes kämpfen – ohne dabei direkt der russischen Armee zugehörig zu sein. 

SADAT als islamistischer Arm der Türkei

Im Falle von SADAT würden die Rekruten aus ehemaligen Soldaten der türkischen Armee rekrutiert werden, die diese aufgrund von islamistischen Ansichten hätten verlassen müssen, schreibt Spyer. 

Schon lange sei SADAT dabei, in Syrien sunnitische Rebellen für den Kampf gegen das Assad-Regime auszubilden. Tatsächlich unterstützte und unterstützt die Türkei in Syrien islamistische Rebellenfraktionen wie die Dschabhat Fatah asch-Scham, die ehemalige al-Nusra Front.

Mehr zum Thema: Berichte: Protürkische Kämpfer plündern in der eroberten Kurden-Stadt Afrin

Spyer schreibt: “Die syrische Rebellion im Norden des Landes ist nur noch überlebensfähig, weil sie Unterstützung aus der Türkei erhält.”

Für die Zukunft hätte die SADAT-Miliz unter ihrem Anführer Tanriverdi nun drei Aufgaben: 

► Die weitere Unterstützung der türkischen Ziele im Syrienkrieg, etwa durch das ausbilden von Rebellentruppen für den Kampf gegen Baschar al-Assad. 

► Die Unterdrückung der türkischen Opposition vor dem wichtigen Wahljahr 2019

► Und – so glaubt es Spyer – die Vorbereitung eines militärischen Konflikts mit Israel, das SADAT-Chef Tanriverdi einst als “Messer im Herz des Islam” bezeichnet habe. 

“Erdogan verfolgt laut vielen Beobachtern das historische Projekt, die von Mustafa Kemal Ataturk errichtete türkische Republik mit einem islamischen Gebilde zu ersetzen”, schreibt Spyer. 

Dieses Gebilde brauche neue Institutionen. “Und es scheint, als seien die Schattenkrieger von SADAT dabei, einer der wichtigsten dieser Institutionen zu werden.”