POLITIK
10/03/2018 20:20 CET | Aktualisiert 11/03/2018 08:51 CET

Erdogans beunruhigende Geste: Dieses Foto verrät, wohin die Türkei steuert

Eine Handbewegung von politischer Tragweite.

  • Der türkische Präsident hat bei einer Rede in Mersin den Wolfsgruß gezeigt
  • Damit zeigte Erdogan seine Nähe zur faschistischen Rechten, die ihm im kommenden Jahr bei der Machtsicherung helfen soll
  • Oben im Video: Erdogan löscht ein kleines Wort von seiner Twitter-Seite – und offenbart so einen großen Plan

Wenn die ganze Welt auf dich schaut, ist jede Handbewegung eine Botschaft.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Samstag eine bemerkenswerte wie beunruhigende Botschaft ausgesandt. Auf einer Parteiveranstaltung in Mersin im Süden der Türkei zeigte Erdogan das Handzeichen der faschistischen Grauen Wölfe: den Wolfsgruß.

Mittel- und Ringfinger auf den Daumen gelegt, präsentierte der AKP-Chef seinen Anhängern das Symbol der nationalistischen Bewegung.

Neben ihm streckte ein anderer Mann auf der Bühne das “R4bia”-Symbol der Muslimbruderschaft in die Luft, das Erdogan sonst bei seinen Auftritten zeigt. 

Die nur den Bruchteil von Sekunden andauernde Szene zeigt, wohin die Türkei unter Erdogan steuern könnte: Der türkische Präsident versucht, eine zutiefst konservativ islamische wie nationalistische Sammelbewegung zu formieren.

► Graue Wölfe und Muslimbrüder sollen die Machtbasis des autoritären Präsidenten bilden. Denn: Schon jetzt ist Erodgan im Wahlkampf.

Mehr zum Thema:  Bei fast jeder Rede macht Erdogan diese Geste – das steckt dahinter

Erdogans Bündnis mit der MHP

Dass Erdogan das Zeichen der Nationalisten zeigt, ist durchaus bemerkenswert.

Traditionell steht die rechtsextreme Partei MHP den Grauen Wölfen nah, Erdogan betonte in der Vergangenheit, gegen jede Art von Nationalismus zu sein.

► Die AKP gibt sich islamisch konservativ. Erdogan fabuliert häufiger über das große Osmanische Reich, als über die türkische Nation. 

Doch: Für die Präsidentschafts– und Parlamentswahlen im kommenden Jahr hat der AKP-Chef schon jetzt ein Wahlkampfbündnis mit der MHP bekanntgegeben. “Die MHP wird keinen Kandidaten für die Präsidentschaft aufstellen“, kündigte auch MHP-Parteichef Devlet Bahceli im Januar an.

Anadolu Agency via Getty Images
Bahceli und Erdogan.

Erdogans Pakt mit den Ultrarechten dient wohl vor allem dem Machterhalt. Der Präsident ist auf die Stimmen der Nationalisten angewiesen, um mehr als die Hälfte der Wählerstimmen zu erlangen.

Nicht alle Kritiker wurden mundtot gemacht

Zuletzt hatten sich potenziell starke Oppositionsbewegungen in der Türkei formiert.

► Im vergangenen Sommer mobilisierte der Oppositionsführer der kemalistischen Partei CHP Millionen Menschen zu seinem Gerechtigkeitsmarsch gegen die Willkür der Erdogan-Regierung.

► Zum Jahresbeginn gründete die ehemalige MHP-Politikerin die partiotistische “Iyi Parti”. 

Der Journalist Michael Daventry, der den angesehenen Blog “James in Turkey” betreibt, sagte der HuffPost: “Die Iyi Parti ist in einer besseren Lage als alle Parteien seit 2001, um die große konservative Mehrheit anzusprechen und es mit Erdogans AKP aufzunehmen.”

► Und auch in Erdogans AKP könnte sich Widerstand gegen den autoritären Kurs des islamischen Nationalismus formieren.

Der ehemalige Präsident Abdullah Gül suchte zuletzt die direkte Konfrontation mit Erdogan. Gül ist in der Bevölkerung beliebt, einige sehen ihn als möglichen Herausforderer Erdogans.