POLITIK
18/03/2018 09:20 CET | Aktualisiert 26/03/2018 16:03 CEST

Erdogan verkündet Eroberung von Afrin – so ist die Situation vor Ort

Auf den Punkt gebracht.

Umit Bektas / Reuters
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Freie Syrische Armee (FSA) und das türkische Militär haben offenbar die nordsyrische Stadt Afrin erobert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan meldete Vollzug.

Noch ist die Faktenlage dünn, doch Berichte deuten darauf hin, dass die “Operation Olivenzweig” damit kurz vor ihrem erfolgreichen Ende steht.

Die Lage in Afrin:

► Erdogan hat verkündet, dass die türkische Armee die Stadt Afrin im Norden Syriens vollständig eingenommen habe. Er verglich den Erfolg mit dem Sieg der türkischen Armee bei Gallipoli am Ende des Ersten Weltkrieges. 

► Auch kurdische Journalisten berichten, dass die Stadt, in der bislang die kurdische Miliz YPG die Kontrolle ausübte, gefallen sei.

► Videos sollen sunnitische Rebellen beim Siegeszug durch die Stadt zeigen.

► Auch YPG-nahe Quellen melden, dass sich die Kämpfer zurückgezogen haben und Zivillisten aus der Stadt evakuiert wurden. 

► Kämpfer der Freien Syrischen Armee berichten von “kaum Gegenwehr”.

► Die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw schreibt derweil von 1500 toten Kämpfern auf Seiten der YPG.

Das bedeutet die Eroberung für die Lage in Syrien:

Die “Operation Olivenzweig” steht somit wohl kurz vor dem Abschluss.

Internationalen Beobachtern zufolge sind die größten Gebiete der Region unter Kontrolle der von Rebellen gegründeten Nationalen Armee der syrischen Übergangsregierung. 

Ankara könnte nun zwei weitere Ziele in Syrien ins Visier nehmen. 

► Zum einen will Erdogan die türkische Kontrolle über die Schutzzone in der Region Idlib ausbauen. Hier üben radikale Gruppierungen wie Ahrar Al Sham, Jaish al Islam und Hayat Tahrir Al-Sham (HTS) weiter große Macht aus.

“Nach dem Ende der Operation in Afrin, wird es einen direkten Korridor von Dscharablus bis nach Idlib geben, wodurch von der Türkei ausgebildete FSA-Einheiten nach Idlib vordringen können um dort die Kräfteverhältnisse zu verschieben”sagt Syrien-Analyst Ömer Özkizilcik zuletzt der HuffPost.

Kommt es zur Konfrontation mit Washington?

Einem militärischer Konflikt will die türkische Regierung dabei wohl aus dem Weg gehen. “In der Zukunft erwartet die Türkei eine Operation gegen HTS, aber diese wird wahrscheinlich eher politisch und indirekt sein, als durch eine direkte militärische Konfrontation”, glaubt Özkizilcik.

► Zum anderen droht Erdogan, im Osten die kurdisch kontrollierte Stadt Manbidsch anzugreifen.

Diese hatten kurdische Kämpfer im August 2017 unter Unterstützung der USA vom IS erobert. Amerikanische Truppen sind weiter in der Region aktiv.