POLITIK
11/09/2018 19:58 CEST | Aktualisiert 11/09/2018 20:55 CEST

Erdogan droht Europa: Eine Karte zeigt, was er meint

Experten bestätigen: Die Lage ist brandgefährlich.

Getty / Screenshot
  • Die Türkei warnt Europa: Die Offensive der syrischen Regierung in Idlib wird viele Menschen vertreiben.
  • Mit einer Karte zeigt eine Zeitung: wohl auch nach Europa.

Die Türkei steht ziemlich alleine da – nun auch in Syrien.

Nachdem zuletzt vor allem die diplomatische Krise mit den USA die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Bedrängnis gebracht hatte, hat sich das Blatt nun auch im türkischen Nachbarland gegen Ankara gewendet.

Da eine Einigung mit dem Iran und Russland über das weitere Vorgehen am vergangenen Freitag scheiterte, hat die Assad-Regierung mit ihren Verbündeten eine Großoffensive in der Region Idlib gestartet.

In Idlib – der letzten verblieben Rebellen-Hochburg – hält die Türkei 12 wichtige Stützpunkte, sie ist mit verschiedenen gemäßigten Gruppen in der Region verbündet.

Syrien und Russland wollen nach eigenen Angaben “Terroristen” bekämpfen.

In der Region ist die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die sich früher Al-Nusra-Front nannte, sehr stark.

Eine Rückeroberung der Territorien würde aber auch das Ende des territorialen türkischen Einflusses in Syrien bedeuten.

Erdogan ist alarmiert – und ging am Dienstag einen ungewöhnlichen Schritt.

Zeitungen drucken Karte als Drohung

Er veröffentlichte einen Gastbeitrag in der US-Zeitung “Wall Street Journal”.

Darin schriebt Erdogan: “Wenn die internationale Gemeinschaft, einschließlich Europa und den USA es versäumt, jetzt etwas zu unternehmen, werden nicht nur unschuldige Syrer, sondern die gesamte Welt den Preis zahlen”.

Die Erdogan-nahen Medien illustrieren indes, was der Präsident damit meinen könnte. Sie senden eine direkte Warnung an Europa – in Form einer Karte. 

Die türkische Zeitung “Daily Sabah” veröffentlichte so etwa eine Illustration, auf der die mutmaßlichen Flüchtlingsströme aus Idlib nach Europa skizziert sind.

Die Botschaft: Lasst ihr die syrischen Rebellen allein, droht euch eine neue Migrationswelle nach Europa. Auch nach Deutschland führen viele Pfeile auf der Grafik.

Erdogan weiß: Es ist eine Drohung, die durchaus Gewicht hat. Immerhin hat das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei maßgeblich zur Begrenzung der Flüchtlingszuwanderung auf den Kontinent beigetragen. 

Tatsächlich sind wegen der heftigen Kämpfe im Nordwesten Syriens in den vergangenen Tagen bereits 30.000 Menschen neu vertrieben worden. Viele Menschen seien ums Leben gekommen, berichtete am Dienstag der Syrien-Koordinator des UN-Nothilfebüros (Ocha), Panos Moumtzis.

Experten warnen sogar: Bis zu 800.000 Menschen könnten insgesamt fliehen.