POLITIK
12/06/2018 19:12 CEST | Aktualisiert 13/06/2018 12:47 CEST

Erdogan gibt mit "Spiegel"-Cover an – er hat es offenbar nicht verstanden

Auch die Staatspresse jubelt.

getty / spiegel
Erdogan und das Spiegel-Cover. 
  • Der türkische Präsident Erdogan hat bei einer Wahlveranstaltung das aktuelle Titelbild des “Spiegels” kommentiert.
  • Ob er das Cover allerdings verstanden hat, ist fraglich. 

Beim “Spiegel” haben sie wohl sehr gestaunt. 

Am Dienstag berichtete das Nachrichtenmagazin in seinem Morgen-Newsletter über einen überraschenden Leser der aktuellen Ausgabe: den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

► Der hatte bei einem Wahlkampf-Auftritt am Sonntag das aktuelle Titelbild des “Spiegels” kommentiert.

Es zeigt ihn in der Gesellschaft von Russlands Präsident Wladimir Putin, US-Präsident Donald Trump und des chinesischen Machthabers Xi Jinping.

“Gott sei Dank!”

Der “Spiegel” zitiert Erdogan bei seiner Rede mit den Worten: “Sie haben mich als einen von vier Führern bezeichnet, die die Zukunft prägen. Gott sei Dank!”

► Die Botschaft des Titelbildes ist ihm offensichtlich entgangen. Dort steht nämlich noch: “Ich bin das Volk. Das Zeitalter der Autokraten.” 

Dass Autokrat nicht unbedingt ein Kompliment für ein Staatsoberhaupt ist, muss nicht erklärt werden. 

Auch der Staatspresse gefällt der Titel

Doch auch die Erdogan-nahe Presse in der Türkei fand das Titelbild grandios. Die Zeitung “Takvim” verkündete sogar stolz: "Merkel hat es nicht aufs Titelblatt geschafft, aber Erdogan schon.”

“Man kann es sich nicht ausdenken”, kommentiert der Türkei-Korrespondent der BBC, Mark Lowen, treffend.

Die Türkei wählt am 24. Juni ein neues Parlament. Sollte Erdogan die absolute Mehrheit erreichen, will er den Staat weiter umbauen – und seine Macht zementieren. 

Der türkische Präsident will sein Land also in eine autokratische Zukunft mit unfreier Presse, einer unterdrückten kurdischen Minderheit und einer forcierten Rückbesinnung der Türkei auf streng islamische Werte führen.

In diesem Sinne liegt Erdogan mit seinen Worten über das “Spiegel”-Cover gar nicht einmal so falsch. 

(mkl)