POLITIK
14/05/2018 11:52 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 16:39 CEST

Erdogan-Eklat: Özil und Gündogan treffen Präsidenten der Türkei

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Die deutschen Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil haben sich in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen. 

Dessen Partei AKP verbreitete auf Twitter Bilder des Treffens, das hinter verschlossenen Türen im Four Seasons Hotel stattfand. Die Spieler überreichten Erdogan Trikots mit ihren Namen – auf dem von Gündogan steht sogar: “Mit großem Respekt für meinen Präsidenten!”

Das Treffen ist politisch brisant. Erdogan hat in der Türkei die Macht an sich gerissen, unterdrückt und verhaftet Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten.

► Nun lassen sich mit Özil und Gündogan zwei prominente Persönlichkeiten der Bundesrepublik für den Wahlkampf des türkischen Präsidenten instrumentalisieren. 

► DFB-Präsident Reinhard Grindel kritisierte die beiden Fußballer deswegen auf Twitter mit deutlichen Worten. Özil und Gündogan hätten sich für Erdogans Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen: “Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.”

Mehr zum Thema: DFB-Präsident kritisiert Özils und Gündogans Erdogan-Treffen

Darum ist das Treffen mit Özil und Gündogan ein Erfolg für Erdogan: 

Am 24. Juni lässt Erdogan in der Türkei vorgezogene Neuwahlen abhalten. Ziel des Präsidenten ist es, seine Macht in dem Land endgültig zu zementieren und die Opposition zu brechen. 

Dabei sollen Erdogan auch die Stimmen der etwa 1,5 Millionen wahlberechtigten Deutschtürken in der Bundesrepublik helfen. Für viele sind prominente Sportler wie Gündogan und Özil hier klare Identifikationsfiguren. 

► Dass sich Erdogan nun mit den beliebten Nationalspielern zeigt, ist also ein gelungener PR-Schachzug des zunehmend autokratisch regierenden Präsidenten der Türkei. 

Das müsst ihr noch über die politische Gesinnung von Özil und Gündogan wissen: 

Der Fußball in Deutschland gibt sich apolitisch – das gilt besonders für den Deutschen Fußball Verband (DFB) und die deutsche Nationalmannschaft.

Funktionäre wie Spieler vermeiden es, sich klar politisch zu positionieren – so etwa auch zu der anstehenden Fußball-WM im Land des russischen Autokraten Wladimir Putin.  

► Özil hatte sich bereits im vergangenen Jahr in einem Interview zu Erdogan und der politischen Lage in der Türkei geäußert – allerdings sehr verhalten: “Ich habe sowohl Merkel als auch Erdogan schon treffen dürfen. Aber ich bin kein Politiker, sondern Sportler. Daher will ich mich dazu nicht einmischen.” 

► Auch Gündogan hatte sich in der Vergangenheit nicht besonders offensiv zu politischen Themen geäußert.

Seiner öffentlichen Wirkung auch in der Türkei ist sich der Spieler aber bewusst. Schon 2013 sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” über Begegnungen in der Türkei: “Da gab es sehr viele Menschen, die sagten: Auch wenn du für Deutschland spielst, wir sind stolz auf dich.”

(ll)