WIRTSCHAFT
12/03/2018 13:33 CET | Aktualisiert 12/03/2018 13:39 CET

Eon und RWE teilen Geschäft neu auf – was das für Verbraucher bedeutet

Auf den Punkt.

AndreyPopov via Getty Images

Die Energie-Konzerne Eon und RWE haben die Wirtschaft mit ihrer Ankündigung überrascht: Die beiden Unternehmen wollen ihre Geschäfte untereinander aufteilen.

Die Auswirkungen auf den Wettbewerb auf dem Strommarkt und die Auswirkungen für Verbraucher sind noch Spekulation. Wir liefern einen ersten Überblick, was der Deal für Folgen haben könnte – und bringen den Megadeal von Eon und RWE auf den Punkt.

Auf was sich Eon und RWE geeinigt haben:

Eon will in einem ersten Schritt die Ökostrom- und Netztochter Innogy von RWE kaufen: Das Geschäft teilen die beiden Energie-Riesen dann untereinander auf. Eon übernimmt das lukrative Netzgeschäft von Innogy, RWE versammelt unter seinem Dach die erneuerbaren Energien, auch von Eon.

Aber das war noch nicht alles: RWE soll für den Verkauf von Innogy eine Beteiligung an Eon in Höhe von knapp 16,7 Prozent erhalten – und wäre damit größter Einzelaktionär von Eon.

Das Ergebnis der Neuordnung: Eon wäre ein Konzern, der sich ganz auf die Energienetze und das Endkundengeschäft konzentriert. RWE konzentriert sich auf die Energieerzeugung.

Wie Politiker und Experten auf den Deal reagierten:

 NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßt die Pläne: Die Aufteilung der Unternehmen könne “eine sehr innovative Entscheidung” sein. Damit gebe es auch im internationalen Wettbewerb zwei leistungsstarke Unternehmen, sagte er der “Rheinischen Post” am Montag. 

► Auch die geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat sich im Grundsatz positiv zu den Plänen geäußert. Eine Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder könne notwendige Investitionen bei Erzeugung und Verteilnetzen befördern. 

 Noch muss die Kartellbehörde den Deal genehmigen – ein Wettbewerbsexperte sieht dabei jedoch kein Problem. Der “Rheinischen Post” sagte Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, die Netze unterstünden ohnehin der Regulierung durch die Bundesnetzagentur oder Landesbehörden. Dabei sei es völlig egal, ob Innogy oder Eon die Eigentümer seien.

 Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW21 und einflussreicher Aktionäre bei RWE, sieht die Zerschlagung skeptisch. Vor zwei Jahren sei Innogy erst geschaffen worden. “Jetzt soll es schon wieder zerschlagen werden. Der Grund erschließt sich mir nicht”, sagte Pehlke dem “Handelsblatt”. “Und ich mache mir Sorgen um die Standorte und Mitarbeiter.”

 Wirtschaftsjournalist Jürgen Döschner kritisiert den Deal. In einem Kommentar der “Tagesschau” spricht Döschner von einem hektischen und planlosen Hütchenspiel. Mit der Gründung von Innogy habe sich der Kohle- und Atom-Riese RWE für die Zukunft aufstellen wollen. “Aber nun stellt sich heraus: Die Rechnung geht nicht auf.”

Was der Deal für Menschen in Deutschland bedeutet:

► Innogy hat sich bisher nicht zu den Plänen geäußert. Unter den mehr als 40.000 Mitarbeitern herrsche allerdings die Sorge, dass es in Folge der Übernahme zu einem Jobabbau kommen könnte, berichtet “Spiegel Online”.

 Verbraucherschützer hoffen auf sinkende Preise. Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, bedeute zwar eine traurige Nachricht für den Kunden, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, dem “Handelsblatt”. “Innogy ist aber ein eher teurer Grundversorger. Darum ist zu hoffen, dass Eon die Strompreise senken wird.”

 Auch die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet keine höheren Preise. “Die Befürchtung teile ich nicht unmittelbar, da die Konzentration von potentieller Marktmacht in erster Linie durch Eon und den Zukauf der Netze entstehen kann”, sagte sie dem “Handelsblatt”.

 Am deutschen Aktienmarkt sorgte die Ankündigung des Deals für Begeisterung. Der Kurs von Innogy stieg um 13 Prozent auf 39,15 Euro. RWE gewann mit 8 Prozent ebenso stark hinzu, bei Eon waren es 5,4 Prozent. 

(ben)