WIRTSCHAFT
02/04/2018 11:50 CEST | Aktualisiert 02/04/2018 12:02 CEST

Warum die Bahn-Reform zum wohl größten Test für Macron wird

Auf den Punkt gebracht.

AFP Contributor via Getty Images
Macron (Mitte) spricht mit dem Chef der SNCF, Guillaume Pepy (links).

Frankreich steht vor einer massiven Streikwelle: Am Dienstag will die Mehrheit der Mitarbeiter der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF die Arbeit einstellen.

77 Prozent der Lokführer wollen dann ihre Arbeit niederlegen, nur zwölf Prozent der geplanten Fernzüge und nur jeder fünfte Regionalzug werden fahren. 

Grund für den Streik ist eine Reform der Bahngesellschaft auf Initiative der französischen Regierung. Die Kraftprobe zwischen SNCF, Gewerkschaften und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnte sich wochen- oder sogar monatelang hinziehen.

Der Konflikt um die französische Bahnreform – auf den Punkt gebracht.

Was Macron ändern will:

► Die wirtschaftlichen Zahlen der SNCF zeigen: Die Bahn in Frankreich braucht eine Reform.

► Zwar konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr seinen Gewinn auf gut 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Aber: Der Schuldenberg ist mit 46,6 Milliarden Euro nach wie vor zu groß.

► Die französische Regierung will den beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten abschaffen. Lokführer der SNCF gehen derzeit etwa im Schnitt mit 54 Jahren in Ruhestand.

► Mit dem Umbau des Unternehmens hat die Regierung auch in Aussicht gestellt, einen Teil der Schulden zu übernehmen. 

Warum der Protest für Macron brisant ist:

► 74.000 Beschäftigte hat die SNCF, jeden Tag transportieren die Züge der französischen Bahn etwa fünf Millionen Menschen. Die Protestwelle könnte bis Ende Juni dauern, gestreikt werden soll im Wechsel – zwei Tage Arbeitsniederlegung und drei Tage Betrieb.

► Brisant ist der Streik für die Regierung und Präsident Macron, weil die vier größten Gewerkschaften Frankreichs zusammen gegen die Reform protestieren wollen.

► Bei der umstrittenen Liberalisierung des Arbeitsrechts hatte Macron eine einheitliche Protestfront der Gewerkschaften noch verhindert, indem er einzeln mit den Gewerkschaften verhandelt und ihnen Angebote gemacht hatte.

► “Eine große Mobilisierung würde den Gewerkschaften Schwung geben für ihr Duell mit der Regierung und könnte sie stärken, ihre Position in den nächsten Monaten zu vertreten”, sagte Antionio Barroso, Direktor des Thinktanks Europe at Teneo Intelligence der Nachrichtenagentur Bloomberg.

► Die französische Regierung plant noch weitere umstrittene Reformen, etwa der Rente. Sollten die Gewerkschaften hier die Franzosen zu groß angelegten Demonstrationen mobilisieren können, könnte Macron am Ende doch noch mit seinen Vorhaben am Protest auf der Straße scheitern – wie mancher seiner glücklosen Vorgänger. 

Wie der Konflikt wohl ausgeht:

► Die französische Regierung setzt weiter auf Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Die Ausgestaltung der Reform sei noch nicht beendet, kritisierte Verkehrsministerin Elisabeth Borne.

► Sie geht davon aus, dass die Streiks eher auf Unverständnis in der Bevölkerung stoßen werden. “Die Franzosen haben keine Lust, drei Monate Schlamassel zu ertragen, der durch nichts gerechtfertigt ist”, sagte Borne der Zeitung “Le Parisien”.

► Laut einer Umfrage des Instituts Harris Interactive könnte sie recht behalten: Nur 34 Prozent der Franzosen unterstützen die Streiks, 65 Prozent sehen die vorgeschlagene Reform positiv.  

Auf den Punkt gebracht:

Die französische Regierung hat mit ihrem Reformplan eine massive Streikwelle ausgelöst. Der Widerstand der Gewerkschaften könnte weitere Vorhaben der Regierung deutlich erschweren.

Allerdings wissen Macron und sein Team die Unterstützung der Bevölkerung vorerst auf ihrer Seite.