POLITIK
25/03/2018 11:09 CEST | Aktualisiert 25/03/2018 13:52 CEST

Der emotionale Auftritt von Emma Gonzalez bei den Anti-Waffen-Protesten

Auf den Punkt gebracht.

Ihre Schweigeminuten waren genauso mächtig wie ihre Worte.

► Nach 6 Minuten und 20 Sekunden beendete Emma Gonzalez ihr Schweigen während ihrer Rede auf einem Protestmarsch gegen Waffengewalt in den USA.

► 6 Minuten und 20 Sekunden – so lange dauerte auch das Schulmassaker in Parkland in Florida. 17 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Todesschüsse waren der Beginn eines historischen Protestes gegen Schusswaffen, der am Wochenende mit mehr als einer Million Teilnehmern seinen bisherigen Höhepunkt fand.

Zur Symbolfigur der Bewegung ist die 18-jährige Gonzalez geworden, die das Massaker in Florida überlebte. Sie machte mit ihrem Auftritt deutlich: Die junge Generation lässt sich nicht so einfach aufhalten.

Ihre Rede vom Samstag rührte hunderttausende Teilnehmer – zum großen Teil Schüler und Lehrer – zu Tränen.

Die Rede auf den Punkt gebracht:

Was die bewegendsten Aussagen der Rede waren

“In wenig mehr als sechs Minuten sind uns 17 unserer Freunde genommen worden und jeder, absolut jeder, wurde für immer verändert”, sagte Gonzalez zu Beginn ihrer Rede.

“Für uns waren es lange, tränenreiche, chaotische Stunden in der sengenden Mittagshitze”, sagte sie. Und weiter:

“Niemand konnte das Ausmaß erahnen. Niemand konnte glauben, dass in diesem Gebäude Leichen lagen, deren Identifizierung einen Tag lang dauerte. Niemand wusste, dass Vermisste aufhörten, zu atmen, lange bevor der Notruf ausgelöst wurde. Niemand konnte die verheerenden Folgen vorhersagen. Für diejenigen, die die Folgen immer noch nicht verstehen, weil sie sich weigern, sage ich, wo sie hinführen: Direkt unter die Erde, sechs Fuß tief.”

► Danach listete sie Opfer auf – 14 Schüler, drei Lehrer – und sagte, was diese nicht mehr erleben werden.

Die quälenden Schweigeminuten

Nach ihren Worten wischte sie ihre Tränen aus dem Gesicht und schwieg minutenlang. 

► Einige Zuhörer klatschten, andere riefen “Wir lieben dich Emma”, wieder andere blieben ebenfalls unter Tränen stumm. Quälende Minuten, in denen Gonzalez stolz vor dem Mikro verharrt.

► Dann ertönte ein Piepzeichen – es seien jetzt genau 6 Minuten und 20 Sekunden vergangen, seit sie auf die Bühne gegangen sei, sagte die 18-Jährige.

“Der Schütze hat aufgehört, zu schießen und wird bald sein Gewehr loswerden, um sich unter die Schüler zu mischen, eine Stunde frei herumzulaufen und dann verhaftet zu werden.” 

Ihre Rede beendete sie mit den Worten: “Kämpft für euer Leben, bevor das der Job von irgendjemand anderem wird!”

Welche Reaktionen es auf die Rede gab

In den sozialen Netzwerken gab es tausende Reaktionen auf Gonzalez Rede.

► Der ARD-Hauptstadtkorrespondent Arne Henze schrieb auf Twitter:

“Ich habe in meinem Leben schon viele tausend Reden gehört oder gelesen – aber ich bin sicher: eine solche hat die Welt noch nicht gehört! Wenn Schweigen zum Himmel schreit.”

► Claudia Buckenmaier, Korrespondentin der Tagesthemen in Washington, schrieb in dem sozialen Netzwerk: 

“Die minutenlang schweigende Emma González, nachdem sie erzählt hat, was ihre Freunde alles nie mehr machen können. Ein extrem starker und für viele sichtlich verunsichernder Moment. Die Zeit, in der die Freunde getötet würden.” 

Auf den Punkt gebracht

Politik in den USA – das ist mehr als das tägliche Gruselkabinett im Weißen Haus. Gonzalez sprach an diesem Wochenende aus, was sich ein großer Teil der Jugendlichen in den USA denken.

► Rhetorik und Emotion lassen keinen Zweifel daran: Diese jungen Leute haben einen festen Willen. Ein Umdenken beim Umgang mit Schusswaffen muss her. Es zeugt von einer ungewöhnlichen Zähigkeit im von rasend schnell wechselnden Nachrichtenzyklen geprägten Amerika, dass sich die Bewegung über eine lange Zeit Gehör bei einer breiten Öffentlichkeit verschaffen konnte. 

Gonzalez ist so nicht nur zu einem Sprachrohr der Anti-Waffen-Bewegung geworden, sondern zur Symbolfigur der jungen Generation in Amerika, die sich gerade eine politische Stimme verschafft. Viele davon sind am Samstag vermutlich das erste Mal auf die Straße gegangen. Sie werden an diesen Tag zurückdenken, wenn sie bei den Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren das erste Mal ihr Kreuz setzen.

(lm)