LIFE
05/09/2018 13:44 CEST

Toxische Männlichkeit: Krankenschwester rügt Eltern in Facebook-Post

“Hört auf, Jungs zu sagen, dass sie keine echten Jungs sind, wenn sie Gefühle zeigen”

SeventyFour via Getty Images
“Toxische Männlichkeit schadet Frauen und Männern. Man sollte darüber mehr sprechen. Vor allem mit kleinen Jungen.” (Symbolbild)
  • Eine Krankenschwester aus den USA hat sich in einem Facebook-Post gegen veraltete Männlichkeitsvorstellungen gewandt. 
  • Ihre Ansprache wurde über 100.000 Mal geteilt.

“Es macht mich krank, wie in unserer Kultur mit Jungen umgegangen wird”, schrieb eine Krankenschwester aus den USA unter dem Pseudonym “Lyra Balearica” auf Facebook

Einem elfjährigen Jungen sollte in ihrer Praxis Blut genommen werden. Doch das Verhalten seiner Aufsichtsperson erschütterte die Krankenschwester so sehr, dass sie sich in einem emotionalen Facebook-Post Luft machte.

“Sei ein Mann”

Er weinte. Ohne zu brüllen oder eine Szene zu machen. Nur ein paar Angsttränen”, schrieb “Lyra Balearica”. 

Doch seine Aufsichtsperson habe kein Mitleid gehabt: “Sei ein Mann” und “hör auf, Fragen zu stellen wie eine Memme”, habe sie dem Jungen gesagt.

Dann habe die Aufpasserin dem Jungen gedroht, ihn zu filmen und die Aufnahme seinen Freunden zu zeigen. “Dann hat er noch mehr geweint.”

Die Krankenschwester griff ein: “Ich habe ihr gesagt, dass wir ein strenges Foto- und Video-Verbot haben. Sie wurde wütend, weil ich ’ihren Witz kaputt gemacht’ habe.”

Auch erwachsene Männer haben Angst vor Nadeln

Als die Frau auf die Toilette ging, tröstete die Krankenschwester den Jungen: 

“Ich sagte dem Kind, dass es in Ordnung ist, Gefühle zu zeigen und dass auch erwachsene Männer Angst vor Nadeln haben. Dass jeder vor irgendwas Angst hat und dass er tapfer ist, weil er es macht, obwohl er Angst hat.”

Nach diesem schrecklichen Ereignis richtet sich die Krankenschwester nun an alle Eltern:

“Hört auf, Jungs zu sagen, dass sie keine echten Jungs sind, wenn sie Gefühle zeigen.”

Frauen müssten gewalttätige Männer fürchten, weil Jungen und Männer mit solchen Aktionen lernen würden, ihre Gefühle zu unterdrücken. 

“Weinen heißt nicht, dass man schwach ist. Angst heißt nicht, dass man schwach ist. Aber ein Kind für diese Sachen zu schimpfen, macht dich zu einem verdammt schwachen Erwachsenen.”

Der emotionale Facebook-Beitrag traf einen Nerv: Er wurde bisher allein auf Facebook knapp 130.000 Mal gelikt und 115.000 Mal geteilt

Mehr zum Thema: Was mit der Seele von Kindern passiert, die angeschrien werden

Zahlreiche weitere Nutzer machten in der Kommentar-Spalte ihrem Ärger Luft:

“Uff, verfluchte toxische Männlichkeit! Dieser Mist richtet so verdammt viel Schaden an und es dauert Jahre, sich das wieder abzugewöhnen”, schreibt ein Nutzer. 

“Jungen, die ihre Gefühle zeigen, werden verhöhnt”

Der Beitrag verbreitete sich auch auf anderen Social-Media-Plattformen, wie Instagram und Imgur. Auf der sozialen Foto-Plattform Imgur wurde ein Screenshots des Beitrags knapp 140.000 mal angeklickt. 790 Imgur-Nutzer kommentierten diesen.

Der meist beachtete Kommentar erhielt über 2300 “Likes” bei Imgur.

Darin machte der Nutzer auf eine Heuchelei aufmerksam: “Die Gesellschaft verhöhnt Jungen, wenn sie Gefühle zeigen und wird wütend auf Männer, die nicht mit ihren Gefühlen umgehen können.”

Andere Nutzer teilten ähnliche, persönliche Geschichten aus ihrem Umfeld: “Der neue Freund meiner Schwester schreit seinen Sohn an: ‘Sei verdammt noch mal ein Mann! Hast du so früh schon deine Tage?!’ Der Junge ist fünf Jahre alt.”

Ein weiterer Kommentator sei Lehrer und erzählte: “Jungs weinen mehr als Mädchen. Ich schwöre, es liegt daran, dass man es ihnen verbietet und sie nicht wissen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen. Das macht sie kaputt.

“Ich habe einmal einen Jungen aus einem Unfall-Auto gerettet und er hat mich gebeten, seinem Vater nicht zu sagen, dass er geweint hat. Dabei hatte der Junge gerade ein traumatisches Erlebnis hinter sich”, erzählte ein anderer.

Ein User fasste den ursprünglichen Post der Krankenschwester mit einem passenden Resümee zusammen: “Toxische Männlichkeit schadet Frauen und Männern. Man sollte darüber mehr sprechen.”

(nc)