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02/10/2018 17:14 CEST | Aktualisiert 02/10/2018 17:14 CEST

Eltern: Ich bin zu der Mutter geworden, die ich nie sein wollte

"Ich begriff, dass meine Kinder Angst vor mir hatten."

KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Letzte Woche bin ich eingeknickt. Und ich habe viel geweint. (Symbolbild)

Vergangene Woche war sehr anstrengend. Aber sie hat mir auch bewiesen, was ich wirklich will. 

Überall wird uns Müttern gezeigt, wir müssten alles im Griff haben – sei es im Fernsehen, in Magazinen, im Internet oder in den sozialen Netzwerken. Und dieses Bild setzt uns ungemein unter Druck. 

Denn schließlich wird unser Schuldgefühl nur noch schlimmer, wenn wir nicht alles perfekt meistern können. 

Letzte Woche bin ich eingeknickt. Und ich habe viel geweint. 

Ich hätte geschrien, gestöhnt, geschimpft

Meine Rolle als Mama, mein Job, meine Vereinstätigkeit, meine Näharbeit, mein Blog, mein Haus, die alltäglichen Aufgaben, der Haushalt, die Einkäufe – ich kann nicht mehr alles zur selben Zeit machen. Ich schaffe es nicht

Vor allem will ich nicht mehr ständig dieses erdrückende Gefühl spüren, das mir ständig vorschreibt “mach dies, mach das, reagiere so, sage das”. Und das dafür sorgt, dass ich mich beschissen fühle, wenn ich etwas vergesse oder meine To-Do-Liste nicht schnell genug abgearbeitet habe.

Gestern Abend hat “Mister E” (mein älterer Sohn, Anm. d. Red.) sich Zucker auf seine Erdbeeren schütten wollen – ja, ich weiß, es ist nicht mehr Erdbeersaison, aber das ist mir egal – und hat dabei so ziemlich die ganze Dose in seine Schüssel gekippt.

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Vor ein paar Tagen hätte ich mich noch furchtbar darüber geärgert, hätte geschrien, gestöhnt, über diese Verschwendung geschimpft. Ich wäre noch während des Nachtischs in die Küche gegangen und hätte nach etwas gesucht, das den Schaden hätte reparieren können.

Das Esse wäre zu einer Belastungsprobe für alle geworden und jeder hätte sich nur noch gewünscht, so schnell wie möglich den Tisch verlassen zu dürfen. 

Meine Kinder hatten Angst vor mir

Gestern Abend jedoch habe ich nur gelacht. Dabei konnte ich beobachten, wie  meine Kinder mich schweigend und mit großen runden Augen anstarrten – weil sie mit meiner Reaktion nicht gerechnet hatten.

In diesem stillen Moment begriff ich, dass meine Kinder Angst vor mir hatten, Angst vor meinen Reaktionen, die in letzter Zeit völlig außer Kontrolle waren. 

Ich habe kapiert, dass ich nicht mehr diejenige war, die ich für meine Kinder eigentlich sein wollte. Und all das nur, weil ich völlig gelähmt war von dem Druck, ständig perfekt sein zu wollen. Von dem Anspruch, alles auf die Sekunde genau hinzubekommen.  

►  Nein, man kann nicht alles richtig machen.

►  Ja, man hat das Recht, sich zu irren.

►  Nein, man kann nicht alles zu jeder Zeit und an jedem Ort vorhersagen und vorherbestimmen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich aufhören werde, alles tun zu wollen. Ich werde lediglich versuchen, nicht mehr alles zur selben Zeit erledigt haben zu wollen. 

Man kann Dinge verschieben, auf Morgen verlegen, Prioritäten setzen – und es wird mir egal sein, wenn am Ende des Tages nicht alles erledigt sein wird. Es entsteht sicherlich keine Gefahr dadurch und ich werde einfach am nächsten Tag weitermachen.

Tschüss zu meinem Kontroll-Freak-Ich

Dieser Beitrag mag etwas verwirrt erscheinen – aber genau das spiegelt meine Gefühle der letzten Wochen wieder, das völlige innere Chaos.

Ich bin mir bei keiner Sache ganz sicher, aber ich weiß, dass ich mein Verhalten ändern muss. Ansonsten werde ich unglücklich und immer kurz vorm Heulen sein, weil ich nicht alles schaffen kann. 

Pech für meine To-Do-Liste, sie wird halt länger werden und sie wird sich daran gewöhnen müssen.

Ich habe schon jetzt einen guten Vorsatz fürs neue Jahr: Ich hoffe, dass es mir mein Leben ein bisschen leichter machen und dass es mir ein bisschen mehr Selbstvertrauen schenken wird – welches in meinem ganzen Perfektionismus verloren gegangen ist. 

► Tschüss zu meinem Kontroll-Freak-Ich, Hallo zum Unerwarteten.

Pech, wenn der Kühlschrank um 19:15 Uhr leer ist, die Geburtstagsgeschenke für Freunde nicht ein halbes Jahr früher besorgt werden konnten, die Zimmer am Sonntagabend noch immer unaufgeräumt sind, das Haus ein Saustall ist oder das Geschirr in der Abtropfschale steht.

Es wird ein langer Weg sein, bis ich völlig entspannt mit diesen Dingen umgehen kann, aber ich will diesen Weg gehen. 

Dieser Text erschien ursprünglich in der französischen Ausgabe der HuffPost und wurde übersetzt von Nadine Cibu.

(ak)