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31/08/2018 20:28 CEST | Aktualisiert 31/08/2018 20:30 CEST

Vater: Diese 8 Lektionen habe ich im Sommer-Urlaub mit meinen Kindern gelernt

Ihr werdet sie nächstes Jahr brauchen.

Geber86 via Getty Images
Macht für eure Rückkehr einen Termin beim Osteopathen aus.  

Das war’s, die Ferien sind aus.

Ich konnte vier komplette Wochen mit meinen beiden 21 Monate alten Zwillingen verbringen.

Vier Wochen in den verschiedensten Konstellationen: Zu viert, mit Freunden, mit der Familie und das alles an verschiedenen Orten. In den vier Wochen, in denen ich den ganzen Tag mit meinen Kindern zusammen war, habe ich viel gelernt.

In meinem Sommerurlaub als Papa habe ich hier acht Lektionen gelernt, die auch euch in den nächsten Ferien mit euren Kindern helfen könnten.

1. Viel gute Laune, viel Müdigkeit

In den vier Wochen mit meinen Zwillingen hatte ich viel Zeit. Mit knapp zwei Jahren sind die beiden in einer Art Übergangsalter: Keine wirklichen Babys mehr und auch noch nicht komplett unabhängig. Sie auf einen Spielteppich zu setzen, reicht also nicht mehr, um sie glücklich zu machen. 

In diesem Alter können Kinder schon seit einigen Monaten laufen. Die ganze Welt ist ihr Erfahrungsfeld. Sie wundern sich über Nichtigkeiten und begeistern sich für alles Neue. Meine Tochter hat zum Beispiel eine Leidenschaft für Treppen. Also bin ich stundenlang mit ihr die Treppen vom Pool zur Terrasse hoch und runtergelaufen. 

Bei euch daheim habt ihr das ganze Haus abgesichert, damit eure Kinder sicher spielen können. Aber ein Ferienhaus, das euch nicht gehört, könnt ihr nicht einfach für ein paar Tage Urlaub zu einem Kindertempel umbauen. 

Einen Großteil meines Urlaubs habe ich also damit verbracht, ihr hinterherzurennen und ihr verschiedensten Versionen von “Nein” zu hinterherzurufen.

Zum Beispiel um sie daran zu hindern, den Mülleimer in der Küche abzuschlecken, Vasen umzuschmeißen, Möbel zu verrücken – kurz: das Haus in eine Minenfeld zu verwandeln. Ihr hinterherzulaufen war eine meiner obersten väterlichen Aufgaben im Urlaub.

Mehr zum Thema:  Sommerurlaub: 5 Tipps, wie ihr mit euren Kinder problemlos ans Meer fahrt

Aber in diesen vier Wochen gab es aber auch tonnenweise Glücksmomente

Ihr neue Geschmacksrichtungen zeigen (Hmmmm, Wassermelone!), ihr neue Wörter beibringen (“Hund”) und ihre Freude bei so vielen ersten Malen beobachten (der erste Waldspaziergang, der erste Besuch am Strand – halt, nein, dabei gab es Tränen –, die erste Karussell-Fahrt, das erste Mal mit ihrer Cousine spielen und so weiter).

► Urlaube mit Kleinkindern sind sind voll von der Magie der ersten Male. Und unglaublich ermüdend für ihre Eltern, die die energetischen Kleinen bei ihrer Erkundung der Welt begleiten.

2. Rückenschmerzen

Obwohl ich kein großer Sportler bin, bin ich für einen 38-jährigen Vater recht gut in Form. Trotzdem habe ich mich nach zwei Wochen mit den Kindern von einem Ferienpapa in einen 75-Jährigen verwandelt, der jeden Mittag Rückenschmerzen bekommt.

28 Tage lang nacheinander mehrmals ihre zehn und zwölf Kilogramm zu tragen und 350 Mal ihre Windeln zu wechseln (ja, ich habe es gezählt), 30 Mal täglich einen Ball oder Legos aufsammeln, das hinterlässt Spuren.

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3. Habt Geduld

Mit knapp zwei Jahren und weit weg vom Alltag ist alles eine spannende Neuheit für Kleinkinder. Jeder neue Urlaubsort ist eine neue Welt, die erkundet werden will. Und es gibt so viel Neues zu entdecken, dass die Kinder innerhalb von Minuten vom einen zum anderen wechseln.

Andererseits ist es deshalb auch nicht nötig, tonnenweise Spielzeug im Koffer mitzuschleppen. Im Urlaub gibt es andere Spielzeuge.

Für Eltern bedeutet das, unerwartet viel Geduld aufbringen zu müssen. In diesem Alter haben Kinder in etwa die Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen und spielen alle drei Minuten etwas anderes.

Vergesst nicht, dass es sinnlos ist, ein Kleinkind zu etwas zu zwingen. Man muss die Planung an ihren Rhythmus anpassen und sich damit abfinden, dass ein geplanter Ausflug einfach ins Wasser fallen kann.

Ferienväter (und sicherlich auch Mütter) akzeptieren einfach, dass man bei einem Spaziergang nur fünf Minuten spazieren geht und 25 Minuten im Sitzen mit einem Stein spielt, dass der Ausflug zum Strand zu einem Ausflug unter einen Sonnenschirm und dass der Badegang im Pool zu einem Fußbad wird.

► Nichts davon soll euch ärgern. Es ist einfach ihr Alter. Atmet tief durch, nehmt es gelassen und sagt euch, dass nächsten Sommer alles anders wird – oder auch nicht!

4. Kinder gewöhnen sich an alles

Ob es ihre Umgebung oder ihre Mitmenschen sind, Kleinkinder gewöhnen sich an alles! Zumindest besser als Erwachsene. Ich bin überzeugt, dass das noch mehr der Fall ist, wenn man sie früh an solche Veränderungen gewöhnt.

Innerhalb von vier Wochen haben meine Kinder Zeit mit knapp fünfzig verschiedenen Menschen an vier verschiedenen Orten verbracht. Ich habe eine große Familie und viele Freunde. Und überall ging es ihnen gut. Und das ist für Ferienväter super praktisch

Vertraut euren Kindern und stresst euch nicht bei der Auswahl der Urlaubsorte. Mit der richtigen Betreuung fühlen sich Kinder überall wohl!

5. Freunde und Kinder vermischen

Mein Plan für diesen Sommer war eine Woche mit meiner Frau und den Kindern und drei Wochen mit Kindern und Freunden und befreundeten Familien. So langweilt man sich nie, es ist immer etwas los! Und außerdem habt ihr so immer eine gute Seele mit einer helfenden Hand in der Nähe.

Aber das ist ja nicht die einzige Aufgabe der Freunde. Sie wollen sich ja auch erholen. Glaubt bloß nicht, sie werden euch als Eltern vertreten.

Außerdem müsst ihr akzeptieren, dass eure Ferien vor allem die Ferien eurer Kinder sind! Nehmt euren Aperitif trotzdem ein und gönnt euch täglich eine halbe Stunde am Pool, ohne eure Freunde zu beneiden, die das sechs Stunden täglich machen!.

Und trainiert, Gespräche auf Wortfetzen aufzubauen, die ihr aufschnappt, während ihr euren geliebten Kindern hinterlauft. 

Mit Kindern und Freunden und befreundeten Familien in den Urlaub zu fahren, hat den Vorteil willkommener Hilfe. Aber nur dann, wenn ihr akzeptiert, dass eure Ferien als Vater nichts mit denen eurer Freunde unter dem gleichen Dach gemeinsam haben. Zumindest wenn diese nicht auch Kinder haben. 

6. Im Urlaub mit Kindern Bücher lesen? Dass ich nicht lache!

Ich liebe es, im Urlaub zu lesen. Aber das war mal. Erwartet nicht, im Urlaub mit Kindern mehr als ein paar Seiten am Tag zu lesen.

Mein Tipp: Es erfordert zwar eine gewisse Konzentration, nicht den Faden eures Buches zu verlieren, aber habt immer ein offenes Buch in eurer Nähe, in das ihr ab zu hineinschauen könnt.

Es ist kein Riesenvorteil, ich weiß, aber es ist die beste Methode, die ich kenne. 

► Packt nur ein (okay, zwei maximal, aber nicht zu viele Seiten dann!) einziges Buch ein.

7. Gönnt euch Erholung

Ferien mit Kindern sind toll, aber versucht euch selbst nicht zu vernachlässigen! Ein anstrengendes Jahr erwartete euch. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, schont euch.

Ich habe es geschafft, mich für zwei Tage zurückzuziehen. Mit mir selbst alleine zu sein, hat mir total gut getan! Ob es nur ein paar Stunden sind, ein ganzer Tag oder etwas weniger; denkt daran, dass ihr nicht ausschließlich Eltern seid und dass es auch wichtig ist, manchmal an sich selbst zu denken. Das gilt auch für Ferienväter.

► Wenn man sich zumindest ein wenig Zeit für sich selbst nimmt, haben auch die Kinder mehr Spaß.

8. Die Liebe ist die Grundlage des Lebens

Wenn die Kinder im Bett sind, könnt ihr endlich Zeit mit euren Freunden und eurer Familie verbringen. Ich hatte das Glück, dass meine Zwillinge, seit sie vier Monate alt waren, sofort und ohne Unterbrechung zwölf Stunden täglich geschlafen haben.

Mit Hilfe von ein paar Gläsern Rosé oder Mojito schweifen die abendlichen Gespräche der Erwachsenen schnell in persönliche und intime Gefilde ab. Wieder einmal konnte ich aufs Neue sehen, dass jeder Erwachsene sein Päckchen zu tragen, seine Bedürfnisse und seine Fehler hat.

Als sich die Gespräche weiter vertieften, konnte ich feststellen, dass die emotionalen Probleme von Erwachsenen häufig mit der Kindheit und sehr häufig mit einem Mangel an Liebe (zum Beispiel in Form eines Mangels an Zuneigung oder Präsenz) zu tun haben. Das hat mir wieder einmal gezeigt, dass Liebe entscheidend dafür ist, dass ein Kind gut aufwächst und zu einem gelassenen und starken Erwachsenen wird.

Neben der Erfüllung der körperlichen Bedürfnisse und einer guten Ausbildung ist bedingungslose, starke Liebe das Wichtigste, was Eltern ihren Kindern geben können.

Liebt, liebt, liebt eure Kinder innigst und intensivst! Lasst uns durch unsere Anwesenheit, Zeit und Worte unsere Kinder lieben!

Verbringt “echte” Zeit mit ihnen, auch wenn es manchmal Kraft und Selbstlosigkeit kostet! Es liegt so viel Freude in den gemeinsam verbrachten Augenblicken, ihrem glücklichen Lächeln, ihren übermütigen Blicken und ihrem unschuldigen und reinen Lachen.

Danke an meine Kinder für alles, was ihr mir während dieser Ferien gezeigt habt. Ich liebe euch aus tiefstem Herzen!  

Dieser Blog-Artikel erschien zuerst in der französischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Moritz Diethelm aus dem Französischen übersetzt.

(ll)