POLITIK
17/07/2018 10:38 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 10:47 CEST

Eklat bei WM-Feier: Kroatiens Nationalteam feiert mit "Fascho-Rocker"

Rakitić, Modrić und Co. feiern mit Marko Perković alias “Thompson”.

DIMITAR DILKOFF via Getty Images
Kroatiens Nationalmannschaft singt die Nationalhymne bei der WM-Feier auf dem Ban-Jelačić-Platz in Zagreb.
  • Hunderttausende Fans haben Kroatiens WM-Team am Montag in Zagreb empfangen.
  • Dass auch ein ultra-nationalistischer Sänger mit dabei war, sorgt nun für Empörung – auch, weil der eigentlich gar nicht eingeladen war.

Sie haben sich bis ins Finale gekämpft. Argentinien deklassiert, Russland ausgeschaltet, England niedergerungen. Mit ihrem erfrischendem Spiel und ihrem Kampfgeist hat die kroatische Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-WM die Herzen vieler Fußballfans erobert.

Doch abseits des Fußballplatzes hat das Team mehrmals für nationalistische Eklats gesorgt – die auch nach dem Turnier nicht abreißen.

Mittendrin beim Empfang der Nationalmannschaft in Zagreb am Montag: Marko Perković alias “Thompson”. Dessen gleichnamige Band gilt als das Aushängeschild des kroatischen Rechtsrocks. Dass Kroatiens WM-Stars nun zusammen mit Perković feierten, empört viele Fans. 

Feiern mit dem “Fascho-Rocker”

Laut dem Publizisten und Journalisten Danijel Majic lassen sich bei den Texten von “Thompson” etliche rechtsnationale oder gar faschistische Bezüge erkennen, vor allem zur Ustascha-Bewegung, die im Zweiten Weltkrieg mit Nazi-Deutschland kollaborierte. Majic bezeichnet Perković deshalb als “Fascho-Rocker”.

Für Kroatiens Fußballer und den Verband kein Hindernis – im Gegenteil. Schon nach dem Sieg im Gruppenspiel gegen Argentinien sangen die Abwehrspieler Dejan Lovren und Sime Vrsaljko mit “Bojna Čavoglave” einen Klassiker von “Thompson”. 

Bei der Siegesfeier für den WM-Zweiten in Zagreb suchte Kroatiens Elf nun die Nähe von Perković. Denn der durfte mit dem Mannschaftsbus mitfahren, wie Fernsehbilder zeigen.

► Und ein Selfie von Mittelfeldspieler Ivan Rakitić. “Der König ist angekommen, der einzig wahre. Auf geht’s Kroatien”, kommentierte Rakitić das gemeinsame Foto mit dem pro-faschistischen Sänger. 

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Kroatiens Nationalspieler Ivan Rakitić mit Marko Perković, dem Sänger der Rechtsrockband Thompson.

Doch nicht alle Fans finden die offensichtliche Verbrüderung gut. So fragt eine Nutzerin Rakitić: “Nicht eine einzige Feier in Kroatien kann ohne den Mann (Perković, Anm. d. Red.) stattfinden. Schämst du dich nicht, dich mit ihm abzulichten?”

Ein anderer schreibt: “Einfach nur krank mit so einem Faschisten zu posieren und solche Kommentare zu verfassen.” Auch die kosovarische Journalistin Una Hajdari kritisierte die Nähe zwischen der Nationalmannschaft und Perković. Der Auftritt sei “irrwitzig unverantwortlich”.  

Oberste Bedingung: Perković muss singen

Aufnahmen des öffentlich-rechtlichen Senders HRT1 zeigen Perković auch mit Luka Modrić, der bei der WM als bester Spieler ausgezeichnet wurde.

► “Als wir das Finale erreichten und über einen Empfang in Zagreb sprachen, sagte ich, dass Marko (Perković) dort singen muss. Das war unsere erste Bedingung”, sagte Modrić laut der kroatischen Nachrichtenseite “Maxportal”.

Pikant: Eigentlich war Perković gar nicht eingeladen gewesen. Doch laut dem Manager von “Thompson” hätten sich Kroatiens Trainer Zlatko Dalić und eben Modrić für die Teilnahme des Sängers bei der Siegesfeier eingesetzt.

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Luka Modrić mit Marko Perković auf dem Bus der Nationalmannschaft.

“Kroatien ist nach rechts gewandert”

So kam es dann auch. Vor hunderttausenden Fans sang Perković mit der kroatischen Mannschaft auf Zagrebs zentralem Ban-Jelačić-Platz.

Aus Sicht von Nationalismusforscher Dario Brentin vom Zentrum für Südosteuropastudien an der Uni Graz zeigen die Aussagen und Gesten “eine ideologische Hegemonie des Nationalismus innerhalb des kroatischen Fußballs”, wie er dem deutschen Sender ntv schon vor dem Ende der WM sagte

Die Entwicklung überrascht kaum: “Die gesamte Mitte der kroatischen Gesellschaft ist nach rechts gewandert ist”, sagt Brentin.

Der Auftritt von Perković passt da sehr gut ins Bild – und ist zumindest bei vielen siegestrunkenen Kroaten kein Aufreger.