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30/07/2018 09:24 CEST | Aktualisiert 30/07/2018 11:00 CEST

Eisbär nach Attacke auf deutsche Crew erschossen – Tierschützer sind empört

"Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort:"

dpa
Eisbär nach Attacke auf deutsche Crew erschossen – die Reaktionen im Netz fallen heftig aus.
  • Am Samstag hat ein Eisbär ein Teammitglied eines Kreuzfahrtschiffes angegriffen – die anderen Crewmitglieder erschossen das Tier. 
  • Tierschützer und -liebhaber sind empört. 

Ein Eisbär hat auf Spitzbergen ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes “Bremen” angegriffen. Der Mann sei laut dem Veranstalter Hapag-Lloyd Cruises am Kopf verletzt worden. Er sei ansprechbar und außer Lebensgefahr.

► Andere Eisbärenwächter hätten den Eisbären “aus Gründen der Notwehr” erschossen. “Weitere Crewmitglieder und Passagiere sind vom Vorfall nicht betroffen”, sagte Veranstaltersprecherin Negar Etminan am Sonntag in Hamburg.

Der Mann war nach Angaben von Hapag-Lloyd Cruises am Samstag mit anderen Wächtern – aber ohne Touristen – an Land gegangen. Spitzbergen ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe.

Im Internet sorgte der Vorfall für empörte Reaktionen.

“Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort“ 

► Der britische Komiker Ricky Gervais schrieb auf Twitter: ”‘Lass uns einem Eisbär in seiner natürlichen Umgebung zu nahe kommen und und ihn dann töten, wenn er uns zu nahe kommt.’ Idioten.”

► Der Biologe Daniel Schneider twitterte: 

“Die Heimat dieses Eisbärs wurde von Touristen des Kreuzfahrtschiffs von Hapag-Lloyd Cruises überfallen. Er hat sich selbst und sein Zuhause verteidigt, einen ‘Eisbärenwächter’ leicht verletzt. Er wurde dann erschossen. Hier ein Gedanke: Warum beobachtet ihr die Bären nicht von Weitem und lasst sie in Ruhe?”

► Auch die Britin Bella Lack, Mitglied der britischen Tierschutzorganisation Born Free Foundation, teilte denselben Text auf Twitter. 

► “Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort“, schrieb ein Twitter-Nutzer

“Wo Eisbären die Wildnis regieren” 

Der Kreuzfahrtveranstalter Hapag-Lloyd Cruises wirbt für die Reisen nach Longyearbyen mit dem Versprechen, die Passagiere könnten dort “Arktis pur” erleben.

“Wo Eisbären die Wildnis regieren”, heißt es auf der Webseite, “bestimmt die Natur den Verlauf ereignisreicher Tage”. Eine zehntägige Reise mit der “Bremen”, die 160 Passagiere mitnehmen kann, kostet mindestens 5810 Euro. 

Die jeweils vier bis fünf Eisbärenwächter an Bord der Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises sollen dafür sorgen, dass Passagiere gefahrlos an Land gehen könnten, sagte Etminan. Sie seien speziell ausgebildet und bewaffnet. Der Vorfall vom Samstag sei geschehen, als die Wächter eine Landstation zur Absicherung eines Landgangs einrichten wollten. Die Passagiere würden Eisbären aber nicht von Land sondern von Bord des Schiffes beobachten.

Ole Jakob Malmo von der Polizei in Svalbard sagte, der Vorfall im nördlichsten Teil des Svalbard-Archipels werde untersucht. Der erschossene Bär solle in Longyearbyen obduziert werden. Die Behörden der Region warnen regelmäßig vor der Gefahr, die von Eisbären ausgeht.

Im Jahr 2015 verletzte ein Polarbär einen Tschechen, der dort eine totale Sonnenfinsternis beobachten wollte. Die letzte tödliche Attacke eines Eisbären geschah 2011, als ein britischer Student ums Leben kam.

Mit Material der dpa.

(lp)