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19/06/2018 23:34 CEST | Aktualisiert 04/07/2018 08:33 CEST

"Ich hatte Glück, zuerst die 'freundliche Seite' Deutschlands kennenzulernen"

Fahimeh Farsaie erzählt von ihrer Flucht aus dem Iran.

Fahimeh Farsaie ist mein Name und ich komme aus dem Land, das ständig für Schlagzeilen sorgt: aus dem Iran.

Weil ich mich als junge Journalistin und Schriftstellerin nach der Islamischen Revolution 1979 für die Demokratie und engagierte Literatur eingesetzt und diese auch in meinen journalistischen und literarischen Beiträgen thematisiert habe, musste ich das Land verlassen.

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Ich bin Mitte der Achtziger nach Deutschland gekommen, in einer Zeit, in der Flüchtlinge nicht “willkommen” waren und das Wort “Ausländer” nicht nur einen negativen Touch hatte, sondern auch als Schimpfwort benutzt wurde.

 Das erste Jahr stellte sich für mich als eine große Herausforderung dar. Das Warten auf die Entscheidung meines Asyl-Antrages war vor allem unerträglich: Ich befand mich in einem rechtlosen Zustand, durfte weder arbeiten, noch einen Sprachkurs besuchen oder meinen Aufenthaltsort verlassen, ganz zu schweigen von den miserablen Bedingungen in Flüchtlingsheimen.

Deutschland – ein Land mit vielen Gesichtern

Ich versuchte aber, das Beste draus zu machen und begann mit Hilfe einer netten Frau, die ehrenamtlich bei der Evangelischen Kirche gearbeitet hat, Deutsch zu lernen.

Deutschland ist ein Land mit vielen Gesichtern; ich hatte das Glück, zuerst sein “freundliches Gesicht” kennen zu lernen. Das hatte mir Kraft gegeben, später mit seiner “bösen” Seite fertig zu werden und gegen diejenigen, die mich als Mensch zweiter Klasse und als Fremdkörper in der Gesellschaft betrachtet haben, zu kämpfen.

  • Iran im Jahr 1983: In der “Islamischen Republik” wird jede Opposition unterdrückt. Seit 1980 führt das Land Krieg gegen den Irak. Der “Erste Golfkrieg” geht als einer der brutalsten des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein.
  • Deutschland im Jahr 1983: Der Bundestag setzt den Nato-Doppelbeschluss durch, der die Stationierung moderner Pershing-II-Raketen auf Bundesgebiet vorsieht. Dagegen formiert sich massiver Protest der Friedensbewegung. Erstmals ziehen die Grünen in den Bundestag ein.

Meine Waffe war und ist das Wort und mein Arsenal waren und sind meine Romane und Artikel. Damit habe ich den Prozess der Demokratisierung in Deutschland ebenfalls unterstützt. Heute würde ich, basierend auf dieser einzigartigen Erfahrung, den Deutschen gerne sagen: Zusammen schafft man alles!

Heute mache ich das, was ich seit meinem achtzehnten Lebensjahr in verschieden Ländern und in unterschiedlichen Sprachen getan habe: Ich arbeite weiter als Journalistin und Schriftstellerin und schreibe an meinem siebten Roman.

Fahimeh Farsaie ist Autorin mehrerer Romane, in denen sie sich vor allem mit den Themen Patchwork-Gesellschaften und Cultural Diversity, gepaart mit den menschlichen Schicksalen auseinandersetzt.

Ditterich-Verlag

Eines Tages beschloss meine Mutter Deutsche zu werden

“Was ist eigentlich deutsche Lebensart?“ Der Frage geht Fahimeh Farsaie literarisch und satirisch in ihrem Roman nach.

ISBN 978-3943941661

Dittrich-Verlag

Ditterich-Verlag

Nassrins öst-westliche Nacht

Eine existenzielle Reise durch Zwischenreiche der Kulturen, deren dramatisches Potenzial sich nicht allein aus dem Aufeinandertreffen von Ost und West speist, sondern ebenso aus dem Ineinanderfließen der Sphären von Erinnerung und Gegenwart, Traum und Realität, innerer Imagination und literarischer Reflexion.

ISBN 978-3-943941-76-0

Dittrich-Verlag

www.farsaie.de

(ll)

1980 bis 1989