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24/02/2018 14:32 CET | Aktualisiert 15/03/2018 12:28 CET

Unsere Regierung muss jetzt gegen Einsamkeit vorgehen

Einsamkeit kann in jedem Alter auftreten.

m-gucci via Getty Images
  • In Deutschland fühlen sich Millionen von Menschen einsam
  • Anhaltende Einsamkeit kann zu einer verringerten Lebenserwartung führen
  • In Zukunft müssen wir herausfinden, wie man ihr konkret vorbeugen kann

Im Januar ernannte die britische Premierministerin Theresa May eine Staatssekretärin für Einsamkeit. Ihr Auftrag ist die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung der weit verbreiteten Einsamkeit im Vereinigten Königreich.

Auch in Deutschland wären derartige politische Initiativen zu dessen Bekämpfung wünschenswert, denn auch bei uns sind Millionen von Menschen einsam.

Und das geht uns alle an, denn wie aus der Forschung bekannt ist, kann anhaltende Einsamkeit zu schwerwiegenden körperlichen und psychischen Problemen und zu einer verringerten Lebenserwartung führen.

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Dabei ist wichtig: Einsamkeit ist nicht gleich Alleinsein.

Wer allein lebt, nur wenige enge Freunde hat oder sogar bewusst von Zeit zu Zeit Distanz zu anderen Menschen hält (zum Beispiel in der Natur), empfindet sich noch lange nicht als einsam.

Davon sprechen wir in der Wissenschaft erst dann, wenn Menschen das Gefühl haben, dass Quantität und Qualität ihrer sozialen Beziehungen nicht ausreichen und sie unter einem Mangel an Zugehörigkeit leiden.

Einsamkeit kann in jedem Alter auftreten

Einsamkeit ist häufig eine Folge heftiger Umbrüche im Leben, die das soziale Netzwerk verändern.

Beispielsweise können Umzüge, Trennungen oder Todesfälle sie hervorrufen. Aber auch Armut und gesundheitliche Probleme können zu Einsamkeit führen.

Wer wenig Geld hat oder gesundheitlich eingeschränkt ist, ist von vielen sozialen Aktivitäten ausgeschlossen.

Das betrifft vor allem ältere Menschen, die zusätzlich damit zu kämpfen haben, dass Freunde und Partner sterben und somit ihr soziales Netzwerk immer kleiner wird.

Menschen ab 80 Jahren sind laut unserer Forschung demnach auch die Altersgruppe, die am stärksten von Einsamkeit betroffen ist.

Wir schätzen, dass circa 20 Prozent der Personen in dieser Gruppe sich zumindest manchmal einsam fühlen.

Aber: Einsamkeit kann in jedem Alter auftreten, und tatsächlich liegt der Anteil der Menschen, die sich zumindest manchmal einsam fühlen, in allen Altersgruppen über 10 Prozent und bei den 30- bis 40-Jährigen sogar bei circa 15 Prozent.

Was kann also die Politik konkret tun, um Einsamkeit zu bekämpfen?

Wir sehen mindestens drei Handlungsfelder:

► Erstens kann sie gezielt Initiativen und Institutionen fördern, die einsame Menschen unterstützen und von ihnen aufgesucht werden können. Dazu gehört auch, den Zugang zu sozialen Aktivitäten für Personen mit finanziellen oder gesundheitlichen Einschränkungen zu erleichtern.

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► Zweitens benötigen wir eine gezielte Förderung von Forschungen zu diesem Thema. Zwei Fragen sind dabei besonders akut: Wie kann man Einsamkeit vorbeugen und bekämpfen, und welche Rolle spielen soziale Medien und die allgegenwärtigen Smartphones bei der Entstehung oder auch Verminderung von Einsamkeit?

► Drittens benötigen besonders chronisch einsame Menschen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu professioneller Unterstützung, zum Beispiel im Rahmen einer psychologischen Psychotherapie. Kassenpatienten müssen jedoch derzeit meist mehrere Monate auf einen Therapieplatz warten.

Die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland muss dringend ausgebaut werden, und auch hier ist die Politik gefordert.

Dieser Beitrag entstand unter Mitarbeit von Susanne Bücker und erschien zuerst auf Xing Klartext.