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08/02/2018 14:05 CET | Aktualisiert 08/02/2018 14:05 CET

Eine 17-Jährige wurde zur Analphabetin "gemacht" und für geistig behindert erklärt

Ein Interview über dieses Coaching-Erlebnis wurde vom Deutschlandradio in der Sendung “Campus & Karriere” veröffentlicht.

„Ich habe eine 17-jährige Tochter und sie kann nicht schreiben, nicht lesen und auch nicht rechnen." Mit diesen Worten begann das Telefonat mit einer verzweifelten Mutter, das wir vor wenigen Monaten führten. "Sie wird als geistig behindert bezeichnet und wir kämpfen seit 11 Jahren dagegen an. Und das nicht, weil wir es nicht wahrhaben wollen, sondern weil es wirklich nicht stimmt. Können Sie uns helfen?“

Regelmäßig erreichen uns Anrufe von ratlosen Eltern, die sich von der Schule allein gelassen fühlen. Wir, das sind Alexandra Aldinger und Michael Müller, beides Lerncoachs aus dem Raum München.

Seit über 7 Jahren coachen wir Kinder zwischen 6 und 18 Jahren, zeigen ihnen neue, gehirn- und typgerechte Lerntechniken, lösen Lernblockaden und motivieren sie, dass sie merken, dass Lernen leicht ist.

Einen Fall wie den der 17-Jährigen hatten wir bisher noch nie.

Wir vereinbarten einen Coaching-Termin bei uns am Ammersee. Mutter und Tochter reisten extra aus Baden-Württemberg an, was eine einfache Fahrtzeit von 3,5 Stunden bedeutete. Für uns war dies auch ein Indiz, wie groß die Verzweiflung sein musste, dass sie diese lange Fahrtzeit in Kauf nahmen.

Zu Beginn unseres Treffens erzählten uns Mutter und Tochter, welche Strapazen sie in den letzten 11 Jahren hinter sich hatten. Sehr viele unfassbar traurige Erfahrungen, begleitet von vielen Tests bei Ärzten, Psychologen, Therapeuten, Pädagogen und vielen mehr.

Allein das Wort „Test“ löste bei der 17-Jährigen sichtbar  Angst und Bange aus.

Mit der Mutter vereinbarten wir, dass wir mit der Tochter zu "arbeiten" beginnen, während sie einen Spaziergang machte.

Wirklich extrem rudimentär erschien uns das Buchstaben- und Wortverständnis der 17-Jährigen.

So schrieb sie zum Beispiel „Wäsche waschen“ nur mit vier Buchstaben: „tipl“.

Trotz langem Überlegen und Nachfragen konnten wir nicht erkennen, warum sie es auf diese Weise schrieb.

Im Gespräch mit ihr stellten wir fest, dass sie den visuellen Sinneskanal sehr bevorzugt.

Das war für uns sehr wichtig, denn den üblichen Lerntyp-Test konnten wir mit dem Mädchen nicht durchführen. Es ist enorm hilfreich zu wissen, dass wir alle den Lerntyp auch an zum Beispiel der Kleidung, am Verhalten, an der Sprache, an der Gestik und auch an den Augenbewegungen erkennen können.

Somit war für uns klar, dass wir über visuelle Strategien die Rechtschreibung (und später auch das Lesen und Rechnen) trainieren konnten.

Daraufhin machten wir mit ihr typische Übungen und Spiele, die wir mit den Kindern im Lerncoaching machen, bauten das Selbstbewusstsein auf und führten ein Visualisierungstraining durch.

Ziemlich schnell verging eine Stunde, mit viel Lachen und Strahlen.

Nach Rückkehr der Mutter baten wir das Mädchen, die zuvor visualisierten Wörter zu schreiben. Es war ein sehr emotionaler Moment mit extremer Spannung.

Und dann passierte etwas, womit vor allem die Mutter in den letzten Jahren nicht mehr gerechnet hatte:

Sie blickte völlig überrascht mit große Augen auf das erste vollkommen richtig geschriebene Wort.

Es folgten alle weiteren vorher visualisierten Wörter - fast alle komplett fehlerfrei.

„Ich kann nichts mehr sagen. Zu Hause habe ich so oft mit ihr geübt. Zum Beispiel das Wort „Rose“. Es hat nie funktioniert. Nie. Und jetzt klappt es hier, nach nur einer Stunde!“, sagte die Mutter sichtlich überwältigt.

Ein wirklich schöner Erfolg für das Mädchen und natürlich auch für uns. Und zeitgleich eine sehr traurige Geschichte.

Was mussten dieses Kind und ihre Familie seit 11 Jahren durchmachen?

Mittlerweile sind wir von der  Schweigepflicht entbunden und uns liegen sämtliche Berichte, Atteste und Testergebnisse - eine richtig dicke Mappe - vor. Es ist unfassbar traurig, wie viele Ergebnisse dort protokolliert sind, die gar nicht stimmen können.

Wenn durch unsere einfachen Motivationsübungen und das Visualisierungstraining derartige Erfolge zu verzeichnen waren, wurde hier in 11 Jahren ein Mädchen durch Tests und falsche Beurteilungen Stück für Stück dumm "gemacht".

Heute - nach nur wenigen Coachings bei uns - zeigt sich das Mädchen sehr ehrgeizig, trainiert fleißig und blüht so richtig auf - es ist wahnsinnig schön, das miterleben zu dürfen. Nach dem zweiten Coaching konnte sie schon Erfolge beim Lesen und Rechnen verzeichnen.

.... und so viele Fachleute wollten sie als geistig behindert abstempeln?! In unseren Augen ein Skandal!

Ein Interview über dieses Coaching-Erlebnis wurde vom Deutschlandradio in der Sendung “Campus & Karriere” veröffentlicht.