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13/03/2018 12:17 CET | Aktualisiert 13/03/2018 12:17 CET

Eigentum verpflichtet

Es ist festzustellen, dass der Homo oeconomicus mehr und mehr von einem Homo sustinens abgelöst wird.

Kai Pfaffenbach / Reuters
Eigentum verpflichtet, aber gleichzeitig muss auch weiterhin das Recht auf unternehmerische Freiheit gelten.

Die traditionelle Ökonomie beruht auf dem Menschenbild des homo oeconomicus, sie geht also von einem eigennutzorientierten und streng rational handelnden Menschen aus, der stets bestrebt ist, seinen eigenen Nutzen zu steigern.

Es ist festzustellen, dass der Homo oeconomicus mehr und mehr von einem Homo sustinens abgelöst wird, also von Menschen, für die rationales und eigennütziges Handeln auch beinhaltet, möglichst umweltbewusst und nachhaltig zu leben.

Der junge, oft weibliche Teil der Bevölkerung kann die Finanzindustrie motivieren

Dies ist keine fundamental neue Entwicklung. Bereits das Grundgesetz kennt die Verpflichtung des Eigentums. Mittelständische Unternehmen haben stets die langfristigen Auswirkungen ihrer Investitionen im Blick, und auch Familienunternehmen werden in der Regel so geführt, dass die Nachfolgegeneration das Unternehmen weiterführen kann.

Waren Privatanleger in der Vergangenheit jedoch darauf bedacht, ihr Arbeitsleben lang ihren Gewinn zu maximieren, um ihr Vermögen am Ende zukünftigen Generationen zu vererben oder für wohltätige Zwecke zu spenden, so wollen sie heute gleichzeitig Ihr Vermögen sichern und einen positiven Beitrag mit diesem bewirken.

Vor allem die junge, sogenannte Millenial-Generation und insbesondere Nachkommen sehr wohlhabender Familiendynastien scheinen den Angaben der Finanzindustrie zufolge zunehmend langfristige Investments in nachhaltige Industrien zu bevorzugen und Kapitalanlagen in Öl, Gas, Atomkraft, Rüstung oder Tabak unabhängig von der Renditeerwartung prinzipiell abzulehnen.

Dieser junge, oft weibliche Teil der Bevölkerung verfügt über ausreichend Kapital, um die Finanzindustrie dazu zu motivieren, maßgeschneiderte nachhaltige Investmentprodukte aufzulegen. Entsprechend tätigen Schweizer Großbanken beim Vermögensmanagement mittlerweile nachhaltige Investitionen in mehrfacher Milliardenhöhe.

Jede Bank und jeder Fonds legt bisher eigene, oft sehr unterschiedliche Maßstäbe an

Auch die Deutschen Bank verzeichnete seit 2012 im Bereich der nachhaltigen Kapitalanlagen einen Anstieg um 61%. Aufgrund mangelnder Transparenzvorschriften und gesetzlich formulierten Kriterien, was ein nachhaltiges Produkt ausmacht, war es für Kunden bisher jedoch oft schwierig, Finanzprodukte zu finden, die den eigenen konkreten  Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wurden.

Jede Bank und jeder Fonds legt bisher eigene, oft sehr unterschiedliche Maßstäbe an. In diesem Sinne ist es zu begrüßen, dass die europäische Kommission nun einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums vorgestellt hat, mit dem Ziel, einheitliche Kriterien für die Definition von nachhaltigen Produkten zu schaffen und den Kapitalfluss in Richtung nachhaltiger Investments zu steuern.

Globale Märkte brauchen globale Kriterien. Wenn es der EU gelingt, sich als Vorreiter der nachhaltigen Ökonomie zu etablieren, kann nicht nur leichter festgestellt werden, welche Investitionen den größten globalen Effekt zeigen (man denke dabei an die Ziele des Pariser Klimaabkommens), sondern die EU könnte in diesem boomenden Geschäftsfeld weltweiter Vorreiter werden.

Eigentum verpflichtet, aber es muss auch das Recht auf unternehmerische Freiheit gelten

Bei der Implementierung der Vorgaben sollte jedoch nicht über das Ziel hinausgeschossen werden. Investoren sollten sich weiterhin darauf verlassen können, dass ihr Kapital gewinnbringend angelegt wird und im Dienste einer nachhaltigen Finanzwirtschaft keine planwirtschaftsähnlichen Strukturen entstehen.

Nach wie vor müssen die Spielregeln der Marktwirtschaft gelten: Es bleibt den Investoren und Unternehmen überlassen, worin Sie im Rahmen geltender Gesetze ihr Geld anlegen oder es erwirtschaften wollen. Investitionen müssen weiterhin wirtschaftlich sinnvoll und nicht ideologiegesteuert erfolgen.

Nachhaltig bedeutet nicht automatisch auch gewinnbringend. Entsprechend sind automatische Steuernachlässe für Investoren oder eine Minderung von
Eigenkapitalquoten für Banken, die nachhaltige Vermögensanlagen finanzieren, nicht sinnvoll.

Eigentum verpflichtet, aber gleichzeitig muss auch weiterhin das Recht auf unternehmerische Freiheit gelten.