NACHRICHTEN
07/03/2018 17:17 CET | Aktualisiert 08/03/2018 13:46 CET

Streit um Essener Tafel: Jetzt muss sich Edeka vor einem Kunden rechtfertigen

"Wie wollen Sie sich gegenüber Ihren Mitarbeitern mit Migrationshintergrund rechtfertigen?"

  • Der Chef der Essener Tafel hat beschlossen, dass sich nur noch Deutsche bei der Einrichtung anmelden dürfen
  • Jetzt fordert ein Edeka-Kunde, dass der Supermarkt die Zusammenarbeit mit der Tafel beendet
  • Im Video oben seht ihr, wie deutsche Politiker auf Merkels Kritik an der Tafel in Essen reagieren

Die Essener Tafel hat in den vergangenen Tagen für eine hitzige Debatte in Deutschland gesorgt. Der Verein der Tafel hat entschieden, vorerst nur noch Deutsche aufzunehmen. 

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mischte sich in den Streit ein und fand die Entscheidung “nicht gut”. Für ihre Äußerung musste die CDU-Chefin viel Kritik einstecken. Doch allein ist sie mit ihrer Meinung nicht.

► Viele Deutsche finden: Das ist überhaupt nicht sozial – vor allem nicht für eine soziale Einrichtung.

Dieser Meinung ist auch ein Edeka-Kunde. Er will von der Supermarktkette wissen, wann sich der Konzern endlich zu dem Verhalten der Essener Tafel äußert. 

Edeka unterstützt – wie viele andere Supermarktketten – die Essener Tafel und beliefert den Verein mit Lebensmitteln. 

“Seit mehr als einer Woche Ausgrenzung und Rassismus bei der Tafel Essen. Wann äußern Sie sich endlich zur Sache?”, fragt der erboste Kunde auf der Facebook-Seite des Konzerns. “Wie wollen Sie sich gegenüber Ihren Mitarbeitern mit Migrationshintergrund rechtfertigen, dass Sie mit einer solchen Organisation zusammenarbeiten?

Darum ist es richtig, dass Edeka die Tafel auch weiter unterstützt

Dem Kunden scheint das jedenfalls nicht zu passen – er würde sich wohl wünschen, dass Edeka die Zusammenarbeit mit der Tafel beendet.

► Aber: Das wäre ein Fehler!

Die Menschen, die die Tafel besuchen, sind hilfsbedürftig. Nur wer Hartz IV bekommt, ein Grundsicherungs- oder Wohngeldempfänger ist, darf sich überhaupt bei dem Verein anmelden. Das bedeutet: Von der Essener Tafel profitieren in erster Linie Menschen, die Hilfe brauchen. Und diese durch den Verein auch bekommen. 

Mehr zum Thema: Merkels Erfolgsstrategie rächt sich im Fall der Essener Tafel

Die einzigen, die von einem Ende der Kooperation zwischen Tafel und Edeka profitieren würden, wären die Mülleimer. In denen die unverbrauchten Lebensmittel wohl sonst landen würden. 

Die Leidtragenden wären die Menschen, die das Hilfsangebot der Tafel wahrnehmen müssen, wenn sie in Deutschland – mit dem wenigen Geld, das sie haben – überleben wollen.

► Die Kritik des Kunden trifft hier eindeutig den Falschen.

Das sagt Edeka zur Entscheidung der Essener Tafel

Edeka hofft, dass die “Organisation intern alle Anstrengungen unternehmen wird, um möglichst bald wieder ein offenes Angebot zu schaffen.” Das teilte ein Sprecher des Unternehmens auf HuffPost-Anfrage mit.

Edeka hat in den vergangenen Monaten vor allem eins bewiesen: Für Rassismus ist in dem Unternehmen kein Platz. Das zeigte beispielsweise ein Werbespot, der im August 2017 in einer Hamburger Filiale gedreht wurde. Darin war zu sehen, wie leer die Regale in Supermärkten wären, gäbe es dort nur noch deutsche Artikel zu kaufen.  

(jds)