POLITIK
26/05/2018 13:54 CEST | Aktualisiert 27/05/2018 12:26 CEST

Dunja Hayali berichtet von Begegnung mit Schwarzen, die ihr zu denken gibt

Als die Moderatorin mit ihrem Hund spazieren ging, traf sie auf drei dunkelhäutige Männer.

  • Auf Facebook berichtet die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali von einem Spaziergang, bei dem sie auf drei dunkelhäutige Männer traf.
  • Ein Gedanke, den sie in diesem Moment hatte, veranlasste Hayali, einen Text über “Schubladendenken” zu schreiben.
  • Wie vorurteilsfrei sind die Deutschen wirklich? Im Video oben seht ihr ein Experiment, das ein erschreckendes Ergebnis brachte. 

Die Journalistin Dunja Hayali ist nicht als Rassistin bekannt. Ganz im Gegenteil.

Und doch ertappt auch sie sich hin und wieder bei dem ein oder anderen Gedanken, der Menschen rein nach ihrem Aussehen in eine Kategorie verfrachtet

Das schreibt die “Morgenmagazin”-Moderatorin am Samstag in einem ausführlichen Facebook-Post.

Anlass ist ein Spaziergang durch den als “Görli” bekannten Görlitzer Park in Berlin mit ihrer Hündin Emma gewesen. Dort habe Hayali drei dunkelhäutige Männer gesehen und umgehend gedacht: “Na toll, schon wieder neue Dealer”.

Doch kurz darauf habe sie gesehen, dass die Männer nicht alleine sind, schreibt Hayali – sondern mit ihren Familien im Park saßen. Die Männer fragten sie auch, ob die Kinder ihren Hund streicheln dürften.

“Da war klar: keine Dealer”, schreibt Hayali. “Klar war aber auch: kurzzeitig übelst ertappt. Die Schimpfworte, mit denen ich mich innerlich überzog, erspare ich Ihnen.”

Hayali fragt sich weiter, ob dieser “Reflex” nicht nur, aber auch die Folge einer “bereits langanhaltenden und zum Teil undifferenzierten Dauerbeschallung” mit den Themen Asyl, Migration und Integration sei. 

“Vermutlich ist es ein bisschen wie bei Werbung: Wiederholte, einfache Botschaften sollen sich verankern und tun das auch. Ob wir wollen oder nicht”, schreibt die Journalistin.

Hayali merkt auch an, dass Vorurteile etwas urmenschliches seien. Und auch, dass einige Wissenschaftler sie für überlebensnotwendig halten. 

“Wir müssen hinterfragen”

Tatsächlich könnte unser Gehirn ohne das, wie Hayali es bezeichnet, “Schubladendenken” nicht funktionieren. In der Wissenschaft spricht man eher von Prototypen. 

Aber natürlich ist es etwas anderes, ob wir in Westeuropa bei dem Wort “Vogel” eher an eine Amsel als an einen Flamingo denken – die Amsel kommt dem prototypischen Vogel sehr nah – oder wenn wir Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe für kriminell halten.

“Wenn wir aber Vorurteile und die Separierung überwinden wollen, müssen wir eine andere Fähigkeit benutzen: die des Hinterfragens”, schreibt Hayali.

Selbst wenn Klischees nur kurz aufblitzen, dürfe man es nicht dabei belassen. Man müsse den zweiten und den dritten Blick wagen, Kontakt miteinander aufnehmen und sein Vorurteil überprüfen.

Hayalis Kommentar liest sich auch als eine sehr persönliche Anspielung auf eine Debatte um den Grünen-Politiker Boris Palmer. Der hatte in einem Interview über einen schwarzen Radfahrer geschimpft und gemeint, dieser sei sicher ein Asylbewerber.

Die eigenen Parteikollegen warfen ihn daraufhin Rassismus vor.

“Kann ich jemanden hassen, weil er anders aussieht?”

Laut Hayali jedenfalls verhärten sich die Fronten immer mehr, Ablehnung und Ausgrenzung allem Fremdländischen gegenüber wachse. Auch der Hass werde stärker, wenn Menschen anstatt zu differenzieren ein Pauschalurteil über ganze Menschengruppen fällen würden.

“Kann ich wirklich jemanden hassen, weil er/sie gerade mal Geld aus irgendeinem ‘Topf’ bekommt? Weil er/sie anders aussieht als ich? Oder anders spricht? Anders glaubt? Das ist doch völlig überzogen! Völlig bekloppt”, heißt es in dem Post.

Nichts gebe jemandem den Freibrief, andere Menschen auf den ersten Blick in eine Schublade einzusortieren. “Denn Schubladen sind nun einmal für Socken da, vielleicht auch für ganz bunten Krimskrams, aber nicht für Menschen.

(ll)