POLITIK
06/09/2018 08:14 CEST | Aktualisiert 06/09/2018 14:06 CEST

"Dunja Hayali": So knallte es zwischen AfD-Chef und Grünen-Frau Göring-Eckardt

“Das waren Fake News, das wissen Sie", betont die Grünen-Politikerin bei "Dunja Hayali".

Screenshot / ZDF
"Dunja Hayali": Meuthen geht Studiogast Göring-Eckardt an.
  • In ihrer Talkshow “Dunja Hayali” hat sich die ZDF-Moderatorin der Frage gewidmet: “Wie geht es weiter nach Chemnitz?”
  • Zwischen den Gästen Göring-Eckardt und Meuthen entbrannte ein heftiger Streit.

Seit dem gewaltsamen Tod von Daniel H. in Chemnitz scheint die zunehmende Spaltung im Land offenkundig.

Auf der einen Seite demonstrierten tausende “besorgter Bürger”, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen, Seit an Seit mit Rechtsextremen. Auf der anderen Seite kamen beim “Wir sind mehr”-Konzert 65.000 Gegendemonstranten zusammen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ließ in ihrer Sendung mit Katrin Göring-Eckhardt, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, und dem Bundessprecher der AfD, Jörg Meuthen, zwei Vertreter beider Lager zu Wort kommen – es wurde eine hitzige Debatte. 

Die Gäste bei “Dunja Hayali”: 

► Katrin Göring-Eckhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag

► Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD

► Ingo Hasselbach, Ex-Neonazi und Gründer der Aussteigerorganisation EXIT

► Samy Deluxe, Produzent und Musiker

Göring-Eckardt zeigt Verständnis bei “Dunja Hayali” 

Dunja Hayali fragte Göring-Eckhardt, ob sie Verständnis für die Wut der Menschen habe.

► Ja, sie habe Verständnis für Enttäuschung und Frust der Menschen, die nach der Wiedervereinigung “nie die Perspektive” gehabt hätten, “in diesem gemeinsamen Land einmal anzukommen”, betonte die Grünen-Politikerin.

Screenshot / ZDF
Die Runde bei "Dunja Hayali": Links die Moderatorin, in der Mitte AfD-Chef Jörg Meuthen und rechts Grünen-Politikerin Katrin Göring Eckardt. 

Das höre aber auf, “wenn man jemanden schuldig machen will, der überhaupt nichts damit zu tun hat”, betonte die Politikerin. Damit meinte sie Flüchtlinge. 

Meuthen geht bei “Hayali” auf Konfrontationskurs

Während Göring Eckhardt noch differenzierte, ging Jörg Meuthen rasch auf Frontalkurs:

Auch Meuthen äußerte sein Verständnis für die Wut und verwies auf das “angekratzte” Sicherheitsverständnis, was darin liege, “dass wir Zustände haben, die wir haben”.

Er sei empört über die Stigmatisierung der Menschen in Sachsen. Dem ganzen Bundesland würde unterstellt, Hetzjagden zu betreiben: “Von Zusammenrottungen redet Frau Merkel – und weiß offenkundig nicht wovon sie spricht, denn das hat es nicht gegeben”.

Meuthen macht Claudia Roth schwere Vorwürfe

Hayali hakte nach. Vom AfD-Politiker wollte sie hören, wer je behauptet hätte, alle Sachsen seien rechtsextrem.

Meuthen verwies auf den aktuellen “Spiegel”. Die aktuelle Titelseite der Magazins ziert das Wort “Sachsen” in der von den Nazis verwendeten Tannenberg-Schriftart.

Dann griff Meuthen Göring-Eckhardts Parteikollegin Claudia Roth scharf an. Sie hätten den sächsischen Kiosk-Besitzern Zensur vorgeworfen, weil diese den “Spiegel” boykottieren würden.

Screenshot / ZDF
Meuthen ist bei "Dunja Hayali" auf Konfrontationskurs.

Mit einem ungläubigen Blick entgegnete Göring-Eckhardt: “Das war Fake News, das wissen Sie”.

Tatsächlich handelt es sich – sowohl bei dem Sachsen-Boykott, als auch der angeblichen Reaktion Roths – um eine fabrizierte Story. Mittlerweile ist der Artikel von der entsprechenden Internetseite, dem rechtspopulistischen “Compact”-Magazin, gelöscht worden.

Wortgefecht bei “Hayali”

Meuthen polterte dennoch weiter. “Also wenn wir über Fake News reden, dann können wir bei Ihnen anfangen, dann können wir bei Frau Merkel anfangen. Frau Merkel redet von Hetzjagden und ihr eigener Parteikollege Kretschmer sagte heute, die hat es nicht gegeben…”

Göring-Eckhardt: “Herr Meuthen…”

Meuthen: “... das ist fake…”

Göring-Eckhardt: “Herr Meuthen, nein... Nein.”

Meuthen: “Oh doch. Und Herr Seibert, die vertreiben, die machen hier ganz massiv Fake. Und ihre Partei ist ja nun hochspezialisiert darauf.”

Leider übten sich die Politiker in gegenseitiger Schuldzuweisung, anstatt über das eigentliche Thema der Sendung “Wie geht es weiter nach Chemnitz?” zu sprechen.

Die Suche nach Lösungen gegen die Spaltung der Gesellschaft stand wohl am Mittwochabend noch nicht auf der Tagesordnung.

(ll)