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03/09/2018 19:04 CEST

Drogen-Trend: US-Experten warnen vor "Wasping"

"Warum sollte man etwas nehmen, was einen umbringt?"

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 Insektizide sind erlaubt, einfach zu beschaffen und billig.
  • Amerikanische Drogenkonsumenten versuchen, sich mit Insektengift zu berauschen. 
  • US-Experten warnen vor dem potenziell tödlichen Trend.

Die meisten Drogen sind illegal. Auf der Suche nach dem ultimativen Rausch kommen deshalb besonders junge Menschen immer wieder auf gefährliche Ideen.

Der neueste Trend in den USA heißt “Wasping” (von “wasp”, Deutsch “Wespe”).

Dabei konsumieren vor allem junge Menschen Insektizide wie Wespengift, um sich zu berauschen, wie der regionale TV-Sender Valley News Live aus Fargo im US-Bundesstaat North Dakota berichtet.

“Sie sind selbst fast wie Chemiker”

Häufig mischten die Konsumenten das Insektengift auch mit anderen Drogen wie Methamphetaminen.  Oder sie sprühten das Gift auf heiße Metall-Platten, wo es kristallisiert, um es zu dann zu inhalieren oder zu spritzen

“Sie sind selbst fast wie Chemiker”, sagte Don Martin, der Pressesprecher von FM Ambulance, einem örtlichen Rettungsdienst zu Valley News Live.

“Sie versuchen, Substanzen zu mischen und kombinieren, um den nächsten Kick zu bekommen.”

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Der “Kick” äußere sich etwa in Déjà-Vus und Geruchshalluzinationen, schrieb der US-Nachrichtensender “ABC News”.

Schuld daran seien Wirkungsbestandteile des Insektengifts namens Pyrethroide. Sie sollen eigentlich das Nervensystem von Insekten lähmen und die Tiere so töten. Auch beim Menschen hemmen Pyrethroide die Signalverarbeitung im Gehirn.

Die Wirkstoffe können zum Atemstillstand führen

Dabei gibt es starke Nebenwirkungen: “Man verliert das Gleichgewicht oder sogar das Bewusstsein. Viele sind desorientiert, zittern stark oder bekommen Krämpfe. Im Grunde alles, auch Übelkeit und Erbrechen”, sagte Martin.

Pyrethroide lösen Kampf- und Fluchtmechanismen im Gehirn aus. Die Symptome sind Reizbarkeit, Herzrasen und Atemschwierigkeiten.

Am gefährlichsten sind Insektizide, wenn sie inhaliert werden: Sie können zum Atemstillstand führen.

Wie schlimm die Langzeitfolgen von Insektizid-Missbrauch sind, ist noch unbekannt. “Die wurden hergestellt, um etwas zu töten. Es muss einfach Langzeitfolgen haben”, sagte Martin.

“Wir wollen den Schmerz betäuben”

Viele Drogenkonsumenten sind sich des Risikos nicht bewusst.

“Wir denken nicht an Morgen, wenn wir Drogen nehmen oder Alkohol trinken, weil wir ja nicht nachdenken wollen. Wir wollen den Schmerz betäuben”, sagte Jake Metcalf, ein Suchtberater aus Fargo zu “Valley News Live”.

Warum sollte man etwas nehmen, was einen umbringt? Es wurde dafür hergestellt, zu töten”, sagte Metcalf. Der Grund sei häufig die hohe Toleranz der Drogenkonsumenten. Sie bräuchten eine immer höhere Dosis, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Ein weiterer Grund sei die hohe Verfügbarkeit. Insektizide sind erlaubt, einfach zu beschaffen und billig. Für nur sechs Dollar könne man einen stärkeren Rausch haben.

Martin hofft jetzt auf ein frühes Ende des jungen Trends. Denn Konsumenten mit einer Überdosis könne man kaum behandeln. “Es gibt kein Gegengift. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten bei Insektiziden”, sagte Martin. 

Man könne Patienten mit einer Überdosis lediglich beatmen und ihren Kreislauf stabilisieren. Dann müsse man warten, bis der Körper das Gift verstoffwechselt.

(lp)