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07/06/2018 16:42 CEST | Aktualisiert 07/06/2018 16:45 CEST

Die neue Dr.-Oetker-Werbung zeigt, wie rückständig unser Frauenbild ist

Die Schweizer Kampagne wurde offenbar nur von Frauen entwickelt.

Dr Oetker
Das umstrittene Bild aus der Kampagne. 
  • Dr. Oetker startet zur WM eine Werbekampagne, die stark an die 50er erinnert.
  • Mit dem Slogan “Back deinen Mann glücklich”, wirbt der Konzern für Backprodukte.

In wenigen Tagen startet die Fußball-Weltmeisterschaft. Dass die Konzerne da etwas verrückt spielen und auf einmal jedem Produkt den Stempel WM aufdrücken, sei es noch so abstrus, ist längst bekannt.

Doch Dr. Oetker wirbt jetzt in der Schweiz mit einer Kampagne, die vor allem Feministinnen bitter aufstößt. In ihrer Lovecake-Kampagne ist unter anderem eine Frau zu sehen, die einen Fußballkuchen hochhält. Dazu der Slogan “Back deinen Mann glücklich – auch wenn er eine zweite Liebe hat.”

Damit setzt der Konzern das Rollenbild der 50er wieder in Kraft. Nach diesem Bild müssen sich Frauen glücklich schätzen, einen Mann zu haben und diesen zu verköstigen, während er Bier trinkend mit seinen Kumpels dem Fußballspiel folgte.

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Frauen entwickelten die Kampage

Man sollte meinen, dass sich durch die Emanzipation etwas geändert hätte. Doch wie eine Sprecherin der Werbeagentur Erdmannpeisker gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal “20 Minuten” erklärte, seien an der Entwicklung des Motivs “ein Team aus ausschließlich modernen Frauen und teilweise auch Teilzeit arbeitenden Müttern” beteiligt gewesen.  

Die Agentur und Dr. Oetker ständen weiter gänzlich hinter dem “Sujet”, erklärte sie. Dass “moderne” Frauen eine so veraltete Werbung entwickeln, zeigt, wie verankert das alte Rollenbild noch ist. Zwar gab die Sprecherin von Erdmannpeisker bekannt, dass das das Motiv mit einer gewissen Ironie betrachtet werden solle, doch von dieser Ironie ist in dem Bild nichts zu sehen.

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Damit ging der Schuss für Dr. Oetker eher nach hinten los. Auf Facebook und Twitter beschweren sich viele Frauen über die rückschrittliche Kampagne. Darunter auch verschiedene Schweizer Politikerinnen. Wie Natascha Wey von der Sozialdemokratischen Partei (SP), die fragte:

“Und, wie backt ihr eure Männer so? Meiner ist am glücklichsten bei 180 Grad Umluft, 50 Minuten. Dann geht er auch schön auf.”

Losgetreten wurde die Diskussion von Lea Kusano, die ebenfalls Mitglied der SP ist. Mittlerweile meldeten sich auch viele andere Frauen zu Wort.

So schrieb eine Nutzerin: “Sie wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen: was soll ich anziehen und wer kann #DrOetker verraten, dass wir nicht mehr in den 50ern leben?”   

(ks)