POLITIK
18/10/2018 22:06 CEST | Aktualisiert 18/10/2018 22:12 CEST

Dortmund: Mann legt sich mit Polizei an – erst 300kg Kartoffeln beenden den Streit

Zwischenzeitlich schaltete sich sogar Jan Böhmermann in die absurde Auseinandersetzung ein.

dpa
Polizeiautos stehen vor dem Haupteingang des Dortmunder Polizeipräsidiums.
  • Auf Twitter ist ein Streit zwischen einem Nutzer und der Dortmunder Polizei ausgeartet.
  • Am Ende können sich aber alle Beteiligten einigen – mit einer großen Kartoffelspende an gemeinnützige Einrichtungen.  

Ein Streit zwischen einem Twitter-Nuter und der Dortmunder Polizei hat bizarre Züge angenommen. Nachdem sich sogar der TV-Moderator Jan Böhmermann in den Disput einschaltete, konnten sich die Parteien einigen – auf äußerst ungewöhnliche Art und Weise.

Alles fing damit an, dass sich Twitter-Nutzer ”@erdapfelotto” – der Name wird noch von großer Bedeutung sein – Ende September bei der Dortmunder Polizei über zu viele Einsatzkräfte beim Bundesligaspiel des BVB gegen den 1. FC Nürnberg beschwerte.

Mit Blick auf eine Gruppe Neonazis, die nur wenige Tage vorher problemlos mit antisemitischen Rufen durch Dortmund marschieren konnten, schrieb Erdapfelotto:

“Hallo Polizei Dortmund, heute sind dann wieder Kapazitäten frei? Denkt denn niemand an die Überstunden? Ihr seid ein absolut lachhafter Haufen.” 

Der letzte Satz rief dann die Internet-Polizei auf den Plan. Die Beamten sahen offensichtlich eine Beleidigung vorliegen. “Ihren Kommentar werden wir auf strafrechtliche Relevanz durch die Staatsanwaltschaft Dortmund überprüfen lassen. Vielleicht sollten Sie Ihre Veröffentlichung überdenken”, antworteten sie dem Mann.

Die Reaktion der Polizei ärgerte nicht nur zahlreiche weitere Nutzer, sondern auch Böhmermann – der wohlgemerkt Polizistensohn ist. Er verteidigte Erdapfelotto und kritisierte die Beamten für ihr Vorgehen. 

“Was, wenn Herr Erdapfelotto, die Polizei Dortmund in Ausübung seines Grundrechts auf freie Meinungsäußerung einen ‘lachhaften Haufen’ genannt hat? Weil er evtl. den Eindruck hat, die Polizei Dortmund setze ihre Strafverfolgungsprioritäten auf geradezu irrwitzige Art?”

Der Fall schien sich erledigt zu haben. Denn die Beamten hatten nach einigem hin und her eingelenkt und Erdapfelotto zu einer Tasse Kaffee auf die Wache eingeladen, um mit ihm bei einem persönlichen Gespräch über den Vorfall zu sprechen. Der User nahm die Einladung an.

″ ... nur, wenn danach der Quatsch zu Ende ist”

Doch am Montag gab es eine erneute Wende in dem schon beendet geglaubten Fall. Erdapfelotto kam aus dem Urlaub zurück und entdeckte eine Vorladung der Polizei “wegen des Verdachts der Beleidigung” im Briefkasten. 

Hatte die Polizei also tatsächlich weiter ermittelt? Auch Böhmermann schaltete sich wieder ein. 

Die Dortmunder Polizei stellte aber am Mittwoch klar, dass sie “explizit keinen Strafantrag” gegen Erdapfelotto gestellt hatte und dies auch nicht tun werde. Zudem bekräftigten die Beamten ihre “Einladung zum klärenden Gespräch beim Kaffee”.

Erdapfelotto willigte in den Vorschlag ein – und erweiterte diesen sogar:

“Ich komme vorbei und wir klären das bei nem Kaffee. Zudem bringe ich 100 kg Kartoffeln für ne gemeinnützige Einrichtung mit. Wenn ihr auch 100 gebt (nur dann), gibt Kollege Böhmermann auch noch 100 (ernsthaft!) macht 300(!). Deal?”

Böhmermann zeigte sich einverstanden – unter einer Bedingung: “Aber nur, wenn alle 100 Kilogramm stiften und danach der Quatsch zu Ende ist.

Auch die Polizei akzeptierte den Vorschlag – und übergab am Donnerstag 100 Kilogramm Kartoffeln an die Dortmunder Tafel. Die Beamten betonten: “Selbstverständlich aus eigener Tasche bezahlt!” 

Böhmermann kurz darauf ebenfalls teilte mit, dass seine Kartoffellieferung unterwegs sei – per Kurier an die Tafel in Gelsenkirchen – “im Sinne der Völkerverständigung”. Der dort ansässige Fußballclub Schalke 04 und Borussia Dortmund sind große Rivalen, die Fans verfeindet.

Und der Verursacher? Erdapfelotto will seine Kartoffeln am Freitag abgeben

Die vielleicht größte Pointe an der ganzen Geschichte ist aber: Er isst laut eigener Aussage “fast gar keine Kartoffelsachen”.