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07/07/2018 17:07 CEST | Aktualisiert 08/07/2018 11:34 CEST

Russland bei der WM: Foto nährt düsteren Verdacht bei Experten

Es geht um eine verdächtige Stelle in der Armbeuge eines russischen Nationalspielers.

  • Die russische Nationalmannschaft überrascht bei der WM im Heimatland mit überragenden Laufleistungen. 
  • Das Team steht deshalb unter Dopingverdacht – und ein Foto aus dem Spiel gegen Spanien erhärtet diesen nun enorm. 
  • Im Video oben: So erschreckend leicht kann Doping sein.

Artjom Dsjuba steht zum Elfmeter bereit. Drei Schritte Anlauf, ein strammer Schuss in den rechten unteren Winkel – und es steht 1:1 im Spiel Russland gegen Spanien

Dsuba dreht zum Jubeln ab, er schreit und klopft sich auf das russische Wappen auf seiner Brust. Er ballt die Fäuste und streckt die Arme auf. 

Und entblößt dabei eine verdächtige Stelle in seiner linken Armbeuge.

dpa
Artjom Dsjuba bejubelt seinen Treffer gegen Spanien – und entblößt eine verdächtige Stelle in seiner linken Ellenbeuge. 

In der ist ein kleiner roter Punkt zu sehen – eine Einstichstelle. 

Eine, die einen düsteren Verdacht, der gegen die russische Nationalmannschaft erhoben wird, noch erhärtet. 

Doping-Vorwürfe gegen das russische Team werden lauter

Denn das russische Team, dass heute Abend im Viertelfinale gegen Kroatien spielt, steht im Verdacht, bei der WM auf Doping zurückzugreifen, um seine Leistung zu verbessern. 

Es ist ein Verdacht, der nahe liegt

► Zum Einen, weil der russische Profisport eine nachgewiesene Doping-Vergangenheit hat – bei den vergangenen Olympischen Sommerspielen durfte der russische Verband nicht teilnehmen, nachdem nachgewiesen wurde, dass der Staat seine Sportler systematisch dopen ließ. 

► Zum Anderen, weil die Laufleistung der Russen in diesem Turnier enorm hoch ist. Gegen Spanien lief die Mannschaft insgesamt neun Kilometer mehr als der Gegner. Im Schnitt lief das russische Team bisher 119 Kilometer pro Spiel – mit Abstand die beste Leistung aller Turniermannschaften. 

Zudem ist Dsjuba nicht der einzige russische Profi, der durch eine verdächtige Einstichstelle im Spiel gegen Spanien auffiel. Auch von Teamkollege Aleksandr Golovin existiert so ein brisantes Foto. 

Russisches Team sucht Ausflüchte – Experten skeptisch

Die “Süddeutsche Zeitung” hat wegen des Fotos von Dsjuba eine Anfrage an den russischen Verband geschickt. Dessen Teamarzt antwortete der Zeitung: 

“Um den Funktionszustand zu überwachen, betrachten Ärzte verschiedene hämatologische Parameter, die sowohl aus kapillärem als auch aus venösem Blut stammen. Es sind Routine-Maßnahmen, die es uns ermöglichen, die Belastungstoleranz und die Regenerationszeit zu kontrollieren sowie Muskelverletzungen zu verhindern.” 

Zum Hintergrund: Kapilläres Blut kann etwa aus dem Ohrläppchen entnommen werden, wie es beim Fußball während Leistungstests üblich ist. Venöses Blut wird oft an der Armbeuge abgenommen. 

Es ist unüblich, im Spitzensport zur Leistungsüberwachung an der Vene Blut abzunehmen. So sagte der Pharmakologe Fritz Sörgel der “SZ”:

“Das ist sehr ungewöhnlich, dass dafür in die Vena Basilica gestochen werden muss. Warum muss jemand unbedingt punktiert werden, wenn doch ein kleiner Piekser ins Ohrläppchen reichen würde?”

Auch der Deutsche Fußball-Verband (DFB) teilte mit, venöse Blutentnahmen würden nur selten durchgeführt – und wenn, dann mit medizinischem Hintergrund, wenn etwa ein Spieler einen Infekt habe.  

Warum also setzt das russische Team Spritzen an der Vene ein? Etwa, um nicht Blut abzunehmen – sondern ihm etwas zuzuführen? 

Experte Sörgel sagte der “SZ”: “Wenn ich aus der Vene etwas rausnehme, kann ich dort ebenso gut etwas hineinführen.” 

(ame)