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13/04/2018 16:01 CEST | Aktualisiert 13/04/2018 16:01 CEST

Dong Feng: Chinas Sturm aus dem Osten

Der österreichische Kanzler Kurz auf Staatsbesuch in China.

Wang Dong Feng

aDas Bild zeigt Wang Dong Feng mit dem Schwert

  • Der österreichische Kanzler Kurz auf Staatsbesuch in China.
  • Inzwischen agieren Agenten der chinesischen Special Forces ungehemmt in Österreich.
  • Zahlreiche hochqualifizierte Kungfu-Meister in Wien angesiedelt.
  • Im engen Kontakt mit Instruktor der chinesischen Special Forces.

Der chinesische Name Dong Feng wird übersetzt mit Ostwind. Die Chinesen sind bei der Wahl der Namen sehr genau. Es geht ihnen dabei nicht um den guten Klang, sondern um die genaue Symbolik des Ausdrucks. Symbolsprache wird allgemein von Chinesen gerne eingesetzt. Sie ziehen es vor, ihre Anliegen oder Ziele mit dem Hinweis auf ein Symbol zu vermitteln.

Der chinesische Kungfu-Meister Wang Dong Feng kam 1986 nach Wien. Dong Feng ist der Vorname. Er erzählte selbst, dass dieser Name für ihn vom chinesischen Clan der Wang sehr bewusst gewählt wurde. Es gibt sechs Clans in China, die für wesentlich bei der Herausbildung chinesischer Kampftechniken (Wushu, Taiji, Neijiaquan) betrachtet werden.

Die Wang zählen zu diesen sechs Clans. Sie sind im Westen allerdings nicht so bekannt wie die Chen, Yang, Sun, Wu, Wu Hao. Dennoch sind die Leistungen des Wang-Clans, insbesondere bei der Entwicklung der sogenannten inneren Kampftechniken, in China wohl unbestritten. Nach eigenen Angaben ist Wang Dong Feng die 13. Generation der Wang.

Chinesische Special Forces

Wang Dong Feng sagte über stürmisches Herbstwetter, bei dem die Bäume sich biegen und die Blätter wild herumfliegen, dass er „ein solches Sturmwetter am liebsten mag“. Die korrekte Bedeutung von Dong Feng lautet dann wohl: Ost-Sturm. Oder genauer: Sturm aus dem Osten.

Wang Dong Feng ist nach eigener Aussage ein enger Freund von Qing Fu Pan, der ein bekannter Meister in der Volksrepublik China ist. Er war demnach: „In China mehrere Jahre mit Qing Fu Pan jeden Tag zusammen“. Recherchen ergaben, dass Qing Fu Pan ein Instruktor der chinesischen Special Forces war.

Zum selben Zeitpunkt als Wang Dong Feng in Wien angesiedelt wurde, begann Qing Fu Pan seinen Umzug nach Kanada vorzubereiten. In der Folge lebte er bis 2017 im Bundesstaat Ontario in der Stadt Kitchener, die in der Nähe der Grenze zu den USA liegt. Der amerikanische Bundesstaat New York liegt an der anderen Seite der Grenze. Über die Niagara Fälle und Buffalo sind mit dem Auto wichtige Städte wie Washington D.C. oder New York City nur eine Tagesreise entfernt.

Täglich 18 Stunden unterwegs

Wang Dong Feng versuchte in Wien, Zugang zu vielen Organisationen zu erhalten. Er war dafür 18 Stunden am Tag in der Stadt unterwegs. Eine seiner ersten Aufgaben führte ihn in Wien in die Rossauer Polizeikaserne. Damit wurde der Chinese aus der Volksrepublik rasch in den österreichischen Polizeiapparat eingeschleust und konnte hoffen, dort wertvolle Kontakte zu knüpfen. Dazu auf Huffington der Beitrag: Kungfu aus der Volksrepublik China lehrte in Wiener Polizeikaserne den Schlagstock

Weiters fand Wang Dong Feng Zugang zur UNO-City in Wien, zu den Treffen der österreichischen Olympiamedaillengewinner, zur Heeressport- und Nahkampfschule, zur Hochschule für Dastellende Künste. Er suchte Anschluss an Theatergruppen, an Mitglieder von Botschaften und suchte nach einem Raum in der Nähe der Diplomatischen Akademie.

Wang Dong Feng wollte Zugang zu wichtigen Kampfsporteinrichtungen. Aber auch zu spirituellen Zentren und Yogaschulen. Er wollte in möglichst vielen Institutionen in Wien präsent sein. Im Buddhistischen Zentrum Wien kam es, laut Aussage einer Mitwirkenden, zu deutlichen Auseinandersetzungen. Auch im Zentrum Shambhala musste Wang Dong Feng gehen. Kontakt suchte Wang Dong Feng auch zum bekannten spirituellen Autor und Philosophen Arnold Keyserling, in dessen Yogaschule er Einzug hielt. Hier kam es ebenfalls zu Spannungen. Es könnte der Eindruck entstanden sein, dass Wang Dong Feng die renommierte Yoga-Schule von Arnold Keyserling übernehmen will.

Wang Dong Feng stellte auch Kontakt zum Musiker Oliver Shanti her, der für seine spirituelle Musik sehr beliebt war. Shanti interessierte sich vor allem für indische Lehren. Doch Wang Dong Feng brachte ihn dazu, zwei Alben zu produzieren, die für chinesische Stile geeignet sind. Nach dem Kontakt mit Wang Dong Feng erlitt Oliver Shanti einen schweren Absturz. Er wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und erkrankte an einer Infektion, die nicht genau identifiziert werden konnte. Die einst beliebte Musik von Shanti wurde in Deutschland aus den Regalen geräumt.

Wang Dong Feng hielt persönlich mehrere Adressen in Wien. Ein Keller im 9. Bezirk, in der Nähe des Donaukanals, wurde zu seinem Refugium. Abgesichert von mehreren Stahltüren mit jeweils 3 Schlössern. Kein Hinweis auf ein Zentrum für Kampftechniken. Kein Namensschild an der Pforte. Innen verwinkelte Räume mit Verschalungen, die die Anlage von verborgenen Räumen möglich machen.

Soweit es bekannt ist, zog Wang Dong Feng sich ungefähr im Jahr 2005 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Hochqualifizierte Kungfu in Wien angesiedelt

Wang Dong Feng war der erste Kungfu-Meister, der aus der Volksrepublik China nach Wien kam und als offiziell hochqualifiziert galt. Er war Träger des 10. Dan. Ein Rang, der in seiner Tradition: “Aus Respekt vor den toten Meistern nicht mehr oder kaum noch vergeben wird”. Inzwischen wurden rund 20 weitere chinesische Kungfu-Meister in der österreichischen Bundeshauptstadt angesiedelt. Obwohl Wushu, das ist der chinesische Begriff für die Kampftechniken des Kungfu, in Österreich nur als eine Randsportart gelten kann, die von relativ wenigen Personen ausgeübt wird.

Was ist der Auftrag dieser hochqualifizierten Wushu-Meister? Zu welchem Zweck werden sie so zahlreich in Österreich installiert? Es muss geklärt werden, ob Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt wurden, wenn chinesische Kungfu in Europa aktiv werden wollten.

Geostrategischer Ort in Europa

Wien ist geostrategisch ein günstiger Platz im Zentrum von Europa. Von Wien aus können Agenten klandestine Operationen in ganz Europa durchführen. Das gilt auch für chinesische Special Forces.

Wang Dong Feng erklärte, dass er ein chinesischer Dao ist, der in den Wudang Bergen zehn Jahre lang in Geheimlehren unterrichtet wurde, die nur mündlich tradiert werden. Auf dieser Basis sei er zu einem herausragenden Meister des Wushu geworden. Aber Wang Dong Feng erhielt in der Volksrepublik China noch eine weitere Ausbildung: Bei den Special Forces, in enger Zusammenarbeit mit Qing Fu Pan. Erst danach kam er in Europa zum Einsatz.

Der Name Dong Feng ist seit 1986, als der erste „Sturm aus dem Osten“ nach Wien kam, in der Volksrepublik China als Name beliebter geworden und wird häufiger gebraucht. Auch chinesische Restaurants begannen, diesen Namen zu verwenden. Damit wird gezeigt, dass der “Sturm aus dem Osten” erfolgreich ist.

Links:

Kungfu aus der Volksrepublik China lehrte in Wiener Polizeikaserne den Schlagstock (Huffington, 11. 4. 2018)

Über Polizisten und Hooligans: Die Wiener Polizei zum brutalen Übergriff beim Wiener Opernball (Huffington, 5. 4. 2018)

© Autor: Johannes Schütz, 2018

www.huffingtonpost.de/author/johannes-schuetz

Johannes Schütz ist Medienwissenschafter und ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Wien.

Email: info (at) communitytv.eu