POLITIK
12/06/2018 10:28 CEST | Aktualisiert 12/06/2018 12:57 CEST

Gipfel zwischen Kim und Trump: Nordkoreas Diktator gewinnt die PR-Schlacht

Die HuffPost-These.

Handout via Getty Images
Kim Jong-un und Trump bei ihrem Treffen in Singapur.

Eine wohlfühlige PR-Show, ein ikonischer Handschlag, ein großes Versprechen: Zu mehr hat es nicht gereicht. 

Die USA und Nordkorea haben beim Singapur-Gipfel von Donald Trump und Kim Jong-un ein neues Kapitel aufgeschlagen. Eines, in dem sie sich nicht mehr als Feinde begegnen wollen, sondern als Gesprächspartner auf Augenhöhe. 

► Das ist ein Erfolg. Allerdings nur ein symbolischer. 

Die Sprache der Singapur-Erklärung, die Trump und Kim am Dienstagmorgen unterschrieben, ist zu vage, um das einzigartige Aufeinandertreffen des US-Präsidenten mit dem Diktator Nordkoreas als politischen Durchbruch zu bezeichnen. 

Trump selbst hatte kurz nach seinen Gesprächen mit Kim noch getönt, das Treffen sei besser abgelaufen, als sich überhaupt jemand habe vorstellen können

► Der US-Präsident belog sich mit diesen Worten selbst.

Er und sein Außenminister Mike Pompeo hatten klar gemacht, dass sie nichts weniger als ein Versprechen zur vollkommenen Denuklearisierung Nordkoreas akzeptieren würden. 

Nach dem Gipfel ist nun jedoch klar: Mit diesem Ziel ist Trump eindeutig gescheitert. 

Kims vage Versprechen, Trumps übertriebenes Eigenlob

Denn die Singapur-Erklärung enthält keine Passage, in der sich Nordkorea klar und unmissverständlich zur Abrüstung und zur Aufgabe seines Atomprogramms bekennt. 

Das Dokument hält nur fest, dass das Kim-Regime sich bereit erklärt, “auf eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten.” Wer Kim Jong-un und seiner Regierung in den vergangenen Monaten zuhörte, konnte bereits ähnliche Aussagen vernehmen.

► Klar ist: Ein eindeutiges Bekenntnis zur baldigen nuklearen Abrüstung ist das nicht. 

Mehr zum Thema: Trump und Kim: Was ihr Handschlag über die beiden Staatschefs verrät

Auch sonst ist die Singapur-Erklärung kein politisch, sondern höchstens symbolisch bahnbrechendes Dokument. Die USA und Nordkorea verpflichten sich darin, gemeinsam nach “Frieden und Wohlstand” zu streben und Kriegsgefangene auszutauschen. 

Aber das war es dann auch schon – keine “schnelle Denuklearisierung” wie Trump sie am Dienstagmorgen Reportern versprach, keine Rede von einem Friedensvertrag. 

Das sind die vier Hauptpunkte der Singapur-Erklärung von Donald Trump und Kim Jong-un:

1. “Die USA und Nordkorea verpflichten sich dazu, eine neue Beziehung im Sinne der Wünsche ihrer Bevölkerungen und des Friedens und des Wohlstandes einzugehen.”

2. “Die USA und Nordkorea wollen in ihrem Bemühen, einen anhaltenden und stabilen Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen, zusammenarbeiten.”

3. “In einer Bestätigung der Panmunjon-Erklärung vom 27. April 2018 erklärt sich Nordkorea bereit, auf eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten.”

4. “Die USA und Nordkorea verpflichten sich, Kriegsgefangene und im Kampf vermisst gegangene Soldaten zu finden und sie wieder in ihre Heimat zurückzuführen.”

 

Diese Versprechen gaben Trump und Kim außerdem ab: 

► Trump sagte auf einer Pressekonferenz in Singapur, er werde die zur Abschreckung gedachten gemeinsamen Militärmanöver der USA mit Südkorea einstellen. 

► Kim sicherte im Gegenzug zu, dass internationale Atom-Kontrolleure Zugang zu Nordkorea erhalten sollen. 

Trump muss sich der Welt jetzt beweisen 

Die Singapur-Erklärung wirkt wie ein Ergebnis des für den US-Präsidenten so typischen Aktionismus. Retten tun sie eigentlich nur die Versprechen, die Trump und Kim nicht explizit in ihr festeghalten haben. 

Trump muss über diese Versprechen hinaus jetzt beweisen, dass er zu mehr als bombastischen aber letztendlich wirkungslosen Inszenierungen in der Lage ist. 

► Die Zweifel, dass er das kann, sind trotz der symbolischen Fortschritte an diesem Tag angebracht. 

Zur Erinnerung: Gerade erst hat der US-Präsident in einem beispiellosen Schritt auf dem G7-Gipfel die westliche Allianz gesprengt, die globalen Werte der USA verraten und seine engsten Verbündeten zu Gegnern gemacht. 

Mehr zum Thema: Trump und die G7: Keine Panik, die Welt geht nur ein bisschen unter

Stattdessen wendet Trump sich nun Kim Jong-un zu, einem so skrupellosen wie unberechenbaren Diktator. Dieser wurde durch den US-Präsidenten nun als Teil der Weltgemeinschaft legitimiert – ein Ziel, das das Kim-Regime seit Jahrzehnten verfolgt. 

Kim Jong-un hat die PR-Schlacht in Singapur so für sich entschieden. Und Donald Trump hat es in seiner vorschnellen Selbstsicherheit nicht einmal richtig gemerkt. 

(ujo)