POLITIK
12/12/2017 13:42 CET | Aktualisiert 12/12/2017 15:38 CET

Diese vier Frauen werfen Trump sexuelle Belästigung vor – und verlangen eine Untersuchung durch den US-Kongress

“Überall werden Männer für Belästigung zur Verantwortung gezogen - nur unser Präsident nicht.”

  • Vier Frauen werfen US-Präsident Trump vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben
  • Am Montag haben sie eine Untersuchung ihrer Anschuldigungen durch den US-Kongress gefordert

Sie sind wütend – und verlangen Gerechtigkeit.

Jessica Leeds, Samantha Holvey, Rachel Crooks und Lisa Boyne werfen US-Präsident Donald Trump vor, sie sexuell belästigt zu haben. Sie verlangen jetzt eine Untersuchung der Vorwürfe durch den US-Kongress.

Leeds, Holvey und Crooks berichteten am Montag im Fernsehsender NBC über ihre mutmaßlichen Erlebnisse mit Trump. Lisa Boyne schloss sich als vierte der Forderung auf einer Pressekonferenz an.

Bevor Trump gewählt wurde, hatten ihn Leeds, Holvey und Crooks bereits beschuldigt, sie sexuell belästigt und missbraucht zu haben. Am Montag in NBC berichteten die Frauen, wie sich das angefühlt hatte, ihren mutmaßlichen Peiniger dann im Weißen Haus zu sehen.

“Es hat uns fast das Herz gebrochen, dass wir uns offenbart hatten und Amerika zeigen wollten, wer Trump wirklich ist und wie er über Frauen denkt und die Amerikaner dann gesagt haben: ‘Ist uns doch egal’”, sagt Holvey. “Das hat wirklich weh getan.”

Es geht nicht hier nicht um 16 Einzelfälle - sondern wie Trump Frauen sieht und behandelt

Ein Sprecher des Weißen Hauses äußerte sich zu der Forderung nach einer Untersuchung im Kongress so:

“Diese falschen Anschuldigungen, denen in den meisten Fällen von Augenzeugen widersprochen wird, wurden schon vergangenes Jahr im Präsidentschaftswahlkampf geäußert. Das amerikanische Volk hat über die Anschuldigungen entschieden, indem sie Trump triumphal zum Präsidenten gewählt haben.”

Und weiter: “Das Timing und die Absurdität dieser falschen Vorwürfe sprechen Bände und die Publicity-Tour, die die Frauen nun begonnen haben, zeigt klar die politischen Motive, die dahinter stecken.”

Crooks nennt das Statement des Weißen Hauses “lächerlich”.

Wird Trump zurücktreten?

Leeds sagt der HuffPost: Sie erwarte nicht, dass die Anschuldigungen gegenüber Trump zu seinem Rücktritt führen werden – trotz der Rücktritte, die die #MeToo-Debatte in Hollywood und in der US-Politik ausgelöst hat.

“Wenn der Kongress nicht den Mut hat und zusammenarbeitet, um Trump zur Rechenschaft zu ziehen, wird nichts passieren”, sagt sie am Montag.

“Er scheint wirklich wie aus Teflon zu sein. Denn es gibt nicht nur die Vorwürfe von sexueller Belästigung gegen ihn”, fügt sie hinzu. “Er ist auch kein guter Geschäftsmann, er ist ein lausiger Regierungschef… Dieses Jahr war ein Desaster - außer in den Reden von Trump. Er hat einfach den Kontakt zur Realität verloren.”

Auf einer Pressekonferenz am Montag haben die vier Frauen den Kongress gedrängt, eine Untersuchung über die Vorwürfe gegen den US-Präsidenten aufzunehmen. 16 Frauen werfen Trump vor, sie sexuell belästigt zu haben.

“Alle werden zur Verantwortung gezogen - nur Trump nicht”

Leeds spricht am Montag auf der Pressekonferenz die kürzliche Welle an Enthüllungen über Männer in Machtpositionen an, die sich an Frauen vergangen haben.

Dazu zählen etwa der Filmproduzent Harvey Weinstein, aber auch der republikanische Kandidat für den Senatssitz in Alabama, Roy Moore, oder der demokratische Senator Al Franken.

“Es wurde deutlich, dass die Vorwürfe in einigen Bereichen ernstgenommen und die Menschen zur Verantwortung gezogen wurden - nicht so bei unserem Präsidenten”, sagt Leeds. “Wir sind nun in der Situation, dass in einigen Bereichen unserer Gesellschaft Menschen für ihr unerwünschtes Verhalten zur Verantwortung gezogen werden, wir aber nicht unseren Präsidenten zur Verantwortung ziehen, was er ist und wer er ist.”

Crooks weist als Beispiel auf die kürzliche Untersuchung gegen den Senator Franken hin. Mehrere Frauen haben dem Demokraten sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

“Wenn die Politiker im Kongress gewillt sind, die Vorwürfe gegen Senator Franken zu untersuchen, glaube ich, wäre es nur fair, wenn sie dasselbe bei Trump machen”, sagt Crooks. “Wir sollten Politiker mit so etwas nicht davon kommen lassen.”

“Das ist hat nichts mit der Parteizugehörigkeit zu tun”, sagt Holvey. Um hinzuzufügen, dass sie Trumps offene Unterstützung für Moore “absolut ekelhaft” finde.

Mehr zum Thema: “Trump küsste mich auf den Mund”: Ex-Fox-Moderatorin erhebt Vorwürfe gegen US-Präsidenten

“Keiner von uns fühlt sich wohl damit”

Leeds sagt, Holvey, Crooks und sie würden sich nicht über die Aufmerksamkeit freuen, die ihnen zuteil wurde, seit sie an die Öffentlichkeit gegangen seien.

“Keiner von uns fühlt sich wohl damit”, sagt sie. “Würden wir uns wohlfühlen, im Rampenlicht zu stehen, hätten wir mit unserem Leben etwas anderes angefangen. Aber das hier ist wichtig.”

Boyne wirft Trump vor, Mitte der 90er Jahre Modeln unter den Rock geguckt zu haben. Sie nimmt an der Pressekonferenz per Telefon teil. Boyne spricht über ihre Erfahrungen mit Trump und wird später sehr emotional, als sie über das geleakte “Access Hollywood”-Tape von 2005 spricht, in dem Trump damit angibt, Frauen “an der Muschi” zu packen.

“Wir sollten unsere Kinder nicht beibringen, zu reden… Das ist entsetzlich”, sagt Boyne. “Wir sollten Donald Trump auffordern, wie Al Franken zurücktreten. Was dank Trump kulturell als erlaubt gilt, ist tausend Mal schlimmer als alles, was Al Franken getan hat.”

Die Anschuldigungen werfen ein Licht auf Trumps Persönlichkeit

Trump werde nicht zur Verantwortung gezogen, weil sexuelle Übergriffe als akzeptierter Teil seiner Persönlichkeit gelten würden, sagt Holvey der HuffPost nach der Pressekonferenz.

“Es fühlt sich für mich an, als ob das ein Teil seiner Prahlerei, seiner Dreistigkeit ist. Und die Menschen sagen bloß: ‘Oh, so ist er eben’”, sagt Holvey. “Das ist nicht akzeptabel… Es geht nicht nur um die 16 einzelnen Fälle - es geht um sein ganzes Leben und wie er Frauen behandelt.”

Ihr Zusammentreffen mit Trump habe dazu geführt, dass sie ihren Traum aufgegeben hat, Miss USA zu werden. Trump organisierte früher den Schönheitswettbewerb.

“Ich wollte nicht, dass er mein Boss ist”, sagt Holvey. “Ich war einfach ein Stück Fleisch für ihn.”

Leeds spricht zum ersten Mal im vergangenen Jahr mit der “New York Times” darüber, dass Trump sie vor rund 30 Jahren in einem Flugzeug begrapscht hatte.

“Er war wie ein Oktopus”, sagte sie damals der Zeitung. “Seine Hände waren überall.”

Im selben Artikel sagte Crooks, Trump habe sie gewaltsam geküsst, als sie sich 2005 getroffen hätten.

 

“Wie als wären wir Fleisch - keine Menschen”

Holvey wirft Trump vor, sie persönlich und andere Kandidatinnen für den Miss-USA-Wettbewerb 2006 inspiziert zu haben.

“Er trat vor uns und schaute sich uns von Kopf bis Fuß an, als wären wir Fleisch, nur sexuelle Objekte - keine Menschen”, sagte Holvey 2016 dem US-Sender CNN. “Wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn ein ekelhafter Typ an der Bar sie abcheckt? So hat sich das angefühlt.”

Die Produktionsfirma Brave New Films hat die Pressekonferenz am Montag veranstaltet. Die Firma hatte im November ein dreiminütiges Video mit dem Titel “16 Frauen und Donald Trump” veröffentlicht. Das Video zeigt die Geschichten der Frauen, die Trump sexuelle Belästigung und Übergriffe vorwerfen.

Der Präsident und die Regierung haben die Behauptungen wiederholt zurückgewiesen und dementiert.

Trump hatte zunächst zugegeben, dass seine Stimme auf dem “Access Hollywood”-Tape zuhören sei und beschrieb die Aussagen als Männerwitze. Zuletzt deutete er laut Medienbericht jedoch an, dass die Stimme auf dem Tape nicht seine sei - auch wenn das eindeutig nicht der Fall ist.

Die Artikel erschien zuerst auf der HuffPost US und wurde von Benjamin Reuter und Leonhard Landes übersetzt.

(jg)