POLITIK
06/09/2018 06:39 CEST | Aktualisiert 06/09/2018 12:00 CEST

Donald Trump: Regierungsmitglied packt aus – Vertraute berichten von Wutanfall

Auf den Punkt.

Die Zeilen in der “New York Times” sind eine Revolte gegen Donald Trump:

In einem Kommentar berichtet ein hochrangiges Regierungsmitglied, das anonym bleibt, über die Zustände im Weißen Haus, über die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem US-Präsidenten – und über den Widerstand einiger Mitarbeiter gegen Trump.

Der Kommentar sorgt für Entsetzen im Weißen Haus. Außerdem beginnt das Rätselraten: Wer hat den Kommentar geschrieben? Die Lage um Donald Trump – auf den Punkt gebracht. 

Im Video oben seht ihr den Inhalt des brisanten “NYT”-Kommentars.

Was der Autor in der “New York Times” über Trump schreibt:

► Der Autor des Kommentars in der “New York Times” erhebt schwere Vorwürfe gegen Donald Trump: Der US-Präsident habe einen “impulsiven Führungsstil”, er sei amoralisch, seine Ideen seien stets “antidemokratisch” und “gegen den Freihandel”.

► Das Regierungsmitglied spricht auch von “stillen Helden”, die versuchten, “schlechte Entscheidungen im Westflügel des Weißen Hauses zu verhindern”.

► Eine der brisantesten Stellen: Im Kabinett habe es Überlegungen gegeben, Trump mithilfe des Zusatzartikels 25 des Amtes zu entheben.

► Dieser erlaubt es, den US-Präsidenten wegen physischer oder psychischer Gründe abzusetzen. Der Artikel wurde bisher in der US-Geschichte noch nicht angewendet.  

Wie Trump und das Weiße Haus reagieren: 

► Auf Twitter zweifelte Donald Trump an der Existenz des anonymen Autors und Regierungsmitglieds. “Wenn die FEIGE anonyme Person wirklich existiert, muss die ‘Times’ sie aus Gründen der nationalen Sicherheit sofort der Regierung übergeben.”

Trumps Sprecherin Sarah Sanders nannte den Kommentar in einer Mitteilung “erbärmlich, unverantwortlich und selbstsüchtig”. Der Autor sei ein Feigling und solle zurücktreten. 

► Die “Washington Post” berichtet unter Berufung auf zwei Quellen von einem “vulkanischen” Wutausbruch Donald Trumps als Reaktion auf den Kommentar. Er betrachte die Veröffentlichung als Akt des Verrats.

► Mitarbeiter würden die Sprachmuster des Autors analysieren, um so Rückschlüsse auf den Verfasser zu ziehen. “Das Problem für den Präsidenten ist, dass es so viele Menschen sein könnten”, sagte ein Regierungsmitarbeiter der “Washington Post”. “Man kann es nicht auf eine Person eingrenzen.”

► Mitarbeiter würden in Textnachrichten schreiben, dass die “Schläferzellen erwacht” seien. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte der US-Zeitung: “Es ist wie in den Horror-Filmen, wenn jeder realisiert, dass der Anruf aus dem Weißen Haus selbst kam.”

Wer als Autor des Beitrags in Frage kommt: 

► Der Politikberater Philippe Reines, früher tätig im Außenministerium von Hillary Clinton, veröffentlichte auf Twitter eine Liste der Personen, die aus seiner Sicht als Verfasser des Kommentars in Betracht kommen.

Darunter sind hochrangige Regierungsmitglieder wie der Direktor der Nationalen Nachrichtendienste, Dan Coats, der Stabschef des Vize-Präsidenten, Nick Ayers, oder die US-Botschafterin für die Vereinten Nationen, Nikki Haley. 

► “Washington Post”-Redakteur James Downie verweist auf Twitter auf das eigentümliche Wort “lodestar” (zu deutsch: “Leitstern”). Er sieht darin einen Beleg, dass Vize-Präsident Mike Pence oder einer seiner Mitarbeiter den Kommentar verfasst haben könnten, weil Pence das Wort in Reden verwendete. 

Auf den Punkt: 

Donald Trump wütet, seine Mitarbeiter sind entsetzt. Seit den Enthüllungen der Reporter-Legende Bob Woodward befindet sich das Weiße Haus – wieder einmal – in Aufruhr.

Dass ein hochrangiges Regierungsmitglied in einem Zeitungskommentar gegen den eigenen Präsidenten anschreibt, ist äußerst bemerkenswert. Historiker Douglas Brinkley vergleicht den Moment in der “Washington Post” mit dem letzten Regierungsjahr des später zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon. 

Auch Nixon habe seinen Mitarbeitern “verrückte Befehle” gegeben, die diese absichtlich ignorierten.

(sk)