POLITIK
10/03/2018 13:45 CET | Aktualisiert 10/03/2018 17:22 CET

Trumps Treffen mit Kim Jong-un wird eine PR-Show – und hilft nur Nordkorea

Die HuffPost-These.

TOSHIFUMI KITAMURA via Getty Images
Trump vs. Kim: Ein einseitiger Konflikt. 

Der eine ist ein autoritär auftretender Megalomane, der sein Militär atomar aufrüsten will und Zweifel an seinem Verstand provoziert – und der andere ist der Diktator Nordkoreas. 

Donald Trump und Kim Jong-un wollen sich treffen, vielleicht schon im Mai. Die Einladung hatte der nordkoreanische Herrscher ausgesprochen, und Trump hatte sie überraschend, ja fast überstürzt angenommen. 

Es wäre das erste Treffen zwischen einem US-Präsidenten und einem Machthaber Nordkoreas. Doch schon jetzt ist klar: Der Wirbel über die mögliche historische Zusammenkunft ist eine typische – und peinliche – PR-Show der Trump-Regierung. 

Trump und Nordkorea: Diplomatie als Egotrip

Das zeigen schon die widersprüchlichen Aussagen, die aus dem Trump-Lager über das Treffen mit Kim Jong-un gemacht wurden und noch immer gemacht werden. 

► Nur einen Tag vor der Verkündung des möglichen Treffens sagte so etwa US-Außenminister Rex Tillerson, die Vereinigten Staaten seien noch “sehr weit weg von direkten Verhandlungen” mit Nordkorea. 

► Einen Tag darauf verkündete das Weiße Haus, dass ein Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un auf jeden Fall stattfinden würde. Ein Mitarbeiter der US-Regierung sagte dem Magazin “Politico” dazu, Trump habe die Entscheidung spontan getroffen

► Auf Twitter behauptete der US-Präsident anschließend am Donnerstag, Kim Jong-un habe versprochen, sein Atomprogramm nicht nur zu stoppen, sondern sogar rückgängig zu machen. 

► Doch schon am Freitag widersprach ihm seine eigene Pressesprecherin, Sarah Huckabee Sanders, indem sie betonte, es werde nur zu einem Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Diktator kommen, sollte Kim “konkrete Schritte zur Denuklearisierung” einleiten. 

► Wenig später meldete sich wieder Trump per Twitter, um zu behaupten, dass Treffen werde bereits vorbereitet und nur Zeit und Ort müssten noch bestimmt werden. 

Die chaotische Kommunikation der US-Regierung zeigt, dass es alles andere als klar ist, ob ein Treffen mit Kim überhaupt stattfinden wird – und wenn ja, zu welchen Bedingungen. 

Trumps gleichzeitige Begeisterung darüber macht einmal mehr deutlich, wie es um das Diplomatieverständnis des US-Präsidenten bestellt ist: Solange er im Rampenlicht steht, sind ihm politische Inhalte egal

Von diesem Egotrip profitiert jedoch nur einer: Kim Jong-un. 

Kim Jong-un führt Trump und die USA vor

Denn es ist völlig ausgeschlossen, dass der nordkoreanische Diktator sein Atomprogramm aufgibt. Kims Nuklearraketen sind die Überlebensversicherung seines Regimes

Donald Trump könnte Nordkorea bei einem eventuellen Treffen nichts anbieten, was den Machthaber davon überzeugen könnte, diese Versicherung aufzugeben. Bisher hat Nordkorea alle Sanktionen gegen das Land umgangen oder ertragen – und es trotzdem geschafft, Atomsprengköpfe und Langstreckenraketen zu entwickeln. 

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Für Kim bedeutet dies, dass er zu einem Treffen mit dem US-Präsidenten – seit Jahrzehnten ein Ziel des nordkoreanischen Regimes – aus einer Position der Macht heraus kommen würde. Er könnte den Präsidenten der USA vor aller Welt vorführen, ohne auch nur ein Zugeständnis zu machen.

Trump sei der “ultimative Verhandler und Dealmaker”, sagte Pressesprecherin Sanders am Freitag, “und wir fühlen uns in unserer Position sehr sicher.” 

Die Frage bleibt, welche Position das sein soll. Donald Trump hat in Bezug auf Nordkorea schlichtweg keine. Mal droht er dem “kleinen Raketenmann” mit der Vernichtung, mal nennt er ihn ein “helles Köpfchen”, jetzt will er sich mit ihm treffen. 

► Während Trump aus narzisstischem Affekt handelt, tut es Kim aus machtbewusstem Kalkül

Es war Nordkoreas Diktator, der ein Treffen mit Trump überhaupt ins Spiel gebracht hat. Und es wäre Nordkoreas Diktator, der ein solches Treffen gnadenlos für seine Zwecke ausnutzen würde. 

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