POLITIK
05/02/2018 11:52 CET

Russland-Affäre: Trumps Sohn taucht in Talkshow auf – und verplappert sich

Ein tollpatschiger Schuss ins Knie.

Screenshot
Zu viel gesagt: Donald Trumps Sohn Donald Trump Junior. 
  • Donald Trump Junior hat sich in einer Talkshow des Senders Fox News über die Russland-Ermittlungen empört
  • Dabei sagte er einen Satz, der für seinen Vater nun zum Problem werden könnte

Er lernt es einfach nicht. 

Donald Trump Junior, der älteste Sohn des US-Präsidenten, tölpelt sich in der Russland-Affäre seiner Familie von einem Missgeschick zum nächsten. 

► Im Juni 2016 traf sich Trump Junior mit Regierungsvertretern aus Russland, um über “schmutziges Material” über die Wahlkampf-Rivalin seines Vaters, Hillary Clinton, zu sprechen. 

► Im vergangenen Jahr veröffentlichte er dann – ohne Not – die E-Mails, die zu diesem Treffen führten. Darin ist zu lesen, wie Trump Junior auf das Angebot aus Russland reagiert: “I love it”, schrieb es damals – “ich liebe es”

In der Folge lernte Trump Junior, sich zumindest öffentlich aus der Russland-Affäre rauszuhalten. Doch in den vergangenen Tagen ging sein Vater zum Angriff auf die Ermittler des FBI über. 

In einer Talkshow wollte der Sohn des US-Präsidenten diesem jetzt wohl zur Seite stehen – er fiel Donald Trump dabei aber durch eine unüberlegte Aussage in den Rücken. 

“Süße Rache – auch für die Familie”

In der Show des trumpfreundlichen Senders Fox News diskutierte Trump Junior mit Moderator Jesse Watters über das umstrittene Memo, das die Republikaner im Kongress auf Geheiß des US-Präsidenten veröffentlichen ließen. 

Das Memo stellt die Behauptung auf, dass das FBI und das US-Justizministerium einen Wahlkampfberater Trumps im Wahlkampf überwachen ließen – als Grund für die Überwachung habe das FBI angeblich das berühmte Steele-Dossier angeführt. Dabei handelt es sich um einen Report, den der ehemalige britische Agent Christopher Steele über Trumps Verbindungen nach Russland erstellte. 

► Steele, so behauptet es das Memo, habe verhindern wollen, dass Donald Trump Präsident wird. Die darauf aufbauende Überwachung des FBI sei somit ein politischer Skandal. 

► Das FBI hatte zuvor den Inhalt des Memos als fehlerhaft bezeichnet. Tatsächlich enthält es kaum belastbare Inhalte. Im Memo steht auch, dass die Russland-Ermittlungen unabhängig vom Steele-Dossier aufgenommen wurden.  

Mehr zum Thema: Trump lässt umstrittenes Memo veröffentlichen – und schadet sich damit selbst

Trump und Watters sprechen bei Fox News dennoch in peinlicher Aufregung von einer Verschwörung gegen den US-Präsidenten.

“Es gab nie Absprachen mit Russland”, wütet der Präsidentensohn. Alles, was die Russland-Ermittlungen ihm beschert hätten, seien Millionen Dollar an Anwaltskosten. 

Dann folgt ein folgenschwerer Satz über das jetzt veröffentlichte Memo: “An diesem Punkt ist das für mich süße Rache. Und ganz bestimmt auch für unsere Familie.” 

Die wahren Motive der Trumps kommen ans Licht

Es ist ein naives Eingeständnis. 

Donald Trump hatte nach der Veröffentlichung des Memos noch behauptet, es spreche ihn von jeglicher Schuld in der Russland-Affäre frei. 

Das tut es mitnichten – doch der US-Präsident nutzte die Vorlage der Kongress-Republikaner, um seine Attacken auf die US-Justiz als Feind der Demokratie zu rechtfertigen. 

Ein durchschaubares Manöver des immer autokratischer werdenden Trump, aber immerhin eines, das einer machtpolitischen Logik folgte

Jetzt jedoch kommt Donald Trump Junior daher und gibt – ganz der wirr- und starrköpfige Vater – zu, dass die Veröffentlichung des Memos nur ein billiger Racheakt gegen die Ermittler war. 

► Trump Junior liefert damit seinen Vater ans Messer. 

Denn längst geht es in den Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller zur Russlandaffäre nicht mehr nur um die Frage, ob Trumps Team unlautere Absprachen mit Russland getroffen hat.

Eine zentrale Frage der Ermittlungen ist vielmehr auch, ob der US-Präsident versucht, diese aktiv zu behindern oder sogar zu beenden. Es geht um den Vorwurf der “obstruction of justice” – der Behinderung der Justiz

Vom Rauswurf des FBI-Direktors James Comey über die versuchte Entlassung Muellers bis hin zu Trumps neuerlichen Attacken auf die Ermittler gibt es für den Vorwurf der Behinderung der Justiz viele Hinweise, glauben Experten. 

Donald Trump Junior hat bei Fox News nun einen weiteren Hinweis geliefert. 

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