POLITIK
16/05/2018 22:00 CEST

Anhörungsmitschrift: 5 brisante Aussagen von Trump Jr. über das Tower-Meeting

Auf den Punkt.

John Moore via Getty Images

Der US-Senat hat am Donnerstag ein wahres Monstrum von einem Dokument veröffentlicht: Auf über 1800 Seiten findet sich die Mitschrift der Anhörung von Donald Trump Jr. vor dem zuständigen US-Justizministerium. 

Im Zentrum der Befragung: das ominöse Treffen von Trump Jr. mit der russischen Anwältin Natalia Weselnitskaja im Juni 2016 im New Yorker Trump Tower. Bisher waren die Mitschriften nicht öffentlich.

Das Treffen steht im Mittelpunkt der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre. Denn das Gespräch zwischen dem Präsidenten-Sohn und Vertretern aus Russland stellt womöglich ein Indiz dar, dass Russland auf den US-Wahlkampf Einfluss nehmen – und dazu auch mit dem Trump-Team zusammenarbeiten wollte.

Die brisante Mitschrift zu Trump Jr. – auf den Punkt gebracht.

Das Treffen im Trump Tower in aller Kürze:

 An dem Treffen im Trump Tower nahmen neben Trump Jr, dem ältesten Sohn von US-Präsident Donald Trump, noch zwei weitere Mitglieder des Wahlkampfteams teil: der später zurückgetretene Wahlkampfmanager Paul Manafort und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner

 Von russischer Seite waren neben der Anwältin Weselnitskaja der russisch-amerikanische Lobbyist und Ex-Sowjet-Offizier Rinat Achmetschin anwesend.

 Organisiert hatte das Treffen Rob Goldstone, ein Publizist mit engen Kontakten nach Russland. Er vertritt den Sänger und Geschäftsmann Emin Agalarow – den wiederum Donald Trump 2013 in Moskau getroffen hatte.

 Goldstone hatte Trump Jr. in einer Email “Schmutz” von russischer Seite über die Rivalin im US-Wahlkampf, Hillary Clinton, angeboten. Worauf Trump Jr. bekanntermaßen geantwortet hatte: “Ich liebe es.” 

Die 5 brisantesten Aussagen:

 1. Trump Jr. wollte Schmutz über Hillary Clinton. Auf Nachfrage eines US-Senators bestätigt der Präsidenten-Sohn, mit “es” in “Ich lebe es” seien schädliche Informationen über Clinton gemeint. Das ist wichtig, denn aus dem Email-Verkehr war das nicht unmissverständlich zu erkennen. 

2. Alle Beteiligten waren nach dem Gespräch enttäuscht. In seiner Anhörung sagte Trump Jr.: “Ich hätte sonst nicht 20 Minuten verschwendet, mir etwas anzuhören, für das ich nicht gekommen bin.” Auch Goldstone sprach von einem “peinlichen” Treffen in seiner Anhörung. 

Weselnitskaja sagte hinterher laut dem Übersetze Anatoli Samotschornow, der auch an dem Treffen im Trump Tower teilgenommen hatte: “Sie hatte etwas ‘Größeres’ von dem Treffen erwartet.”

 3. Goldstone wurde von russische Seite gedrängt worden, das Treffen zu arrangieren. Der Publizist gab zu: “Ich habe damals gesagt, dass es eine schlechte Idee und ein furchtbares Treffen ist.” Er habe das auch Agalarow erzählt, doch dieser habe nur gesagt: “Das ist nicht wichtig. Du musst nur das Treffen hinbekommen.”

 4. Paul Manafort machte sich kryptische Notizen. Sie wurden am Donnerstag ebenfalls veröffentlicht und enthalten eine Reihe von scheinbar unzusammenhängenden Wörtern. 

Wie die “Washington Post” erklärt, beziehen sich die Begriffe alle mehr oder weniger auf den sogenannten Magnitsky Act, ein US-Gesetz mit dem Sanktionen gegen Russland erlassen wurden. Im Gegenzug verbot der Kreml amerikanischen Familien russische Kinder zu adoptieren – ein Thema, über das bekanntlich im Trump Tower gesprochen worden war. 

 5. Die brisanteste Stelle aber bezieht sich direkt auf Donald Trump selbst. Hintergrund ist eine Mitteilung des Weißen Hauses zum Trump-Tower-Treffen, das irreführende Informationen enthielt. Eine offene Frage in der Russland-Affäre lautet: Hat der US-Präsident selbst Einfluss auf das Verfassen der Mitteilung genommen?

Trump Jr. deutet an, das dem so gewesen sein könnte. Durch seine damalige Kommunikationsdirektorin Hope Hicks könnte Trump die Mitteilung kommentiert haben, sagte Trump Jr. aus. 

Sollte Trump durch irreführende Aussagen die Aufklärung der Russland-Affäre bewusst behindert haben, hätte das wohl rechtliche Konsequenzen für ihn. 

Auf den Punkt gebracht:

Die Mitschrift der Anhörung von Trump Jr. offenbart nicht viel Neues über das Treffen im Trump Tower. Doch es bestätigt lang gehegte Vermutungen – und enthält die eine oder andere brisante Stelle.