POLITIK
23/10/2018 07:06 CEST | Aktualisiert 24/10/2018 08:47 CEST

Trump sagt, er sei "Nationalist" – warum das ein Wendepunkt für die USA ist

“Weiß Trump nicht, welche historische Last mit diesem Wort assoziiert ist? Oder ist er einfach ignorant?”

  • Auf einer Rally im Wahlkampf für die Midterms in Texas hat Donald Trump einen bemerkenswerten Satz über seine politischen Überzeugungen gesagt. 
  • Trumps Worte verdeutlichen unmissverständlich, wo der US-Präsident seine Partei und sein Land hinsteuert. 
  • Im Video oben seht ihr einen Ausschnitt aus seinem Auftritt, in dem er vermutet, dass Terroristen über eine Flüchtlingskarawane in die USA gekommen wären.

Er redet wieder über Migranten. Über “illegale Fremde”, über eine Karawane von 4000 Menschen aus Lateinamerika, in die sich “Kriminelle und unbekannte Nahostler” gemischt hätten. Eine Karawane, wegen derer Existenz er den Nationalen Notstand ausrufen und das US-Militär an die Grenze schicken will.

Donald Trump hat im Wahlkampf für die Midterms sein neues altes Thema gefunden: Flüchtlinge – und vor allem die Angst seiner Anhängerschaft vor diesen. 

Bloomberg via Getty Images
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung für den republikanischen Senator Ted Cruz in Houston, Texas. 

Am Montagabend hat Trump in diesem Geiste bei einer Wahlkampfveranstaltung für den republikanischen Senator Ted Cruz in Texas einen bemerkenswerten Satz gesagt. Vor allem ein Wort stach heraus.

Donald Trump bezeichnet sich selbst als “Nationalisten”

“Wir stellen Amerika wieder an erste Stelle”, begann Trump die entsprechende Passage seiner Rede. “Wir kümmern uns jetzt wieder um uns selbst, Leute.” 

Die Demokraten, sagte der US-Präsident, würden die Uhren wieder zurückdrehen und die Macht wieder an “machthungrige Globalisten” geben wollen. 

“Ihr wisst, was ein Globalist ist, oder?”, fragte Trump unter Buhrufen der Menge für die Demokraten. “Ein Globalist ist jemand, der möchte, dass es dem Planeten gut geht – aber der sich nicht wirklich um sein Land sorgt.” 

Das dürfe nicht sein, sagte Trump. Und fügte hinzu: 

“Wisst ihr, es gibt ein Wort, das ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Es heißt: ‘Nationalist’. Uns wird gesagt, wir sollen das Wort nicht benutzen. Aber wisst ihr was ich sage? Ich bin ein Nationalist, wirklich. Benutzt das Wort.” 

Reaktionen auf Trump: “Ist er einfach ignorant?”

Es ist eine heikle Selbstbeschreibung, die Trump in Texas wagte. 

“Nationalismus” ist in den USA ein umstrittener Begriff, einer, der eng mit der Erinnerung an die Feinde im Zweiten Weltkrieg, Deutschlands Nationalsozialisten, verbunden ist. In der heutigen Zeit wird er vor allem im Zusammenhang mit rechtsradikalen Gruppierungen verwendet, die “white nationalists” genannt werden. 

Das Selbstverständnis der USA war daher stets eher ein patriotisches, denn ein nationalistisches. Zumindest begrifflich ist Trumps Verwendung des Wortes “Nationalist” also brisant: Sie signalisiert einen Wendepunkt in diesem Selbstverständnis. 

Der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, etwa twitterte: “Weiß Trump nicht, welche historische Last mit diesem Wort assoziiert ist? Oder ist er einfach ignorant?” 

Robert Costa, Reporter der “Washington Post”, schrieb auf Twitter, dass für Trump mit der Nutzung des Worts “Nationalist” eine rhetorische Reise zu Ende gehe. 

“Er hat sich dem Label immer widersetzt, weil er es für eine ‘Breitbart’- oder Bannon-Sache hielt, ein rechtsradikales Label, das nicht zu ihm passt”, schrieb Costa. Er erinnerte daran, dass Trump seine Politik lieber als “gesunden Menschenverstand” bezeichnet. 

“Doch heute Nacht hat er anerkannt, was er schon immer war: ein Nationalist, einer von vielen in der Welt”, schrieb Costa.

► “Trump benutzt sehr nationalistische Begriffe und betreibt Politik als Reaktionen auf von ihm so wahrgenommene Bedrohungen für die Nation.” 

Der Politikwissenschaftler Ian Bremmer reagierte auf Trumps Worte mit einer Kurzanalyse von dessen Politik:

“Trump ist ein Nationalist in der Außenpolitik (Handel, Unilaterismus). Aber er ist ein Globalist in der Innenpolitik (Unternehmenssteuer, Abbau von Regulierungen). Für den Durchschnittsamerikaner ist das ein bisschen blöd.” 

Bremmer erinnerte auch an ein Zitat des ehemaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle, das verdeutlicht, was für eine Wende im Selbstverständnis der USA Trump mit seiner Verwendung des Begriffs “Nationalist” vollzogen hat. 

De Gaulle, der gegen Hitler und die Nazis kämpfte, sagte einst: “Patriotismus ist, wenn die Liebe für dein eigenes Volk an erster Stelle steht. Nationalismus ist, wenn der Hass auf ein anderes Volk an erster Stelle steht.”